Grösster Streik seit 30 Jahren

Britische Staatsbedienstete streikten gegen Pensionsreform

Ansichtssache | 1. Dezember 2011, 08:17

Britische Staatsbedienstete haben mit dem größten Streik in Großbritannien seit 30 Jahren gegen die geplante Pensionsreform der Regierung protestiert. Lehrer, Krankenhausbedienstete und Grenzschützer legten am Mittwoch ihre Arbeit nieder und erhöhten damit den Druck auf die rechtsliberale Regierung von Premierminister David Cameron. Nach Angaben der Gewerkschaften haben sich mehr als zwei Millionen an den Streiks beteiligt. 

Die Regierung verurteilte den Ausstand. Premierminister David Cameron sagte im Parlament, Einsparungen im öffentlichen Sektor seien "absolut notwendig". Er warf Labour-Chef Ed Miliband vor, "unverantwortlich, linksgerichtet und schwach" zu sein, weil er die Streiks nicht verurteilte.

Die meisten Schulen in England und Wales blieben geschlossen. Auf Flug- und in Seehäfen wurde mit Verspätungen gerechnet. Die Pläne der Regierung sehen höhere Rentenbeiträge vor. Außerdem müssen die Beschäftigten vor einem Renteneintritt künftig länger arbeiten. Die Regierung hatte erst am Dienstag ihre Prognosen für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes gesenkt. Sie geht nun davon aus, dass die Neuverschuldung nicht so zügig wie erwartet zurückgehen wird. Das bedeutet, dass das Königreich länger sparen muss als geplant. (APA/red)

Link: BBC: Public sector strike to be 'largest for a generation

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Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 31
1 2
alexS2011
00
1.12.2011, 13:18
Lokalbericht

Lebe seit 10 Jahren in Grossbritannien.
In unserem Spital war 'Sonntagsbetrieb'. Alle geplanten Operationen wurden verschoben. Auf der Station waren keine Therapeuten.
Alle oeffentliche Schulen waren geschlossen. Nur die Privatschulen waren offen. Die U-Bahn in Glasgow fuhr nicht.

Freigeistin1
20
1.12.2011, 12:08

Diese Leute kapieren wohl immer noch nicht, dass massive Einsparungen notwendig sind, wenn zukünftige Generationen noch eine Chance haben sollen (auf Jobs, auf eine Pension ...).

sterngucker
 
11
1.12.2011, 13:28
Sie kapieren wohl noch immer nicht,

daß "massive Einsparungen" der sichere Weg sind, um dieses Wirtschaftssystem, das wie ein Junkie von ununterbrochenem Wachstum abhängt, zum Implodieren zu bringen.

Freigeistin1
00
1.12.2011, 13:30

Um Wachstum zu erzielen braucht es keine (neuen) Schulden, sondern solide Haushalte und gesunde Unternehmen, die entsprechende Löhne zahlen können und Arbeitnehmer, die durch die aktuelle Abgabenlast nicht noch mehr belastet werden.

Wenn man schon bis zum Hals in Schulden steckt, muss man endlich sparen (wie jeder andere Haushalt auch) um wieder zu neuen Wirtschaftsleistungen beizutragen.
Jetzt noch mehr Schulden machen und dann mittels Inflation die Sparguthaben der Bürger zu vernichten ist sicherlich nicht der richtige Weg.

sterngucker
 
00
1.12.2011, 14:31
Ich plädiere sicher nicht dafür, jetzt noch mehr Schulden zu machen

Aber Ihre parenthetische Bemerkung "wie jeder andere Haushalt auch" offenbart mangelndes Verständnis volkswirtschaftlicher Zusammenhänge. Der Staat ist eben kein Haushalt wie jeder andere auch. Wenn ein gewöhnlicher Haushalt seinen Konsum von heute auf morgen um 75% einschränkt, kratzt das außer die Familienmitglieder niemanden. Tut das der Staat, reißt er die gesamte Volkswirtschaft in den Abgrund.

Der offensichtliche Fehler in Ihrer Argumentation: Sie reduzieren die Handlungsmöglichkeiten auf zwei Alternativen: Schulden machen oder Ausgaben kürzen. Es gibt aber eine dritte Möglichkeit, die nicht zufällig fast immer unterschlagen wird: gerechte Aufteilung der Lasten durch Besteuerung privilegierter, arbeitsfreier Einkommen.

Avicenna
 
03
1.12.2011, 10:38
Einzahlen darf man schon...

Wenn ich bedenke, was ich der SVA jedes Jahr in den Rachen stopfe... Viel werde ich davon wahrscheinlich nicht mehr zu sehen bekommen.
Mein Auszug der Krankenversicherung für das letzte Jahr: sie haben 129 € verbraucht. Freut mich zu lesen, dass ich das System nicht belaste. Aber wird das System das später mal honorieren?

quick & dirty
11
1.12.2011, 09:58
überall streiken die letzten privilegien-ritter.

für ihre, natürlich selbstverständlich, eigene tasche.
.
diese nicht-solidarität ist eigentlich schon unerhört
.

cupertino
11
1.12.2011, 11:48
beobachtungen von der chefetage?

wie sieht es mit ihrer solidaritaet aus?

Freigeistin1
10
1.12.2011, 12:09

Was ist daran sozial nicht endlich einzusehen dass wir alle über unsere Verhältnisse gelebt haben und dass massive Einschnitte/Strukturrefomen/Pensionsantrittsalter Erhöhungen ... notwendig sind, wenn unsere Kinder und Enkelkinder auch noch eine Chance haben sollen!

sterngucker
 
00
1.12.2011, 13:33
Unsozial ist das Dreschen dieser Phrase

*Wir* haben sicher nicht *alle* über unsere Verhältnisse gelebt. Das trifft höchstens auf die zu, die der Realwirtschaft das Geld entziehen und mittels Finanzkonstrukten, die selbst Experten nicht mehr verstehen, fiktive Wohlstandsansprüche generieren, die nicht mehr bedient werden können.

Millionen Menschen leben mehr schlecht als recht und müssen jeden Euro zweimal umdrehen. Ihnen zu unterstellen, sie hätten über ihre Verhältnisse gelebt, ist zynisch und verhöhnend.

Freigeistin1
00
1.12.2011, 13:38
@Feindbild "Spekulanten"

Grundsätzlich schaffen Spekulanten durch ihren Handel zusätzliche Liquidität und sorgen so dafür, dass z. B. Käufer oder Verkäufer von Währungen nahezu immer auf einen Handelspartner treffen. Eine Tobin-Steuer würde die Zahl der Spekulanten und damit die Liquidität senken und somit (neben der Tobin-Steuer selbst) für höhere Kosten beim Handel sorgen.

Der "Feind" sind also nicht die bösen Spekulanten, sondern unseriöse Politiker(jeder Farbe!), die Schulden machen, die nur asozial sein können - va. auf dem Rücken der nächsten Generationen.

Feuergeist
 
00
2.12.2011, 09:29
Und warum brauchen wir jemanden der mit Geld handelt (mit Währungen also tatsächlich spekuliert)?

sterngucker
 
00
1.12.2011, 14:23
Ja, die Spekulanten als Schmiermittel im Getriebe der Weltwirtschaft

Bloße Dienstleister sozusagen. Ein schönes Bild, das vielleicht einmal in Ansätzen gestimmt hat, aber längst nicht mehr der Wahrheit entspricht. Mittlerweile haben sich die Verhältnisse umgekehrt, und die produktive Wirtschaft ist zum Anhängsel der Finanzwirtschaft geworden. Finanzinvestitionen versprechen Gewinn, ohne sich produktiv dreckig zu machen. Mit Systemerhaltung hat das nichts mehr zu tun; das System ist vielmehr zum Selbstzweck geworden. Das ist das Gegenteil von Leistung: horrende Gewinne für das bloße Umlenken von Geldströmen von einer Tasche in die andere sind nichts weniger als parasitär. Das, werte Freigeistin, ist die Wurzel der gegenseitigen Misere, nicht die Staatsschulden.

Freigeistin1
00
1.12.2011, 13:37

Mit "über den Verhältnissen" gelebt ist gemeint: Dass die Staaten (= Politiker, die nun einmal von der Mehrheit gewählt wurden) immer mehr Schulden gemacht haben, va. um Wählerstimmen zu kaufen/zu sichern, wir uns ein Mrd. teures Pensions/Privilegiensystem, eine überteuerte Verwaltung/Beamten, eine ineffiziente Gesundenversorgung, die Öbb, die Nationalbank, Bundesrat, ... leisten ... und dabei gibt der Staat schon 42.000,-- pa.pro Person für Sozialleistungen aus. Ich frage Sie: Wo ist dieses Geld?Wie ist es möglich,dass es ca. 1Mio.armutsgefährdete Menschen gibt?Geben Sie nicht "dem Finanzmarkt"die Schuld,sondern den Politikern,die unser Geld verschwendet haben!

sterngucker
 
00
1.12.2011, 14:17
Sehr gute Frage!

Ich sage Ihnen, wie es möglich ist, daß es so viele armutsgefährdete Menschen gibt. Verantwortlich dafür ist eine Ideologie, welche abstrakte Systemzustände wie Liquidität oder "Käufer und Verkäufer treffen immer einen Handelspartner" als letzten Zweck des Wirtschaftens propagiert und nicht, wie es sich gehört, die Versorgung der Menschen mit Gütern und Dienstleistungen.

Diese Ideologie hat die Politik derart gekauft, penetriert und außer Kraft gesetzt, daß es global operierenden Unternehmen ein Leichtes ist, ganze Staaten zu erpressen und die Löhne zu drücken. Angesichts von 750 Zeichen eine extrem verkürzte Analyse, aber hier haben Sie die Hauptursache für die Armut inmitten obszön reicher Gesellschaften.

i_2_c
01
1.12.2011, 08:00
Double Negative ;)

Wenn man ein Schild hochhaelt auf dem _durchgestrichen_ "No Cuts" steht, ist man dann nicht *fuer* Kuerzungen? ;)

Herr und Frau Österreicher
 
00
1.12.2011, 08:03

Wieso? Werden Kinder neuerdings nicht mehr älter?

ravenna
83
30.11.2011, 21:21

Kinder gegen Pensionskürzungen demonstrieren zu lassen, ist ja das Allerletzte.

maimai
15
1.12.2011, 00:37
und

warum leicht?
Wie verrückt ist denn unsere Welt: Beständig wird geleugnet, dass die Interessen von Arbeitnehmern und ihren Chefs strukturell nicht dieselben sind, aber ich soll andere Interessen haben als meine eigenen Großeltern oder meine eigenen Kinder?
Ich finde dieses asoziale Generationengerechtigkeitsgeheule als Kürzungslegitimation ist das allerletzte. Und hat bis jetzt auch in keinem Land funktioniert, überall sind Junge Leute mit auf die Straße gegangen (z.b. Frankreich) und haben sich nicht auf derartig bescheuerte Weise gegen ihre eigenen Eltern und Großeltern ausspielen lassen von deren Pensionskürzung sie in keiner Weise profitieren.

ravenna
00
2.12.2011, 16:20

"Beständig wird geleugnet, dass die Interessen von Arbeitnehmern und ihren Chefs strukturell nicht dieselben sind, aber ich soll andere Interessen haben als meine eigenen Großeltern oder meine eigenen Kinder?"

Der Vergleich ist bescheuert. In ersterem Fall liegen die Interessen in einem vergleichbaren Zeitraum. Im anderen liegen zwischen den Interessen der Beteiligten Gruppen mehrere Jahrzehnte.

Herr und Frau Österreicher
 
21
1.12.2011, 08:04

So isses!!!

Chocoholic
00
30.11.2011, 21:04
Man sollte vielleicht anmerken, mit welchen Gehältern, welchrn Pensionseinzahlungen die Staats- und Gemeindebediensteten mit welcher Pensionshöhe in Pension gehen....

Klar, dass die streiken, wer will so etwas schon verlieren, das gibt es nirgendwo in der Privatwirtschaft.

sterngucker
 
00
1.12.2011, 13:38
In der Privatwirtschaft gibt es noch ganz andere Pensionsprivilegien

Top-Manager haben Pensionsansprüche, mit denen sie locker zehn oder mehr Beamte durch den Ruhestand füttern könnten. Komischerweise stört das diejenigen, die sofort nach Kürzungen schreien, wenn es um den öffentlichen Dienst geht, überhaupt nicht, obwohl sie in letzter Konsequenz auch für die CEO-Priviligien zahlen.

Und falls Sie versucht sein sollten, in die Ad-hominem-Kiste zu fassen: ich bin Angestellter in der ungeschützten Privatwirtschaft zu normalen ASVG-Bedingungen.

maimai
02
1.12.2011, 00:39
das

ist in Großbritannien (Beamtenpriviligien wie bei uns gibts dort nicht) nicht ganz der Fall und auch in Österreich ist die Darstellung hier wohl etwas übertrieben.

grimsvotn eyjafjallajökull
11
30.11.2011, 15:57

Was will ma denn, sie machen doch eh Dienst. Sie trinken Kaffee.

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