Mit Knoten und Kanten schneller ans Ziel

29. November 2011, 19:11
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Um intelligenten Verkehrssystemen zum Durchbruch zu verhelfen, soll die Datenbasis in Zukunft einheitlich sein

Unfallwarnungen, Geschwindigkeitsempfehlungen, Informationen zur Wetterlage, Baustellen oder Staus - direkt ins Auto oder aufs Handy: Intelligente Verkehrssysteme, IVS, sollen den Alltag des einzelnen Verkehrsteilnehmers in Zukunft erleichtern.

"Um das zu gewährleisten, braucht man eine gemeinsame, einheitliche Datenbasis", sagt Martin Böhm von Austria Tech, der IVS-Agentur des Verkehrsministeriums. Mit dem Projekt "Graphenintegrationsplattform" (GIP), das vom Klima- und Energiefonds kofinanziert wurde, sollen die bereits vorhandenen, aber voneinander isolierten Datensysteme zusammenwachsen. Ein Graph ist eine abstrakte Struktur, die eine Menge von Objekten zusammen mit den zwischen diesen Objekten bestehenden Verbindungen repräsentiert. Ein Beispiel dafür ist der U-Bahn-Netzplan. Dort stellt jeder Knoten eine U-Bahn-Station dar und jede Kante, also Linie, eine direkte Zugverbindung zwischen zwei Stationen.

Mit Verkehrsgraphen werden auch sämtliche Straßenverbindungen, Eisenbahnverbindungen samt Haltestellen etc. dargestellt. "Bisher hatte jedes Bundesland seinen eigenen Verkehrsgraphen, auch die ÖBB hatten einen eigenen, ebenso die Asfinag", umreißt Böhm die Situation. "Mit der GIP sollen diese Datenbanken und Geoinformationssysteme, mit denen die Verkehrsinfrastruktur im öffentlichen Sektor verwaltet und erfasst wird, vereinheitlicht werden." Das Resultat: ein österreichweiter digitaler Verkehrsgraph. Dieser soll alle Verkehrsträger einschließen, Verkehrsinformation und -management sollen so aktuell und zuverlässig auf nur einer gemeinsamen Plattform betrieben werden. Sicherheitsrelevante Informationen, beispielsweise Baustelleninformationen, greifen ebenso auf den Graphen als Referenzbasis zurück.

Alle Verkehrsmittel dabei

Weitere Dienste wie die Reservierung von Parkplätzen, Car-Sharing oder die Anknüpfung an den öffentlichen Verkehr sollen damit möglich sein. "Alle, auch kommerzielle Anbieter, sollen auf dieses Datenmaterial zugreifen können", betont Böhm. Austria Tech werde als "vertrauenswürdiger Dritter" dafür sorgen, dass dies ohne Diskriminierung möglich ist. Wichtig ist weiters der Datenaustausch mit dem benachbarten Ausland, um grenzüberschreitende Dienste gewährleisten zu könne, sagt Böhm.

Für Österreich soll zunächst die "Verkehrsauskunft Österreich" (VAO), ein Projekt unter der Leitung der Asfinag, realisiert werden. Es soll die technischen und organisatorischen Grundlagen für ein intermodales - also ein alle Verkehrsträger umfassendes - Echtzeitauskunftssystem schaffen. Damit soll der öffentliche Verkehr forciert werden. Erste Ergebnisse sollen im Oktober 2012 beim ITS-Weltkongress in Wien vorliegen. (max/DER STANDARD, Printausgabe, 30.11.2011)

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