Wahlkampf mit Patienten

Kommentar29. November 2011, 18:09
54 Postings

Die protestierenden Ärzte schwingen sich gerne zu Patientenvertretern auf und übertreiben dabei meistens.

Zwar spricht es niemand laut aus, aber der Gedanke daran wird bewusst ins Spiel gebracht: Wenn die Regierung sich nicht entschließt, die Med-Uni und damit das Wiener AKH besser zu dotieren, könnten mehr Patienten dort sterben, suggerieren die protestierenden Ärzte. Sie schwingen sich gerne zu Patientenvertretern auf und übertreiben dabei meistens.

Natürlich ist es nicht gut, wenn die Regierung an allen Ecken und Enden der Hochschulen spart. Aber der einzige Gegner der AKH-Ärzte scheint der Wissenschaftsminister zu sein. Wer mahnt die Verantwortung des Uni-Rektors ein? Warum gibt es keinen öffentlichen Diskurs zwischen Wolfgang Schütz und seinen Ärzten darüber, wie das Budget sinnvoll eingesetzt werden könnte? Und warum verzichten hoch bezahlte Ärzte nicht auf einen Teil ihres Gehalts, anstatt Patienten zum Spenden aufzurufen? Wer wagt, Letzteres zu fragen, erntet statt einer Antwort schiere Fassungslosigkeit.

Dass es für Patienten im AKH nicht angenehmer wird, wenn beim Personal gespart wird, ist die eine Sache. Dass Ärzte aber nicht nur aus altruistischen Gründen für mehr Geld kämpfen, darf aber auch nicht verschwiegen werden. Im März wird in der Ärztekammer gewählt, da müssen die Funktionäre der beitragszahlenden Klientel signalisieren, dass sie etwas für sie tun. Das wäre ja legitim - wenn nicht Patienten dafür instrumentalisiert würden. (DER STANDARD; Printausgabe, 30.11.2011)

Share if you care.