Wer schließt die Gigatonnenlücke?

30. November 2011, 12:34
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Die Ambitionen zum Klimaschutz der Länder sind noch zu klein

Südafrika ist ein ganz besonderes Land. Erst 1994 wurde der jahrzehntelang staatlich verordnete Rassismus hier überwunden. Wurde er wirklich überwunden? Die Straßen Durbans wurden anlässlich der COP 17 im Stadtzentrum ebenso gesäubert wie vor der Fußballweltmeisterschaft 2010. Das Land versucht sich von seiner besten Seite zu zeigen.

Doch wenn man in die Außenbezirke fährt, sieht man die allgegenwärtige Armut der Schwarzen. Sie stammen aus Südafrikas Townships oder sind Einwanderer aus den Nachbarländern Mosambik, Zimbabwe oder kommen aus weiter nördlichen Staaten wie Nigeria. Die Gegensätze zwischen Arm und Reich klaffen hier immens auseinander. Und die Kriminalitätsrate ist enorm hoch. Diebstahl, Raub, Mord und "Carjacking" sind an der Tagesordnung. Heute Morgen erzählte mir unser Busfahrer, dass er sich nicht traut, mitten im Stadtzentrum von Durban bei Nacht spazieren zu gehen - die Downtown wird zur Geisterstadt.

In anderen Städten ruft man einfach ein Taxi. Nicht so in Südafrika. Man muss sich schon vorher um die Telefonnummern vertrauenswürdige Taxi-Firmen bemühen. Denn einfach ins nächstbeste Taxi einzusteigen kann in einer dunklen Ecke enden, aus der man vielleicht nicht mehr lebend herauskommt, wenn man sich falsch verhält. Die Südafrikaner nehmen ihre Kriminalitätsrate sehr ernst. Nach dem Geschäft mit Gold, Diamanten und Kohle machen die Sicherheitsfirmen das beste Geschäft in diesem Land. Es gibt hier kaum ein Gebäude ohne bewaffnete Wächter. Der Stacheldraht auf allen Mauern zeigt wie unsicher es hier ist.

Die Stadt hat Tausende Freiwillige für die COP 17 rekrutiert, die überall in der Stadt an ihren grün-weißen Anzügen zu erkennen sind. Sie sollen das freundliche Gesicht der 3,5-Millionenstadt zeigen. Doch es geht eigentlich mehr darum, dass sich die Delegierten sicherer fühlen, wenn sie sich aus der schwer bewachten Festung des Konferenzgeländes hinauswagen. Daran können auch die schönsten Strände nichts ändern.

Ich besuchte heute die Ausstellungen zum Klimaschutz, die in riesigen Zelten untergebracht sind. Mehr als 200 Aussteller zeigen auf 20.000 Quadratmetern ihre Klimaschutzkonzepte. Auch der WWF hat hier sein zweiwöchiges Kurzdomizil aufgebaut. Eigentlich ist es der schönste und auffälligste Stand. Denn er ist aus Recycling-Bambus gebaut und die Sitzflächen wurden aus vielen alten und bunten Saris gemacht mit weichem Füllstoff, der zum kurzen Verweilen einlädt. Draußen trommeln afrikanische Folkloregruppen um die Wette. Doch für das bleibt mir kaum Zeit, die Arbeit geht weiter...

Inzwischen geht in der Klimaschutzfestung der Reigen der Verhandler weiter. Die Nachricht, dass Kanada aus dem Kyoto-Protokoll aussteigen will, hat wie eine Bombe eingeschlagen. Das würde die so genannte "Gigatonnenlücke" noch verstärken. Wie der jüngste Bericht des UN-Umweltprogramms (UNEP) zeigt, gibt es bis zum Jahr 2020 eine Lücke von 5 bis 9 Gigatonnen an Treibhausgasen, die verhindern, dass wir das Zwei-Grad-Ziel erreichen. Anstatt diese Lücke zu schließen, klafft sie immer weiter auseinander. Die Ambitionen zum Klimaschutz der Länder sind einfach noch zu klein. Das Rezept, wie wir unseren Lebensstandard halten und CO2 reduzieren und auch den Menschen in den Entwicklungsländern zu einer klimaneutralen lebenswerten Existenz verhelfen, ist noch nicht gefunden.

Es fehlt der gemeinsame Wille, das Geld für den Klimaschutz und die Solidarität einer Weltgemeinschaft, die noch nicht verstanden hat, dass sich die Atmosphäre nicht nach unserem nationalen Kleinkrämertum richtet. Zumindest hat sich die Weltgemeinschaft auf die nächste Klimakonferenz geeinigt - das ist der kleinste gemeinsame Nenner. Die COP 18 wird im Dezember 2012 im Wüstenstaat Katar stattfinden.


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WWF

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