"Wenn ich dribble, schaut es halt nicht so gut aus"

Interview30. November 2011, 11:47
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Auf Stefan Maierhofers technisches Repertoire wird gerne hingepeckt, der 2,02-Meter-Mann will sich aber nicht beirren lassen

derStandard.at: Salzburg hat seinen Frust am Jausengegner Kapfenberg abgearbeitet. Ist gegen Paris eine weitere Trotzreaktion zu erwarten?

Stefan Maierhofer: Auf jeden Fall, wir können uns nicht ausruhen. Der Aufstieg in der Europa-Liga ist das Ziel und wir können es schaffen. Das Hinspiel in Paris war nicht schlecht. Wir haben auch in den beiden Begegnungen gegen Bilbao gute Leistungen gezeigt, es fehlt einfach nur die Effektivität über 90 Minuten. Wir müssen zeigen, wer die Heimmannschaft ist. Dann bin ich positiv gestimmt.

derStandard.at: International hui, in der Liga pfui. Ist der Kader heuer nicht stark genug für zwei Bewerbe? Oder ist die Konkurrenz so gut?

Maierhofer: Wir brauchen niemanden schlecht reden. Die Kader von Rapid und Austria haben Qualität, sie spielen trotz Durststrecke um den Titel mit, genauso wie wir. Auch Sturm Graz ist trotz großer Verletzungsprobleme im Rennen. Die Liga hat Qualität, es wird bis zum Schluss spannend bleiben. Und das ist gut für den österreichischen Fußball.

derStandard.at: Sie haben in England und in Deutschland gekickt. Wie beurteilen Sie das Niveau in der heimischen Liga?

Maierhofer: Es wird von Jahr zu Jahr höher. Vor allem die Jungen, die jetzt nachrücken, haben mehr Qualität. Ein Christopher Drazan aus dem Jahr 2008 ist mit dem von 2011 nicht mehr zu vergleichen, er hat sich super weiterentwickelt und das freut mich einfach riesig für den Jungen. Dasselbe gilt für Trimmel. Oder wenn ich an Georg Teigl oder Daniel Offenbacher denke: Die beiden haben bereits in den drei Monaten, seit ich bei Salzburg bin, einen Sprung nach vorne gemacht.

derStandard.at: In der Fußballwelt von Red Bull herrscht permanent Unruhe. Fehlt noch immer die nötige Konstanz?

Maierhofer: Das war bei Rapid auch nicht anders. Wenn du drei Spiele keinen Erfolg hast, scheppert es schon. Das ist normal und muss auch das Anforderungsprofil für einen erfolgreichen Verein sein.

derStandard.at: Stichwort Teamchemie: Gibt es in Salzburg zu viele Häuptlinge und zu wenige Indianer?

Maierhofer: Wir hatten nicht die größte Harmonie in den letzten Wochen. Aber am Platz stehen gute Persönlichkeiten, das wird sich im Finish bis zur Winterpause noch zeigen. Es gibt eine klare Hierarchie. Wenn ich etwas anspreche, wissen die Leute wie es gemeint ist. Da braucht auch niemand angfressen sein. Und so muss es auch sein.

derStandard.at: Was entgegnen Sie Kritikern, die Ihnen mangelndes fußballerisches Feingefühl vorwerfen?

Maierhofer: Ich weiß, dass ich nicht der beste Fußballer bin. Wenn ich dribble, schaut es nicht so gut aus wie bei einem Leonardo oder bei einem Jantscher. Meine Bilanz bei Salzburg finde ich bisher nicht so schlecht, ich will mich aber auch fußballerisch verbessern. Man lernt nie aus.

derStandard.at: Sie haben zuletzt viel Technik trainiert mit Trainer Ricardo Moniz. Ist er der Richtige, um Ihrer Karriere noch einen Schub zu geben?

Maierhofer: Ich bin wegen dem Trainerteam Moniz/Kovac nach Salzburg gekommen. Der Trainer predigt immer wieder, dass ein Ivica Olic noch mit 30 Jahren von Hamburg zu Bayern München gewechselt ist. Salzburg ist nicht das Ende meiner Karriere, ich möchte mich weiterentwickeln.

derStandard.at: Sie müssen sich immer wieder an der Torquote von Marc Janko messen lassen. Bekümmert Sie das?

Maierhofer: Marc ist ein ganz anderer Spielertyp als ich. Er hatte damals eine unglaubliche Mannschaft um sich, die ihn mit Bällen gefüttert hat. Er hatte eine super Saison, ich mag ihn als Typen und als Mensch. Ihm gebührt großer Respekt, aber ich will mir keinen Druck machen. Joaquin Boghossian hat darunter extrem gelitten, die Frage ist nur: Wer hat zuletzt 39 Tore geschossen? Da gab es einmal einen Krankl und jetzt einen Janko. Und vielleicht gelingt es irgendjemandem in zehn Jahren wieder. Ich rechne nicht mit 40 Toren diese Saison.

derStandard.at: Das Spielsystem ist nicht wirklich auf Sie zugeschnitten. Es heißt, es wird zu viel mit Ihnen als für Sie gespielt. Können Sie das bestätigen?

Maierhofer: Am Wochenende war es perfekt gegen Kapfenberg: Leonardo hat als hängende Spitze gespielt und wir konnten Räume füreinander öffnen. Wenn wir mit hängenden Außenstürmern agieren, die in die Mitte ziehen und den Abschluss suchen, dann kommen meine Stärken nicht zur Geltung. Wenn du alleine vorne spielst, kann sich die Verteidigung auch gut auf dich konzentrieren. Mit zwei Stürmern zu spielen, macht die Sache viel einfacher. Und wenn dann noch die Bälle von Jefferson, Zarate oder Jantscher in die Mitte kommen, dann ist das leckerer Fußball. (derStandard.at, 30.11. 2011)

Der Spätstarter Stefan Maierhofer

Vom Landesliga-Klub Langenrohr schaffte er mit 23 den Sprung zum FC Bayern. Den größten Erfolg feierte der Stürmer mit Rapid: Meister 2008. Ein Jahr später wechselte er zu Wolverhampton in die Premier League. Seit Sommer ist er in Salzburg.

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    Will keine Mimose sein: Stefan Maierhofer.

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    Salzburg-Trainer Ricardo Moniz will Maierhofers Füßen mehr Feingefühl verpassen.

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