Der ganz normale Wahnsinn

Kommentar29. November 2011, 19:15
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Der ganz normale Wahnsinn an einem ganz normalen Tag

Ein weiterer normaler Tag ging zu Ende und brachte die gewohnten Nachrichten über die Eurozone: Italien zahlt für einen Kredit mit dreimonatiger Laufzeit knapp acht Prozent, ein deutscher Wirtschaftsprofessor rechnet mit einer Inflation von zehn Prozent, Banken pumpten die EZB bei der wöchentlichen Auktion um 265 Milliarden Euro an, und eine Ratingagentur droht 87 Geldinstituten - darunter neun österreichische - mit Herabstufung der Kreditwürdigkeit.

Der Dienstag unterschied sich nicht wesentlich vom Montag, als Moody's laut über Staatspleiten und Euro-Austritte nachgedacht und die OECD der Währungsunion eine Rezession prognostiziert hatte. Die täglichen Meldungen, um wie viel Milliarden internationale Banken und Fonds ihr Engagement in spanischen oder italienischen Staatsanleihen reduziert haben, seien nur am Rande erwähnt.

Das Spektakel nimmt seinen Lauf. Und hat längst die Realwirtschaft erfasst, die sich wegen drohender Kreditklemme und sinkender Aufträge für die Krise wappnet. Gleichzeitig suchen die Euro-Finanzminister in Brüssel nach Lösungen. Deutschlands Finanzminister musste einräumen, dass sich die Währungsunion genau in der Situation befindet, "vor der wir vor einem Jahr gewarnt haben". Das Scheitern des Eurokrisenmanagements, das von Berlin vorgegeben wurde, ist somit amtlich. Der ganz normale Wahnsinn an einem ganz normalen Tag in Europa. (DER STANDARD, Printausgabe, 30.11.2011)

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