Nächste Ausfahrt in 1600 Seemeilen

30. November 2011, 10:13
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Auch nach eineinhalb Wochen auf hoher See kann sich Verena nur schwer daran gewöhnen, mitten in der Nacht Wache zu schieben

Tabasco passt ganz wunderbar zu Salaten, Suppen, Eiern und Fleisch. Und soll laut einem bekannten deutschen Weltumsegler auch helfen, bei langen Nachtwachen munter zu bleiben. Ein Tropfen direkt auf die Zunge soll das Wunder vollbringen. Also gut, nehm ich gleich zwei Tropfen.

Der Mund brennt, die Nase läuft. Die kleine, orange leuchtende Kompassnadel schwingt jedoch wie ein Hypnosependel vor mir hin und her. „Du wirst müde, gaaaanz müde. Deine Augen werden schwer, gaaaanz schwer", scheint es zu mir zu sagen.

Erst das Schlagen der Segel und das Erzittern des Mastes reißen mich aus dem Sekundenschlaf. Auch nach eineinhalb Wochen auf hoher See kann ich mich nur schwer daran gewöhnen, mitten in der Nacht für drei Stunden aus der Koje zu müssen und Wache zu schieben.

Zu Beginn war es noch spannend, den Sternenhimmel zu beobachten und den Horizont nach anderen Schiffen abzusuchen, aber mittlerweile sind die Lage von Jupiter, Venus, Casiopeia, großem und kleinen Wagen bekannt. Mehr Sternbilder kenn ich leider nicht und andere Schiffe haben wir schon seit Tagen nicht mehr gesehen. So vertreiben wir uns die finsteren Nachtstunden, indem wir uns der 41-Zeichen-Poesie widmen und von der Ankunft in St. Lucia träumen.

Manchmal geht einem da auch die Phantasie durch und man sieht schon den imaginären Kiosk, der sich gerüchteweise in der Mitte des Atlantiks befinden soll, näher kommen. Bisher ist die Versorgungslage jedoch noch gut, nur Fleisch, frisches Gemüse, flüssiges und festes Brot neigen sich schön langsam dem Ende zu.

Beim Improvisieren in der Kombüse laufen wir regelmäßig zu Höchstformen auf. Momentan haben wir das Brotbacken entdeckt und kreieren Sorten wie Preiselbeerbrot, Müslibrot und Salamibrot. Für Abwechslung im Speiseplan sorgte auch ein in allen Farben schillernder Fisch, vermutlich eine Goldmakrele, die vor einigen Tagen den Köder unserer Schleppangel verschluckte.

Fast die Hälfte der insgesamt rund 2.800 Seemeilen haben wir bereits zurückgelegt. Bei 17° Nord sind wir nun auf den Highway Richtung St. Lucia eingebogen. Wenn der Wetterbericht stimmt, dann können wir uns in den nächsten Tagen vom Nordost-Passat im Schmetterling (Genua steuerbord, Groß backbord) in die Karibik wehen lassen. Für heute Abend ist unser Bergfest geplant. Der Champagner ist schon eingekühlt.

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