Italiens Kreditberg braucht niedrige Zinsen

30. November 2011, 15:13
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Zwischen Februar und April sind 150 Milliarden Euro fällig. Pro Prozentpunkt an höheren Zinsen gibt es jährliche Mehrkosten von 18 Milliarden Euro

Frankfurt/Wien - Das Misstrauen der Anleger könnte Italien spätestens im Frühjahr zum Verhängnis werden. Dann muss sich das Land voraussichtlich am Finanzmarkt gigantische Summen leihen, um auslaufende Kredite zurückzuzahlen. Die derzeit hohen Zinssätze von mehr als sieben Prozent beherrschen zwar seit Wochen die Schlagzeilen in der Schuldenkrise. Sie schlagen sich jedoch bisher kaum in der italienischen Staatskasse nieder, da sich das Land zu diesen Sätzen bis jetzt noch nicht so viel Geld leihen musste. Auch im Dezember und Jänner dürfte das Land die hohen Zinssätze verkraften - erst danach wird es richtig teuer.

Allein zwischen Februar und April laufen Anleihen im Volumen von rund 150 Mrd. Euro aus und müssen mit neuen Krediten ersetzt werden. Jeder Prozentpunkt mehr bei den neuen Kreditzinsen in diesen drei Monaten bedeutet also jährliche Zusatzkosten von 1,5 Mrd. Euro.

Die hohen Zinsen am Markt entfalten damit erst kumulativ ihre Wirkung: Entscheidend ist weniger, wie hoch die Zinsen tagesaktuell sind, sondern vielmehr, wie lange sie hoch bleiben. Insgesamt sitzt Italien auf einem Schuldenberg von rund 1,8 Bio. Euro, der über die Jahre komplett refinanziert werden muss. Jeder einzelne Prozentpunkt an höheren Zinsen würde also letztendlich auf jährliche Mehrkosten von 18 Mrd. Euro hinauslaufen. 

Italien fühlt beim IWF vor

Italien hat nach Informationen von mehreren Eingeweihten beim Internationalen Währungsfonds (IWF) erste Gespräche über Finanzhilfen in der Schuldenkrise geführt. Der Beitrag des Fonds könne womöglich um Kredite nationaler Zentralbanken der Euro-Zone aufgestockt werden, eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, sagten mehrere mit dem Vorgang Vertraute der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag. Der neu gewählte Regierungschef Mario Monti werde keine Hilfeersuchen an den IWF vor dem 5. Dezember stellen, wenn er seinem Kabinett den Entwurf für den Haushalt 2012 vorlegen werde. Italien hat nach den Worten von Monti allerdings keine Hilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF) erwogen. (APA/Reuters)

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