Für die Netzkunst zerstören

29. November 2011, 19:04
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Arte-Künstlerschmiede versammelt tausend Webvideos

Wien - "Volare, Felicità oder doch Azurro: Ihren ganz persönlichen Hit können Kandidaten noch bis 2. Dezember vorsingen. Ein Video mit dem bevorzugten Italo-Hit an creative.arte.tv ist die einzige Hürde für die Teilnahme beim Webcasting der speziellen Art. Dem Sieger winkt kein Preisgeld, sondern: Pasta - und zwar in der Schwere des Eigengewichts"

Derlei abseitige Zugänge zum Bildungsprogramm des Kultursenders Arte verspricht das Künstlernetzwerk Arte Creative. Seit März entwickeln junge Künstler und Kulturproduzenten neue Formate und experimentieren mit Onlinevideos. Theoretisch ist jeder zum Mitmachen eingeladen. Wer eine Bewerbungsschranke durchläuft, kann von Fotografie, Design, Architektur, Netz- und Videokunst bis zu Literatur, Malerei und Performance alles ausstellen. Aus Partnerschaften mit Museen, Festivals und Kunsthochschulen zieht die Plattform ebenfalls Projekte. Des weiteren steuern die Creative-Macher kurze Webdokus und Interviews ins Netz, damit User sich beim Surfen so richtig verlieren können. Mehr als 1000 Stunden Bewegtbildmaterial sind so schon zusammen gekommen.

"Wir versuchen, ein kreatives Netzwerk aufzubauen", sagt Projektleiter Alain Bieber. Innerhalb kurzer Zeit entstand ein Fundus für an Netzkunst Interessierte. Unter Wallpaper gestalten etwa Grafikdesigner den Hintergrund einer Seite. In Picture This antworten Fotografen in Bildern auf Fragen der Creatives. In der Webserie From Sketch stellen Künstler ihr Werk vor. Demnächst dokumentiert Ex-Moderator Niels Ruf seine Umschulung zum Künstler.

Der Austausch untereinander ist mitunter heftig. "Meist kommentiert" ist etwa ein fünfminütiger Film, in dem die Kamera einem jungen Mann folgt, der beim Spaziergang den Knopf der Spraydose gedrückt hält und einen ununterbrochenen Strich an Hauswände, Zäune, Stauden hinterlässt. Titel: "Wege, um sich besser zu fühlen. Zerstöre, so viel du kannst".

Rüde Postings erwünscht

"Er hat es damit bis in die Bild-Zeitung geschafft", lacht Bieber, den die rüden Kommentare der Poster nicht stören. "Besser so, als wenn die Sachen dahinplätschern und es kein Feedback gäbe."

Rund 80.000 besuchen die Plattform täglich, 240.000 Page-Views sind zu verbuchen. Bieber betreut mit drei Mitarbeitern den Dienst und verfügt über ein Budget von 300.000 Euro. "Es ist okay", sagt der 32-Jährige. "Das Ziel ist, nicht bestehende TV-Formate zu imitieren, sondern neue Experimente zu wagen." Zwischen 500 und 2000 Euro erhalten Jungkünstler für Auftragsarbeiten.

Arte intensiviert die Aktivitäten im Web zunehmend und will die Kooperationen mit dem Kreativarm verstärken. Ab Februar 2012 soll samstags eine Sendung die Inhalte der Webkreativen vorstellen. Der Italocontest begleitet einen Italien-Schwerpunkt im Fernsehen.

Gute Chancen auf den Gewinn haben übrigens die "Pasta Girls". In der Liste der Abrufe liegt die Damencombo mit ihrer A-capella-Version von Laura non c'è ganz oben. Die Spaghetti-Ausbeute dürfte sich aber in Grenzen haben: Die drei Nachwuchssängerinnen sind von äußerst zarter Statur. (Doris Priesching/DER STANDARD; Printausgabe, 30.11.2011)

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