Die hängenden Gärten von Paris

30. November 2011, 10:49
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Mut haben sie, die Franzosen. In relativ kurzer Zeit verwandelt sich der Eiffelturm in ein wucherndes Wildgewächs - ein (Wahr-)Zeichen des Klimaschutzes

In Frankreich blüht die Kreativität, wachsen architektonische Meisterleistungen in den Himmel und neuerdings soll mitten in der Hauptstadt Paris ein Baum sprießen. Nicht irgendeiner. Es wird der größte Baum der Welt - eine grüne Lunge mitten in der Stadt.

Laut einem Papier, das der französischen Tageszeitung Le Figaro exklusiv vorliegt, hegt das kleine Ingenieursbüro Ginger einen kühnen Plan: Niemand geringerer als der Eiffelturm soll sich in das "Edelholz" verwandeln. 600.000 Pflanzen sollen am Pariser Wahrzeichen wuchern. Das Projekt verschlingt das bescheidene Sümmchen von 72 Millionen Euro, der Startschuss soll bereits im nächsten Jahr erfolgen.

Nach den kühnen Plänen der selbsternannten Gärtner soll der Eiffelturm vier Jahre lang leben und Frankreich weltweit zum Aushängeschild für aktiven Klimaschutz machen.

Unterwäsche aus Naturfaser

Der technische Aufwand ist enorm: Das Gerüst der eisernen Dame wird über und über mit einer Naturfaser ausgekleidet. Kautschuk-Rohre sollen die Gewächse mit Wasser und Düngung versorgen. Sie allein wiegen bereits zwölf Tonnen. Die Pflanzen selbst bringen es auf 138 Tonnen, das Gewicht der Gesamt-Konstruktion wird bei 378 Tonnen liegen. Dem Zufall wird nichts überlassen: Im Osten und Süden des Turms wird wärmeliebendes Blattwerk wachsen, auf den kälteren Nord- und Westseiten dagegen Efeu.

Die Vorbereitungen des vegetarischen Hochseilakts laufen am Stadtrand von Paris auf Hochtouren. Hier werden Pflanzen in einem Nachbau in einigen Metern Höhe hängend gezüchtet. Bislang mit Erfolg. Somit liegt auch die zeitliche Umsetzung im Plan: Die Setzlinge übersiedeln zwischen Juni 2012 und Jänner 2013 auf den Eiffelturm. Bis 2015 dürfen sie dann wachsen, wuchern, für Begeisterung oder Ablehnung sorgen, bis sie ab Februar 2016 wieder abgenommen werden. Über ihr weiteres Schicksal ist bislang nichts bekannt.

Die allnächtliche Beleuchtung soll während der Aktion nicht beeinträchtigt sein. Und auch die Klimabilanz kann sich in dieser Zeit sehen lassen: Nach letzten Berechnungen stößt der Baum-Eiffelturm 84,2 Tonnen CO2 aus, absorbiert gleichzeitig aber 87,8 Tonnen. (derStandard.at, 30.11.2011)

  • Ecologie à la française: Der Eiffelturm wird grün - ganz grün.
    foto: standard/robert newald

    Ecologie à la française: Der Eiffelturm wird grün - ganz grün.

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