Adolf Loos' Arbeitsweise im Fokus

30. November 2011, 13:55
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Ausstellung zur Entstehung der Architekturikone am Michaelerplatz

Wien - Eine kleine Ausstellung widmet sich von 1. Dezember  bis 17. Februar im Ringturm dem Entstehungsprozess einer der Architekturikonen Wiens: "Adolf Loos und Wien". Der Name der Schau ist dabei unpräzise, handelt es sich doch weniger um einen Blick auf das Gesamtoeuvre des Avantgarde-Architekten als auf die Genese seines bis heute bekanntesten Baus, dem Looshaus am Michaelerplatz.

"Ziel war nicht, die in Stein gebaute Architektur von Loos zu zelebrieren, sondern seinen Arbeitsprozess zu rekonstruieren", umriss Kurator Marco Pogacnik am Mittwoch bei der Präsentation für die Presse sein Konzept.  Dabei sind einige bis dato unveröffentlichte Dokumente zu sehen, welche die verschiedenen Planungsschritte im schwierigen Genehmigungsverfahren verdeutlichen. Nachdem der zu diesem Zeitpunkt noch relativ unbekannte Architekt 1909 von der Modefirma Goldman & Salatsch den Auftrag zum Bau der Firmenzentrale am Michaelerplatz erhalten hatte, folgten lange Dispute mit den Behörden. Bauakten und Planskizzen zeigen den Weg zur Verwirklichung des in den oberen Geschoßen von Ornamenten befreiten Baus gegenüber der Kaiserresidenz.

Loos' Werk sei ebenso anonym wie eigenständig, füge sich mithin in den Stadtraum ein, ohne unterzugehen, unterstrich Pogacnik. Dies sahen die Zeitgenossen mehrheitlich bekanntermaßen anders, weshalb relativ bald nach Errichtung des Baus erste Umbauten erfolgten. Erst 1987, nach der Übernahme durch die Raiffeisenbank, wurde das Gebäude wieder einer grundlegenden Renovierung und Rekonstruktion unterzogen. "Man staunt, dass eigentlich nichts mehr an dem Haus original ist", so Ko-Kurator Adolph Stiller.

Die durch trockene Bauzeichnungen und Grundstücksaufrisse dominierte Ausstellung im Ringturm wird flankiert von drei Tischen und vier Stühlen, die für das Möbeldesign der Zeit stehen sowie einem Kaschmirwollmantel als Symbol für die Modefirma Goldman & Salatsch. Überdies finden sich am Eingang vier Modelle von Loos'schen Villen. Ausführlicher zeigt sich da der zur Ausstellung erstellte Katalog, in dem genauer auf die Schriften des Architekturtheoretikers Loos eingegangen werden kann und die Entwürfe im Detail beleuchtet werden.  (APA)

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    Vereinfachte Formen, raffinierte Materialwahl: Detail des Hauses am Michaelerplatz

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