Bei Schlumberger bricht der Gewinn ein

30. November 2011, 09:21
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Wien - Die Sektkellerei Schlumberger hat im ersten Halbjahr 2011/2012 (per Ende September) etwas mehr umgesetzt, aber deutlich weniger Gewinn gemacht als im Jahr davor. Das Betriebsergebnis ging im traditionell schwachen ersten Halbjahr auf 82.000 Euro (nach 570.000 Euro) zurück. Im Vorjahr seien zudem einmalige Erträge aus Anlagenverkäufen und die Aktivierung eines Markenrechts in Höhe von nahezu 400.000 Euro enthalten gewesen, die es in diesem Jahr nicht gab, teilte das börsenotierte Unternehmen am Mittwoch ad hoc mit. Der konsolidierte Umsatz stieg leicht um 1,3 Prozent auf 96,3 Mio. Euro.

Die wichtigste Zeit des Jahres hat Schlumberger mit dem Weihnachts- und Silvestergeschäft noch vor sich, weshalb die vorliegenden Zahlen zum 30. September "keine Rückschlüsse auf die wahrscheinliche Umsatzhöhe und das Gruppenergebnis für das Geschäftsjahr 2011/2012 zulassen". Finanzvorstand Wolfgang Spiller rechnet für das gesamte Jahr mit einem Wachstum bei Absatz und Umsatz bei stabilem Ergebnis, wie er sagte.

In Österreich blieb der Umsatz der Schlumberger Wein- und Sektkellerei im Halbjahr mit 52,4 Mio. Euro (+0,65 Prozent) stabil. Auch in Deutschland gab es mit 29,9 Mio. Euro (-0,60 Prozent) keine großen Ausschläge nach oben oder unten. In den Niederlanden setzte Schlumberger in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres mit 13,9 Mio. Euro fast 9 Prozent mehr um.

Rauer Wind in Ungarn

Während Schlumberger in Deutschland und den Niederlanden im Gesamtjahr eine Steigerung bei Umsatz und Ergebnis erwartet, weht dem Unternehmen in Ungarn ein rauer Wind entgegen. Die im November eingeführte Alkoholsteuer sowie die Anhebung der Mehrwertsteuer von 25 auf 27 Prozent erschweren das Geschäft und könnten zu weiteren Umsatz- und Ergebnisrückgängen führen, heißt es im Geschäftsbericht. An einen Rückzug aus Ungarn denke man deswegen aber nicht, sagte Schlumberger-Sprecher Benedikt Zacherl zur APA.

Über alle Auslandsmärkte gesehen hat der Sekt- und Spirituosenhersteller das Exportgeschäft im Halbjahr um 8 Prozent gesteigert. Besonders gut lief es neben den Niederlanden in Polen - ein Markt, der künftig neben Russland und der Ukraine stärker bearbeitet werden soll. Schlumberger liefert auch nach China und Japan, jedoch in überschaubaren Mengen. Erstmals angeklopft habe ein Interessent aus Indien, der Schlumberger dort vertreiben wolle, erzählte Spiller.

Per Ende September beschäftigte Schlumberger 213 Mitarbeiter, sechs weniger als im Vorjahr. Der Rückgang stamme im Wesentlichen aus Deutschland und hänge mit der Schließung von drei Weingeschäften Anfang des Jahres zusammen.

Schwieriges Umfeld

Auch wenn man sich bei Schlumberger mit der Entwicklung im Halbjahr zufrieden zeigt, sei das "Umfeld alles andere als einfach", räumte Sprecher Benedikt Zacherl ein - angefangen vom wirtschaftlichen Umfeld über die Entwicklung im Handel bis zu den Rohstoffpreisen. "Die Lage rundherum ist nicht von Vorteil. Wir benötigen die doppelte Anstrengung, um unsere Ziele zu erreichen."

In der Gastronomie und gehobenen Hotellerie mache sich eine Konsumzurückhaltung bemerkbar, die man versuche im Handel abzufedern. Dort seien die Preisschlachten inzwischen so enorm, dass Sekt um 1,49 Euro über den Ladentisch wandere. "Und das tut mir weh", so Zacherl. Gerade im für die Branche so wichtigen Weihnachtsgeschäft versuchen sich die Sekthersteller gegenseitig mit Angeboten zu unterbieten. Der Aktionsanteil der Schlumberger-Marke Hochriegl liege in dieser Zeit bei 70 Prozent, jener der Marke Schlumberger bei bis zu 40 Prozent.

Auf der Rohstoffseite sieht sich Schlumberger mit massiven Preiserhöhungen konfrontiert, weshalb nach Sekt nun auch der Kräuterlikör Gurktaler teurer wird. Schlumberger hat die Sektpreise im April 2011 um 50 Cent bis 1 Euro angehoben. Aufgrund der schlechten Weinernte im Jahr 2010 fehlten große Mengen, was den Preis in die Höhe trieb. Heuer sei die Weinernte zwar gut gewesen, die Lager der Winzer aber noch immer nicht gefüllt. "Die Preise haben noch immer das gleiche Niveau wie 2010", sagte Zacherl. Ein Kilo Trauben koste 1,20 Euro, vor ein paar Jahren seien es 60 bis 70 Cent gewesen.

Auch die Preise für Glas und Kartonagen seien "deutlich" stärker gestiegen als die Inflation. Die höheren Kosten im Sektbereich versucht Schlumberger vorerst über Einsparungen, verstärkten Absatz und neue Produkte zu kompensieren. Bei Gurktaler gehe das nicht mehr, Zucker, Kräuter und hochprozentiger Alkohol hätten sich so verteuert, dass im April 2012 eine Preiserhöhung anstehe. Teurer werden könnte auch der Kräuterbitter Rossbacher. "Da wird aber noch kalkuliert." (APA)

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