Kleinunternehmen sucht Forscher

29. November 2011, 18:18
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Wiener Technologieberatung zieht Bilanz

Wiener Klein- und Mittelbetriebe, die wissenschaftlicher Expertise bedürfen, haben die Möglichkeit, sich an die Technologieberatung des Zentrums für Innovation und Technologie (ZIT) zu wenden. Dort vermittelt man sie an Forscher, die bestenfalls Probleme in der Produktentwicklung durch Beratungen oder längerfristige Kooperationen lösen - notfalls gleich mit entsprechender ZIT-Förderung. Seit 2008 führten die Berater knapp 500 Erstgespräche, knapp einem Drittel der Betriebe konnte geholfen werden.

Das Service hat sich nun einem externen Monitoring unterzogen: 230 Beratungen durch Forscher fanden bisher statt. "In 60 Prozent der Fälle entsteht ein gemeinsames Projekt, in dem zwischen drei und neun Monaten zusammengearbeitet wird", erklärt die Leiterin der Technologieberatung, Eva Czernohorszky. Bei einigen Fällen wird schon im ersten Beratungsgespräch das Problem gelöst.

Künftig will das Beratungsteam verstärkt Forscher und Anwender aus unterschiedlichen Bereichen zusammenbringen, etwa Softwareentwickler mit Usability-Experten, die aus dem Bereich der Psychologie kommen. Ein diesbezüglich prototypisches Projekt war etwa jenes der Softwareentwickler von Mediamid. Ihre Software, die Mediendateien von Unternehmen verwaltet, wurde von Experten des Wiener Center for Usability Research and Engineering (Cure) einem Usability-Check unterzogen.

"In ungefähr zehn Prozent der Fälle finden wir keine Lösung", sagt die Leiterin: "Entweder man findet gar niemand, der sich mit der Frage beschäftigt, oder man findet zwar jemanden, der aber kein Projekt mit einen so kleinem Unternehmen macht. Das ist uns durchaus schon passiert", sagt Czernohorszky. "Es ist schon so, dass sich die Wissenschafter sehr gut überlegen, worauf sie sich einlassen." Die unterstützten Betriebe sind oft sehr klein: 20 Prozent sind Ein-Personen-Unternehmen, 32 Prozent haben weniger als zehn Mitarbeiter. Einer auf Vergoldung spezialisierten Restaurateurin wurde etwa geholfen, einen passenden Schutzlack zu finden, um Aufträge von Yachtbesitzern ausführen zu können. In der kleinteiligen Wirtschaftsstruktur Wiens sollen diese Synergien den Standort stärken.

Mittlerweile kennen die Berater die heimische Forscherlandschaft gut: "Mussten sie früher noch auf Google zurückgreifen, wenn sie mit einer Frage konfrontiert worden sind, greifen sie nun primär auf ihre eigenen Erfahrungen zurück." (pum/DER STANDARD, Printausgabe, 30.11.2011)

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