S&P stuft mehrere US-Großbanken ab

30. November 2011, 11:33
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Ratingagentur schaut mehr auf Krisenfestigkeit: 37 Institute neu geprüft, 15 abgestuft - Rating von Bank Austria unverändert

New York - Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat sich die US-Bankenwelt vorgeknöpft. Die größten Institute des Landes mussten am späten Dienstag nach Börsenschluss eine Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit hinnehmen. S&P begründete den Rundumschlag mit neuen Bewertungskriterien, bei denen die Ratingagentur ein stärkeres Gewicht auf die Krisenfestigkeit der Geldhäuser legt. Insgesamt habe Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit der weltweit 37 größten Banken unter Berücksichtigung strengerer Kriterien überprüft, 15 wurden abgestuft, hieß es. Das Rating des einzigen österreichischen Finanzinstituts auf der Liste, der Bank Austria, blieb stabil.

S&P hatte mitgeteilt, die Kriterien nach über einjährigen Studien überarbeitet zu haben, um das Rating zu vereinfachen. Zugleich verfeinerte die Agentur die Analyse von Bankenkapital und Risiken. Bei der nun veröffentlichten Rating-Aktualisierung blieben 20 Bewertungen unverändert, 2 wurden erhöht.

Bei den US-Banken gab es Senkungen der Bewertung der Citigroup, Bank of America, Goldman Sachs, Morgan Stanley und von Branchenprimus JPMorgan Chase jeweils um eine Stufe. Das bedeutet, dass es für die Großbanken nun teurer werden dürfte, frisches Kapital aufzunehmen. Denn Investoren lassen sich ein höheres Risiko, dass sie ihr Geld verlieren könnten, mit höheren Zinsen bezahlen.

UniCredit unangetastet

Dasselbe Schicksal erlitten die schweizerische und die britischen Branchenvertreter HSBC, Royal Bank of Scotland sowie Barclays. Die französischen Banken Societe Generale und BNP Paribas konnten sich hingegen ebenso wie die Bank Austria ("A) und ihre Mutter UniCredit über eine Bestätigung des Ratings freuen.

Auch die Deutsche Bank behält ihre gute Note "A+" bei. Allerdings senkte S&P den Ausblick von "stabil" auf "negativ". Das bedeutet, dass in der Zukunft eine Herabstufung droht. Die Commerzbank lebt bereits mit diesem Makel. S&P hielt die Bewertung aber weiterhin stabil bei einem befriedigenden "A". h.

S&P und die Rivalen Moody's und Fitch hatten sich in der vergangenen Finanzkrise vorhalten lassen müssen, dass sie zu gut benotet hätten. Trotz Spitzennoten musste der Staat rettend ins Finanzsystem eingreifen und so manche Bank vor dem Kollaps retten. Seitdem drängt die Politik darauf, dass die Ratingagenturen ihre Kriterien überarbeiten und transparent machen.

In jüngster Zeit hatten die Ratingagenturen sich aber aus einem anderen Grund den Zorn der europäischen Politiker zugezogen: Inmitten der Schuldenkrise hatten sie die Kreditwürdigkeit von Problemstaaten wie Griechenland immer weiter herabgestuft und damit den finanziellen Druck auf die Länder noch erhöht. Die EU will die Ratingagenturen nun per Gesetz an die Kandare zu nehmen.

Die Börsen wurden durch die Herabstufungen der Großbanken belastet. In Europa sank der Leitindex EuroStoxx 50 zum Start um 0,99 Prozent auf 2.212,07 Punkte. Der deutsche Leitindex DAX fiel im frühen Geschäft um 0,94 Prozent auf 5745 Punkte. In Wien sank der ATX kurz nach Handelsstart um 1,22 Prozent auf 1.757,42 Zähler. Der CAC 40 verlor in Paris 0,79 Prozent auf 3.002,92 Punkte. Der Londoner FTSE 100 gab mit 0,78 Prozent Verlust auf 5.295,40 Punkte nur etwas weniger deutlich nach. Zuvor hatte bereits die Börse in Tokio mit Verlusten geschlossen. Der Nikkei-225 gab 0,51 Prozent auf 8.434,61 Punkte ab.

Händler kommentierten, das Downgrade habe der Stimmung an den Märkten etwas den Glanz genommen. Als mehr oder weniger wie erwartet bezeichnete ein Börsianer die Beschlüsse des Euro-Finanzministertreffens, wonach die Schlagkraft des Krisenfonds EFSF mindestens verdreifacht und möglicherweise sogar verfünffacht werden soll. Andere Händler sprachen davon, dass die Finanzmärkte enttäuscht auf die Ergebnisse des Treffens der Euro-Finanzkrise reagiert hätten. Es zeichne sich inzwischen immer deutlicher ab, dass der Krisenfonds EFSF seine volle Schlagkraft nicht entfalten könne. (APA/Reuters)

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