EZB-Lösung auch für Österreich schmerzhaft

30. November 2011, 12:01
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New York/Wien - Die Lösung der Staatsschuldenkrise über die Europäische Zentralbank (EZB) werde eine "schmerzhafte Lösung", auch für Österreich", sagte IHS-Chef Bernhard Felderer am Dienstag bei einem Pressegespräch mit österreichischen Journalisten in New York. Denn "ohne Inflation wird es nicht abgehen, aber welche andere Lösung soll es sonst geben", so der Wirtschaftsforscher weiter.

Ein unkontrollierter Default von Italien wäre "wirklich eine sehr schlimme Sache, gerade auch für uns, wo wir mit Italien so viele Geschäfte machen", so der IHS-Chef und Präsident des Staatsschuldenausschusses. "Dieses ganze Szenario durchzudenken, da wird mir schlecht", meinte Felderer. Er glaube aber nicht, dass man letztendlich eine Staatspleite Italiens zulassen werde. "Das wäre auch für Deutschland und alle anderen Staaten in Europa dramatisch."

Der Rettungsschirm wäre für Italien bei weitem zu klein. "Es war immer klar, dass die Italiener damit nicht rettbar sind." Die Idee des Rettungsschirms sei vielmehr gewesen, die Probleme auf zwei, drei Länder einzugrenzen. Die Ansteckungsgefahr sei immer eine Frage gewesen.

Gegen Eurobonds

Felderer ist auch gegen gemeinsame Eurobonds, da diese zu höheren Zinszahlungen etwa auch für Österreich führen würden. Diese Art der Finanzierung sei besonders teuer, abgesehen von der Haftungsfrage, die für Länder wie Deutschland, die Niederlande oder Österreich nicht absehbar sei und zu einem Fass ohne Boden werden könnte. Eurobonds würden solange kein gangbarer Weg sein, als es keine Kontrollmöglichkeiten über die Finanzpolitik der einzelnen Euroländer gebe. Außerdem würde der Zinssatz über den gewichteten Durchschnittszinsen der Euroländer liegen, da die Finanzmärkte noch ein "Sicherheitsaufschlag" verlangen würden.

Felderer würde deshalb die EZB-Lösung vorziehen. Die Zentralbank würde das machen, was sie schon jetzt mache, nämlich die Bonds der Italiener kaufen und damit den Zinssatz auf einem erträglichen Niveau halten. Damit würde sie direkt die italienische Staatsschuld finanzieren, genau so, wie es die US-Notenbank Fed mit den US-Schulden bereits seit ungefähr drei Jahren mache.

Kaufen, kaufen, kaufen

Im Prinzip könnte die EZB unbeschränkt kaufen, die Frage sie nur, ob man das auch verantworten könne. Über Preiserhöhungen würde es in der Folge zu einer Verteilung der Schuld auf alle andere Euroländer kommen. "Alle anderen finanzieren damit die Italiener", so Felderer. Die Fed, "die kauft und kauft und kauft", sitze bereits auf 85 Prozent aller Assets des eigenen Staates. "Das ist ein prekäre Sache".

Bezüglich Italien hofft Felderer, dass der neue Premierminister Mario Monti in den nächsten Tagen etwas Überzeugendes vorlegen wird. Die Finanzmärkte von was zu überzeugen sei so unmöglich nicht, wie man am Beispiel von Irland gesehen habe. Es müsse nicht immer nur schlechter und schlechter werden. "Es ist nicht damit getan, dass man Kürzungen ankündigt und dann nicht durchführt, wie das in Portugal passiert ist", so Felderer.

Die Italiener werden jedes Jahr einen Refinanzierungsbedarf von über 400 Mrd. Euro haben. Die größte Gefahr, die damit einher gehe, sei ein möglicher Creditcrunch - also eine Kreditklemme, mit der Folge, dass sich die Unternehmen nicht mehr finanzieren können. "Das ist die größte Gefahr für die Realwirtschaft, auch in Österreich", meinte Felderer. Den Banken würde zudem mit den neuen Eigenkapitalvorschriften etwas auferlegt, was sie wahrscheinlich nicht sinnvoll erfüllen könnten. (APA)

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