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Insgesamt 2991 Chirurgen aller Fachrichtungen wurden zu ihrer Lebensqualität befragt.
Berlin - Chirurgen in Deutschland schätzen ihre Lebensqualität schlechter ein als andere Ärzte und die Allgemeinbevölkerung. Obwohl Operieren ihnen nahezu das Liebste ist, verderben ihnen lange Arbeitszeiten, Stress und Bürokratie die Freude am Beruf. Dies geht aus einer Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) hervor, die jetzt in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift erschienen ist.
Deutsche Chirurgen sind hoch motiviert: "In unserer Umfrage geben überzeugende 96 Prozent der Teilnehmer an, dass Operieren ihre am meisten geschätzte Tätigkeit sei", sagt Hartwig Bauer, Generalsekretär der DGCH aus Berlin. Der gleiche Prozentsatz betrachtet den Beruf Chirurg als wichtigstes Lebensziel. Mehr als drei Viertel der Befragten würden ihn wieder wählen. Doch die Begeisterung steht im Gegensatz zum Arbeitsalltag Chirurgen liegen mit ihrer Arbeitsbelastung im Durchschnitt immer noch deutlich oberhalb der Normen des Arbeitszeitgesetzes. Neben der zeitlichen Überlastung zerrt vor allem hohe Arbeitsverdichtung an den Nerven. Mehr als zwei Drittel empfinden zudem den Anteil an Verwaltungsaufgaben als zu hoch.
Größte Befragung dieser Art
Die DGCH hatte in der Umfrage in den Jahren 2008 und 2009 erstmals für Deutschland die Lebensqualität von Chirurgen analysiert. Laut Hartwig Bauer handelt es sich um die weltweit größte Befragung dieser Art. Insgesamt 2991 Chirurgen aller Fachrichtungen hatten den Fragebogen zur Lebensqualität ausgefüllt. Als Vergleichsgruppe dienten 561 nicht-operativ tätige Ärzte und 100 Medizinstudenten.
Den Ergebnissen zufolge wirkt sich die dokumentierte Unzufriedenheit negativ auf die Lebensqualität aus: Leistungsvermögen, Genuss- und Entspannungsfähigkeit, Stimmung, Kontaktvermögen und Zugehörigkeitsgefühl sind dadurch nicht nur schlechter als bei nicht-chirurgisch tätigen Ärzten. "Die chirurgischen Kollegen schneiden sogar schlechter ab als verschiedene Patientengruppen", sagt Bauer. Ein wichtiges Erkenntnis sei, dass den Chirurgen das Familien- und Privatleben zwar ebensoviel bedeutet, wie Ärzten anderer Fächer, sie jedoch berufsbedingt weniger dazu in der Lage sind, sich diesem ausreichend zu widmen. Insgesamt 95 Prozent der Chirurgen gaben an, dass für sie das Privatleben von großer Bedeutung sei.
Qualität der Patientenversorgung bedroht
Die hohe Arbeitsbelastung in der Chirurgie führt nicht nur zu einer Imbalance des Wertegefüges, der Berufsstress gefährde darüber hinaus die Qualität der Patientenversorgung. "Ein Chirurg mit einem Burn-out-Syndrom schreckt nicht nur den ärztlichen Nachwuchs vom Beruf ab, er kann auch zum Risiko für den Patienten werden", so Bauer. Ärzte, Verwaltungen, Krankenkassen und Krankenhausträger müssten gemeinsam nach Wegen suchen, um die Arbeitsbedingungen für Chirurgen zu verbessern. "Dazu gehören die Bewahrung der ärztlichen Haltung vor den übermächtigen Zwängen der Ökonomie, Entlastung von nichtärztlichen Tätigkeiten, Bereitstellung familienfreundlicher Arbeitsplätze und vor allem die erforderlichen Freiräume für eine gute Weiterbildung des Nachwuchses", fordert der DGCH-Generalsekretär. (red)
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