"Das HP-Drama wieder aus den Schlagzeilen bringen"

30. November 2011, 10:21
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Firmenchefin Meg Whitman eröffnetet die Kundenkonfernez HP Discover 2011 in Wien

Wenn CEOs von IT-Konzernen bei ihren globalen Megaevents die Bühne betreten, haben sie so gut wie immer ihr nächstes unwiderstehliches Produkt im Gepäck. Nicht so Meg Whitman, frischgebackene Chefin des weltgrößten Computerkonzerns Hewlett-Packard: Ihre Mission bei der HP Discover 2011 in Wien am Donnerstag war es Altes, Bewährtes schmackhaft zu machen - nämlich eine HP, die weiterhin PCs herstellt.

Wogen

Vor rund 7000 Kunden bemühte sich Whitmann am Dienstagnachmittag, die Wogen zu glätten, für die ihr Vorgänger Léo Apotheker gesorgt hatte. Der hatte mit einem Paukenschlag im Sommer verkündet, dass der weltgrößte PC-Hersteller künftig gar keine PCs mehr machen werde - denn die Zukunft liege in der Software.

Soviel Vision kostete den Anlegern ein Fünftel des Aktienwerts und Apotheker kurz danach den Job, Whitman übernahm und revidierte binnen Kürze die PC-Entscheidung. Und so stellte sie sich neun Wochen später "als die neue Präsidentin und CEO" vor, mit der Aufgabe "das HP-Drama wieder aus den Schlagzeilen zu bringen und uns anstelle dessen wieder als verlässlicher Partner zu präsentieren". Dazu fraternisierte sie sich auch gleich mit dem Publikum. Als Managerin zuerst bei Procter & Gamble und dann beim Aufbau der Onlineplattform E-Bay "von 15 auf 15.000 Mitarbeiter und acht Milliarden Dollar Umsatz" sei sie vor allem eines gewesen: "Eine riesige Einkäuferin von IT. Ich bin in Ihren Schuhen gegangen", konterte sie treuherzig der nach ihrem Antritt geäußerten Kritik, keine Erfahrung aus dem Technologiebereich mitzubringen.

"Ich werde alles durch die Optik der Kunden betrachten, alles andere ergibt sich automatisch"

Es sei "einzigartig", dass der CEO eines Tech-Unternehmens zuerst Kunde war. "Ich werde alles durch die Optik der Kunden betrachten, alles andere ergibt sich automatisch", warb Whitman um Vertrauen. Hewlett-Packard habe zuletzt viele Leute verwirrt, die häufigste Frage, die man ihr stelle sei: Wer ist HP und was ist die Strategie? Dabei sei die Antwort einfach: "Wir sind der größte Provider von Infrastruktur, Software, Services und Lösungen für Einzelpersonen und Unternehmen aller Größen."

Und sprach dann endlich die erlösenden Worte: "Unser Kern ist unser Infrastrukturgeschäft, unsere Server, Speicher, Drucker, Imaging und eben auch unsere PCs. Das macht 70 Prozent von dem aus, was wir tun. Wir sind stolz auf diesen Kern." Software - jenes von Apotheker versprochene ferne Land, zu dessen Erreichung HP zuletzt zwölf Milliarden Dollar für den Kauf von Autonomy  hingelegt hatte - sei nicht dazu da, Hardware im HP-Portfolio abzulösen, sondern "Ihre Probleme zu lösen".

Nett

Sprachs für 20 Minuten, und beteuerte noch einmal die Demut des Unternehmens, das wisse, dass es noch viel "zu tun gebe". "Unsere Kunden erzählen uns immer, wie nett es ist mit uns im Geschäft zu sein - wenn wir es Ihnen nur einfacher machen würden", gelobte Whitman Besserung.

Einfach machte man es übrigens auch Journalisten nicht, die diese netten Botschaften kommunizieren wollten: Mehr als ein Berichterstatter pro Zeitung war nicht erlaubt, und eigene Kameraleute und TV-Teams: Die mussten gleich draußen bleiben. (Heldmit Spudich, DER STANDARD Printausgabe, 30. November 2011)

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