Metro-Attentäter zum Tode verurteilt

  • Der Attentäter auf einem Video
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    Der Attentäter auf einem Video

Hinrichtungen könnten bereits am Donnerstag vollzogen werden

Minsk - Ungeachtet von Protesten hat das autoritäre Weißrussland zwei Männer wegen des Bombenanschlags in der Metro von Minsk im vergangenen April zum Tode verurteilt. Dmitri Konowalow und Wladislaw Kowaljow seien Terroristen, die es bei dem Blutbad mit 15 Toten und mehr als 300 Verletzten auf viele Opfer abgesehen hätten, sagte Richter Alexander Fedorzow am Mittwoch. Das Oberste Gericht sah die Schuld der beiden 25-Jährigen als erwiesen an. Die Verteidigung und Menschenrechtler hatten Freispruch aus Mangel an Beweisen gefordert. Die Ex-Sowjetrepublik Weißrussland ist das letzte Land in Europa, das Todesurteile vollstreckt - meist per Genickschuss.

Vizekanzler Außenminister Michael Spindelegger erklärte, er sei "zutiefst beunruhigt über die Verhängung der Todesstrafe über Herrn Dmitri Konowalow und Wladislaw Kowaljow" durch die weißrussische Justiz. "Wir beklagen die zahlreichen Opfer dieses Anschlages, doch auch wenn den Angeklagten schwere Verbrechen zur Last gelegt werden, ist eine Hinrichtung niemals zu rechtfertigen. Wir fordern daher Präsident Lukaschenko auf, die Todesstrafe nicht zu vollstrecken und die anhängigen Todesurteile in Haftstrafen umzuwandeln."

Die deutsche Bundesregierung kritisierte das Urteil ebenfalls und forderte den oft als "letzten Diktator Europas" bezeichneten weißrussischen Staatschef Alexander Lukaschenko auf, die Todesstrafe abzuschaffen. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sprach von einem unfairen Prozess und einer "barbarischen Strafe". Amnesty schätzt, dass seit der Unabhängigkeit des Landes vor 20 Jahren dort 400 Menschen hingerichtet wurden. Ein Europarat-Sprecher sagte, die Hinterbliebenen der Anschlagsopfer wollten "Gerechtigkeit, nicht Rache".

Nach der mehr als vierstündigen Urteilsverkündung riefen viele der rund 500 Zuschauer laut "Schande", wie ein Reporter der Nachrichtenagentur dpa aus dem Gerichtssaal berichtete. Konowalow und Kowaljow hörten dem Richterspruch schweigend und mit ruhigem Gesichtsausdruck zu.

Richter Fedorzow folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Konowalow und Kowaljow hätten es auf eine politische Destabilisierung der Lage in Belarus abgesehen gehabt. Fedorzow sprach die Angeklagten auch wegen früherer Anschläge in Witebsk und Minsk schuldig.

Menschenrechtler und die Mutter eines Angeklagten hatten Präsident Lukaschenko um Gnade gebeten, um noch weitere Ermittlungen zu ermöglichen und Beweise zu sammeln. Es handle sich um einen Schauprozess, bei dem durch Folter und Druck Geständnisse erzwungen worden seien, behauptete Ljubow Kowaljowa, die Mutter eines der beiden Verurteilten.

Tausende Menschen hatten Petitionen gegen die Todesstrafe unterschrieben. "Dieses Urteil wird in der weißrussischen Gesellschaft eine Diskussion über die Todesstrafe in Gang setzen, wie es sie bisher nicht gab", sagte Walentin Stefanowitsch von dem inzwischen geschlossenen Menschenrechtszentrum Wesna in Minsk.

In Weißrussland hält sich bei vielen die Meinung, dass der Geheimdienst KGB oder andere Kräfte im Machtapparat in das Blutbad verstrickt sein könnten. In Internetblogs hatten Bürger gemeint, dass die Führung nach dem Vorbild des Sowjetdiktators Josef Stalin mit blutigem Staatsterror von der schweren Krise im Land ablenken wolle.

Der Menschenrechtsbeauftragte der deutschen Regierung, Markus Löning, verurteilte die Verhängung der Todesstrafe. "Ich fordere die Umwandlung in eine Haftstrafe", sagte er laut einer in Berlin veröffentlichten Mitteilung. "Hinrichtungen sind niemals zu rechtfertigen. Die Todesstrafe ist weder geeignetes Mittel der Strafe noch zur Verbrechensbekämpfung. Justiz-Irrtümer können niemals ausgeschlossen werden." Von einem "fassungslosen Urteil" sprach die Grünen-Abgeordnete und Osteuropa-Expertin Marieluise Beck.

Die EU fordert seit Jahren ohne Erfolg von Lukaschenko eine Abschaffung der Todesstrafe. Allerdings gehen Beobachter davon aus, dass der autoritäre Staatschef auf diese Weise Stärke zeigen will. Bürgerrechtler sehen die Höchststrafe als Teil schwerster Menschenrechtsverstöße in Weißrussland. Zuletzt hatten Medien im Juli 2011 von Hinrichtungen berichtet. (APA)

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die werbung über dem artikel spricht bände und ist wahrscheinlich kein zufall.

wow. der standard hat kein problem mit dieser diskussion hier.

mo'dgelüste werden hier munter durch die gegend gekritzelt. wer wen wo umb'ingen soll, oder umgeb'acht haben soll. das geht von norwegen über weißrussland bis lybien. eine hitze ist das.
es sieht so aus als würde hier internationale politik gemacht. und dass das kaum einer merkt, dass man mit diesen hin'ichtungen emotionen schürt, die in einer 'evolution enden sollen, damit man dann die leute in der regierung installieren kann, die diejenigen wollen, dessen pläne sie verwirklichen sollen und die mit grosser wahrscheinlichkeit auch den anszlag verübt haben. (das nennt man 'unte' falsche' flagge') tztztz. blind den medien alles glauben....

ob das der spindelegger auch dem obama sagen wird ?

Vizekanzler Außenminister Michael Spindelegger erklärte, er sei "zutiefst beunruhigt über die Verhängung der Todesstrafe über Herrn Dmitri Konowalow und Wladislaw Kowaljow" durch die weißrussische Justiz

... ich bin für die Todesstrafe dieser Männer

... weil es abschreckend ist für Nachahmner
... damit Gerechtigkeit geübt wird
... weil es Rache ist - ja so was gibt es
... weil ein Teil meiner Familie betroffen ist.

Bevor die Gutmenschen hier im Forum mich niedermachen, so fragen Sie sich bitte, was Sie machen würden, wenn Sie betroffen sind. "Die Mörder in den Arm nehmen und trösten, bedauern was Sie getan haben."

Leider ist es in unserer humanistischen Gesellschaft "in" immer nur die Täter zu bedauern.

Wer fragt nach dem Leid, der Verzweiflung, dem aus der Bahn geworfenen Menschen, welche Angehörige verloren haben oder bleibende Schäden davon getragen haben.

In unserer humanistischen Gesellschaft leider keiner.

Du hast Recht, es ist so abschreckend, die USA ist quasi befreit von der Kriminalität

Und sei ehrlich, dir ist es wichtig, das irgendjemand erschossen wird. Ob es im nachhinein unschuldige sind, ist dir egal.
Das sind meine Erfahrungen, die ich in den USA gemacht hab.
Ja, Rache ist die primitivste Form von Recht. Es ist Barberei und du bist 100 Jahre zu spät auf der Welt.

... lesen Sie mein Posting eigentlich genau

Wir sind persönlich betroffen. Wir wollen Rache. Wir wollen die härteste Strafe die es für so ein Verbrechen gibt.

Die Beiden wussten was Ihnen geschieht wenn man Sie erwischt. Sie wurden erwischt, vor Gericht gestellt und verurteilt - genau nach weissrussischen Recht.

Fragen Sie sich eigentlich, wie es ist einen Teil der Familie an jeden einzelnen Tag leiden zu sehen an den Folgen. Da bekommt man täglich Wut und möchte den Beiden an den Kragen gehen. Leider können wir es nicht selber.

...Für die Mutter des Einen tut es mir leid, ein Kind zu verlieren. Aber Sie sollte sich auch fragen, wieviel Leid Ihr Sohn anderen gebracht hat.

soso

und sie wissen ganz genau dass das die beiden waren. wow. sie müssen insider informationen haben.
und ja, mit rache-gedanken ist die welt schon immer weit gekommen. wie man sieht.

Das ist mir egal was ihr wollt.

Wer einen Menschen tötet, der setzt sich auf seinen Niveau herab. Und in meinen Augen werdet ihr zu Mördern.
Deine Logik war die gängigste Logik im Jugoslawien-Krieg. Rache. Rache hat nichts mit Gerechtigkeit zu tun. Rache an sich ist was barbarisch. Am Ende war es egal auf wen man geschossen hat, Hauptsache man hat was getroffen und die Rache war gestillt. Wie ich aus dieser Hölle rauskam, weiß ich nicht.
Und ehe du dich versiehst, bist du nur ein weiterer Freischärler.

Außerdem hast du keinen Beweis, das die es waren. Du klammerst dich an Indizien und intepretierst sie so um wie ein Weltuntergangsprophet die Bibel, wo er sich dann ganz sicher ist, das die Welt morgen diesmal wirklich untergeht. Aber das ist dir mitlerweile auch egal.

Was machen Sie, wenn Sie betroffen sind...

... und Ihr Bruder oder Ihre Freundin ins Kammerl muß?

Was machen Sie, wenn Sie betroffen sind...

... und Ihr Bruder oder Ihre Freundin von denen ermordet worden sind?

So nebenbei: Was erzählen Sie den Angehörigen der Opfer, die Ihr Bruder oder Ihre Freundin absichtlich umgebracht haben?

Äh... wir waren eigentlich dabei,

daß Ihr Bruder oder Ihre Schwester...

Aber so sind sie halt, die Todesstrafenbefürworter. Feige.

Schwindelegger störten die Toten in Libyen nicht, solange sie von seiner geliebten NATO

hingerichtet wurden. Sozusagen mit Bomben und Trompeten. Aber Lukaschenkos Hinrichtung von zwei Mördern bekümmert ihn, den scheinheiligen Schwarzen.

Wen genau hat die NATO wo 'hingerichtet'?

Aber warum lassen sie den Quatsch nicht einfach?

Wenn ich nur das Gfries vom Lukaschenko seh kommt mir schon das Fruehstueck hoch!

Ich hoffe der Politische Druck auf diese Diktatur wird soweit erhoeht dass diese zwei Maenner nicht hingerichtet werden!

Ihnen kommt das Frühstück hoch?

Die 3 Weißbier und die 2 Kräuterschnaps?

Da geb ich ihnen auch mal gruen :-))

Allerdings liegt mir das Weissbier stets so schwer im Magen!

Das letzte Hinrichtungsopfer wird vermutlich Lukaschenko sein.

ich bin gegen die Todesstrafe

bei Morden bei denen Eifersucht, Beziehungsdramen, aber auch Beschaffungskriminalität, eine Rolle spielen.

Morde, nach Vergewaltigungen oder Massenmorde aus politischen oder religösen Gründen sollten aber dringend mit der Todesstrafe belegt werden.

Nebenbei gesagt ist ein Genickschuss, neben der Enthauptung die schnellste und humanste Art der Todesstrafe. der elektrische Stuhl, der Galgen die Vergiftung sind Todesstrafen die den Tod hinauszögern können und die ausgesprochen qualvoll sein können.

Ich denke der Sinn der Todesstrafe sollte der sein, Menschen die sich selbst außerhalb der Gesellschaft sehen wollen, dies auch zu ermöglichen, in dem man sie dorthin stellt.

daher sollte der Norweger meiner Meinung nach getötet werd

Ein Norweger? In Weißrußland?

So wie Sie denken mehr als 50 % aller Weissrussen, US Amerikaner, Israeli und Russen.
Trotzdem ist die Todesstrafe nicht human.

Ich finde es erfrischend, wenn jemand mal ausspricht, was alle denken

Auch sollte man nicht die wirtschaftliche Bedeutung öffentlicher Hinrichtungen unterschätzen!

So eine Vierteilung auf dem Marktplatz erzeugte früher einen Trinkbuden-Umsatz, von dem heutige Volksfeste nur noch träumen dürfen! Da freut sich auch der Finanzminister

Und was sagen die Amerikaner zu diesem Urteil?

Obwohls der Geheimdienst war, es aber nicht sein darf, müssen ein paar unschuldige dran glauben. Same as ever. Beweise? -> Beweise sind scheiße.

fieser als der regierungschef

das geht ja wohl gar nicht.

Bin auch gegen die Todesstrafe

aber lese in den West-Medien nie, dass dies auch ein "Teil schwerster Menschenrechtsverstöße" in den USA ist.

Im Gegenteil: die USA firmieren medial stets als weltweite Vorkämpfer der Menschenrechte.

Solche Vorkämpfer haben die Menschenrechte sich nicht verdient - sie werden auf widerliche Weise instrumentalisiert für die Hegemoniepolitik der USA.

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