Die beste tänzerische Umsetzung einer Doktorarbeit 2012: Der australische Physiker und "Titanium-Mann" Joel Miller findet seine Knochenfrau (Sara Fontaine).
Bereits zum vierten Mal fand heuer der internationale Wettbewerb "Dance your Ph.D." statt - Insgesamt 55 Dissertanten reichten ein - Vergangene Woche wurde in Brüssel der Sieger ausgezeichnet
Im Jahr 2008, als "Dance your Ph.D." (auf Deutsch: "Tanze Deine Dissertation") zum ersten Mal ausgetragen wurde, gab es nicht ganz zufällig eine besonders rege Beteiligung österreichischer Wissenschafter. Schließlich fand die Premiere des Wettbewerbs damals auch im Biocenter in Wien statt - leider damals noch unter weitgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit.
Einige der Höhepunkte der damaligen Veranstaltung, die zum Glück auf Youtube für die Ewigkeit konserviert wurden: der Vogerltanz des Genetikers und Imba-Direktors Josef Penninger, der seine schon etwas länger zurückliegende Dissertation zur "Analyse thymischer Mutterzellen im Huhn" in Bewegungen verwandelte und das Publikum mit gekonntem Hüftschwung begeisterte. Gar einen ersten Platz ertanzte CeMM-Chef Giulio Superti-Furga mit seinem Team, und auch das Video dieser Aufführung ist zum Glück für die Wissenschaftsgeschichte erhalten geblieben.
Der Klassiker: Josef Penninger und sein Vogerltanz (Quelle: YouTube)
Der Gewinner: Giulio Superti-Furgas Siegesperformance 2008 (Quelle: YouTube)
Die Idee zu dieser Veranstaltung hatte der Wissenschaftsjournalist John Bohannon, der gemeinsam mit dem US-Wissenschaftsmagazin Science in diesem Jahr bereits zum vierten Mal um Videoeinreichungen von Tanz-Performances bat. Erlaubt ist bei dem Wettbewerb alles, was gefällt und geeignet ist.
In diesem Jahr war die Resonanz besonders stark: Insgesamt 55 Kandidaten reichten ihre Bewerbungen ein. Doktoranden aus allen Fachrichtungen und Kontinenten, die ihre Dissertation der Öffentlichkeit vorstellen wollten. Auch diesmal kannte der Ideenreichtum keine Grenzen: getanzte Collagen, Slapstickeinlagen, Pantomime und vor allem Ausdruckstänze jeder Art.
Um den Gewinner zu ermitteln, hat die Jury - bestehend aus Künstlern und Wissenschaftern - drei Kriterien festgelegt: die wissenschaftliche Relevanz, die artistische Qualität der Choreografie sowie die Fähigkeit, das Thema der Dissertation tänzerisch umzusetzen.
Im Oktober wurden zunächst zwölf Finalisten ausgewählt, ehe dann eine weitere Fachjury die Gewinner in vier Kategorien ermittelten. In den Sozialwissenschaften etwa siegte Emma Ward, die in ihren Tanz das Sozialverhalten von Tauben umsetzte - und dafür 500 Dollar gewann.
Für den Hauptgewinner gab es einen Preis von 1000 Dollar, unsterblichen Ruhm als Youtube-Geek sowie eine Reise nach Brüssel. Dort wurde vergangene Woche nämlich der erste Preis bei der TEDx-Brüssel-Konferenz feierlich überreicht. Wissenschafter und Künstler konnten bei innovativen Vorträgen und Performances "einen Tag in der fernen Zukunft" verbringen.
Der glückliche Gewinner des Hauptpreises war Joel Miller von der Universität Perth in Australien, dessen Anreise in die belgische Hauptstadt entsprechend langwierig war. Er hatte die Jury nicht nur in der Kategorie Physik mit seiner Abhandlung über die mikrostrukturellen Gesetze von Titanbestandteilen (im englischen Original: "Microstructure-Property relationships in Ti2448 components produced by Selective Laser Melting") überzeugt.
Der schlaksige Forscher mit kahlem Kopf inszenierte in einer grotesk-komischen Reihe von 2000 Fotos (da er keine Videokamera hatte) die Liebesgeschichte von "Titanium-Mann" und "Knochenfrau". In dem Stück schreitet Miller mit einer Frau in weißem Gewand wie ein Hochzeitspaar über eine Wiese, um sich hernach ein schwarzes T-Shirt überzustülpen. Alsbald verdunkelt sich das Bild, zwei Protagonisten in leuchtender Kleidung treten heran und greifen ihm unter die Arme. Die Bilder haben etwas Kafkaeskes.
Miller lässt die Hosen fallen, dann schiebt sich wie von Geisterhand eine rote Unterhose seinen Unterleib hinauf. Das Stück ist zum Schreien komisch - und vor allem instruktiv. Miller brachte die Wechselwirkung von Alpha- und Beta-Titan plastisch zum Ausdruck. Erst wenn sie zusammenfinden, ist Titanium-Mann ausdauernd und zugleich flexibel. Millers Forschungsarbeit könnte in Zukunft dazu beitragen, verträglichere und haltbarere Knie- und Hüftgelenke aus Titan zu entwickeln. (DER STANDARD, Printausgabe, 30.11.2011)
stimmt. das erkennnt man sehr deutlich an dem winkel in dem das stirnbein aller weissen (einer sehr homogenen, scharf abgegrenzten population) zu ihrem sehr typischen jochbein steht. eine einfache schädelvermessung gibt sicherheit.
Langsam ist es dann auch fast schon wieder zuviel. Wir wissen es eh alle: Big Bang Theory ist urlustig, Nerd ist das neue Cool und die eigene PhD tanzen... also das ist ja totaaal crazy.
aber faktum ist, dass österreich in sachen akzeptanz gegenüber der wissenschaft ein schlusslicht in europa ist! dh. irgendwie müssen die wissenschaftler auf sich aufmerksam machen.
nichts für ungut, herr plumm. ich teile Ihre sorge ob der einstellung mancher österreicher gegenüber wissenschaft. aber es wäre wohl zuviel in diese veranstaltung hineininterpretiert, wenn man sich von ihr ein besseres standing der forschung in der öffentlichkeit erwartet. es ist - und das ist auch nicht schlimm - ein "funevent".
nichts für ungut, herr plumm. ich teile Ihre sorge ob der einstellung mancher österreicher gegenüber wissenschaft. aber es wäre wohl zuviel in diese veranstaltung hineininterpretiert, wenn man sich von ihr ein besseres standing der forschung in der öffentlichkeit erwartet. es ist - und das ist auch nicht schlimm - ein "funevent".
großartig! ich war beim ersten "dance your phd" selber aktiv (am mixer). war einfach eine unglaublich coole sache und sollte, so hoffe ich, auch mal wieder in wien stattfinden!
und wer lust und interesse hat. am morgigen donnerstag gibts mal wieder einen science<>salon vienna im verein08 (piaristengasse 60). näheres hier http://science-salon.blogspot.com/
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.
Alle Rechte vorbehalten. Nutzung ausschließlich für den privaten Eigenbedarf. Eine Weiterverwendung und Reproduktion über den persönlichen Gebrauch hinaus ist nicht gestattet.
Bitte geben Sie eine E-Mail-Adresse an.
Aktualisierung Ihrer E-Mail-Adresse
Ihre aktuelle und korrekte E-Mail-Adresse ist Voraussetzung für alle Benachrichtigungen, die Sie von derStandard.at erhalten (z.B. Antworten auf Ihre Postings, Hilfe bei vergessenem Passwort). Zusätzlich werden Sie Ihre E-Mail-Adresse künftig für das Login benötigen.
Daher bitten wir Sie um eine kurze Überprüfung und Bestätigung Ihrer E-Mail-Adresse. Ihre E-Mail-Adresse wird dadurch nicht für Dritte sichtbar!
Die von Ihnen angegebene E-Mail-Adresse ist bereits mit einem anderen Account verknüpft. Bitte geben Sie eine andere E-Mail-Adresse an.
Diese E-Mail-Adresse ist leider ungültig. Bitte verwenden Sie eine dauerhafte E-Mail-Adresse!
Eine E-Mail-Adresse kann nicht für mehrere Accounts verwendet werden!
Aktualisierung Ihrer E-Mail-Adresse
Danke für die Bestätigung Ihrer E-Mail-Adresse. Es wurde ein Bestätigungslink an die angegebene Adresse gesendet.
Aktualisierung Ihrer E-Mail-Adresse
Ein unbekannter Fehler ist aufgetreten. Die E-Mail konnte nicht gesendet werden. Bitte versuchen Sie es noch einmal.