Mysteriöse Explosion soll Atomanlage beschädigt haben

30. November 2011, 15:48
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Zeitung beruft sich auf israelische Geheimdienst-Verantwortliche - Keine unabhängige Bestätigung

London/Tel Aviv/Wien - Eine Explosion, die sich am Montag in der westiranischen Stadt Isfahan ereignet haben soll, hat nach Angaben der britischen Zeitung "The Times" eine wichtige Atomanlage beschädigt. Das meldet die israelische Zeitung "Haaretz", die bereits vor zwei Tagen über die Explosion in Isfahan berichtet hatte. Dort befindet sich eine seit 2004 in Betrieb befindliche Anlage zur Uran-Konversion.

Laut der halbamtlichen iranischen Nachrichtenagentur FARS hatten verschreckte Einwohner von Isfahan nach der heftigen Explosion die Feuerwehr gerufen. Das habe die Stadtverwaltung dazu gezwungen, zuzugeben, dass es eine Detonation gegeben hatte, schrieb "Haaretz". Zuvor hatten die iranischen Behörden die Berichte über eine Explosion dementiert. Später sprach der Gouverneur von Isfahan von einem Unfall, der sich bei einer militärischen Übung ereignet habe.

Satellitenfotos

Demgegenüber behauptet "Times", dass es sich um keinen militärischen Unfall gehandelt habe, vielmehr sei eine Atomanlage beschädigt worden. Das Blatt berief sich auf israelische Geheimdienst-Verantwortliche, die ihre Schlüsse aus Satellitenfotos gezogen hätten. Auf diesen sei Rauch zu sehen, der aus der Richtung der Konversionsanlage komme. Es gebe keinen Zweifel, dass sich die Explosion in der Anlage ereignet und dass es sich nicht um einen Unfall gehandelt habe, so die Geheimdienstler.

Für den "Times"-Bericht gab es bisher keine Bestätigung durch eine andere Quelle. Am Montag hatte US-Außenamtssprecher Mark Toner erklärt, es lägen ihm keine Berichte über eine derartige Explosion vor.

In der Konversionsanlage in Isfahan erfolgt ein grundlegender Schritt im iranischen Atomprogramm. Die in Form von "Yellow Cake" vorliegenden Uranverbindungen aus dem Erzabbau werden in Uranhexafluorid umgewandelt. Dieses wird anschließend in Gaszentrifugen - die sich in Natanz und bei Qom befinden - eingebracht, in denen die Trennung von schwererem Uran 238 und leichterem Uran 235 erfolgt. Letzteres wird für den Betrieb von Kernkraftwerken und - in hochangereicherter Form - für Atombomben benötigt.

Seit über einem Jahr ist das iranische Atom- und Rüstungsprogramm mysteriösen Störfällen und Attacken ausgesetzt, hinter denen Beobachter Israel vermuten. So legte das Stuxnet-Virus Anreicherungszentrifugen lahm, dann kam es zu Morden an Atomforschern. Vor zwei Wochen gab es eine große Explosion in einem Raketenwerk nahe Teheran. Dabei kam auch der Chefentwickler der weitreichenden Shahab-Raketen, General Hassan Tehrani Moqaddam, ums Leben. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Anlage Isfahan und Unterstützer des iranischen Regimes.

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