Gekostet: Die Haubenburger des McMörwald

30. November 2011, 17:26
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Wir haben Toni Mörwalds Rezepturen bei McDonalds getestet und - obgleich Hunger der beste Koch ist - eine McDonaldisierung Mörwalds feststellen müssen

Wir sind hungrig und wir sind neugierig - ist ja beides unsere Profession. Heute wird bei McDonalds getafelt, "legitimiert" durch drei neue Burgerkreationen des österreichischen Multigastronomen Toni Mörwald.

Während der mit mehreren Gault Millau-Hauben Ausgezeichnete in Krems den Gourmettempel "Relais & Chateaux Kloster Und" betreibt und sich als Präsident des "Bundes Österreichischer Gastlichkeit" für die Genusskultur in Österreich einsetzt, ist er seit Mitte November österreichisches Aushängeschild von McDonalds. "Gutburgerlich" nennt der Fast-Food-Gigant die Kreationen des Niederösterreichers, die da heißen: Surf & Turf, McTafelschmaus, Chicken Caprese, McBackhendl und Argentino Grill.

13 Minuten Wartezeit

Da die beiden letzteren erst ab 7. Dezember kredenzt werden und das Fleisch fürs Chicken Caprese nach McDonalds-Angaben von Betrieben aus dem Ausland kommt, entscheiden wir uns - wohl wissend, dass die Tierhaltung für Fleisch mit AMA-Gütesiegel auch nicht mit Sicherheit das Gelbe vom Ei ist - für den Surf & Turf und einen McTafelschmaus. Könnten ja wirklich außergewöhnlich feine Burger sein, die uns da erwarten. 

"Einmal Surf & Turf!" ruft der freundliche Herr an der Kassa seinen Kollegen in der "Küche" zu. "Scheißdreck..." murmelt es von dort zurück - haben wir richtig gehört? Durchaus! sind wir uns 13 Minuten später sicher, denn so lange dauert es, bis der Luxusburger fertig ist. Wie war das nochmals mit der von der McDonalds-Pressesprecherin angekündigten Schulung? "Unsere Mitarbeiter werden eigens eingeschult, so wie auf alle anderen neuen Produkte auch. Ein komplexerer Produktaufbau ist unseren Mitarbeitern nicht neu."

Burger halt...

Der freundliche Herr von der Kassa bringt ihn an den Tisch, aber da sind die Pommes schon kalt, das Cola ausgetrunken. Der McTafelschmaus bereits gegessen. "Österreichisches Rindfleisch mit knusprigem Rösti, perfekt vollendet mit feiner Apfel-Kren Sauce und frischem Eisbergsalat" beinhaltet er laut Ankündigung. Das Rindfleisch ist ein McDonalds Rindfleischlaberl, das Rösti eine Fertigkrokette, die Sauce ist süß, sonst aber nicht wirklich identifizierbar.

Der Surf & Turf besteht aus dem bekannten Rindfleischlaberl, einer zusammengepressten Platte Shrimps, Tomaten, Gurken, viel Rucola - und Sauce. Konsistenz und Aroma entsprechen in etwa dem aller anderer Burger.

Mörwald mcdonaldisiert?

Was unterscheidet nun die Hauben-Burger geschmacklich von den McDonalds Standard-Burgern? Wir haben es nicht herausgefunden und woanders schon bessere Burger gegessen. Die Haubenküche dürfte nicht bei der Fast Food-Kette angekommen sein. Ist McDonalds etwa nicht mörwaldisiert sondern Mörwald mcdonaldisiert worden?

Womit wir beim vermeintlichen Sinn und Zweck des ganzen Unterfangens angelangt wären. Zu vermarkten wusste sich der Haubenkoch schon immer. Nun gibts die Finanzspritze vom Fast Food-Riesen. Irgendwie geht's trotzdem immer. (tin, derStandard.at)


Geht's noch? / Geht doch! gibt auf subjektive Art und Weise Freude und Leid im Alltag der Lifestyle-Redaktion beim Essen, Trinken & Einkaufen wieder.

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    Die Zubereitung der "Haubenburger" durch das McDonalds-Team scheint noch keine Routine zu sein: "Einmal Surf & Turf!" ruft der freundliche Herr an der Kassa seinen Kollegen in der "Küche" zu. "Scheißdreck..." murmelt es von dort zurück.

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