Schlachtfeld der Geschlechter

29. November 2011, 18:01
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Die Politikwissenschafterin Saskia Stachowitsch analysiert Rollenbilder im Militär

Das Militär, betrachtet aus dem Blickwinkel der Gender-Studies: Es ist nicht unbedingt eine naheliegende Kombination, die Saskia Stachowitsch zu ihrem forscherischen Zielgebiet erkoren hat. Dass sich ausgerechnet das Heer gut dazu eignet, den Geschlechterkampf abzubilden, wird erst auf den zweiten Blick deutlich: "Das Militär ist ein Mikrokosmos, ein gesellschaftliches Labor", sagt Stachowitsch, die am Institut für Politikwissenschaften der Universität Wien tätig ist.

In ihrer Dissertation nahm sich Stachowitsch die US-Armee als einen der einflussreichsten militärischen Apparate weltweit vor. Die Studie erschien kürzlich unter dem Titel "Gender Ideologies and Military Labor Markets in the US" im Verlag Routledge. Darin analysiert die 1980 geborene Wienerin Arbeitsmarktdaten sowohl aus dem militärischen als auch dem zivilen Sektor, die politischen Rahmenbedingungen sowie die Inhalte der Medienberichterstattung im Zeitraum zwischen 1990 und 2005.

Imageanpassung nach Bedarf

Dabei zeigte sich ein steter Wandel des Frauenbildes: "Im Golfkrieg in den frühen 1990er-Jahren wurde die Soldatin als professionalisiert und geschlechtsneutral dargestellt", schildert Stachowitsch. "Als danach der Frauenanteil im Heer stieg, während zugleich abgerüstet wurde, tauchten Bilder auf, die vermittelten, dass Frauen psychisch und physisch nicht fürs Militär geeignet seien."

Der Grad der Gleichberechtigung hänge von den Bedürfnissen der Streitkräfte selbst ab, betont Saskia Stachowitsch: "Da ist das Militär sehr pragmatisch. Immer dann, wenn Frauen gebraucht werden, ist man sehr aufgeschlossen." So schlug im Gefolge von George Bushs "war on terror" die Stimmung zugunsten der weiblichen Armeeangehörigen um. "Soldatinnen wurden patriotisch, und heroisch inszeniert, zudem wurden traditionell weibliche Attribute wie die Kommunikationsfähigkeit hervorgestrichen."

Fest stehe: Moderne Geschlechterbilder und politische Transformationen wirken auf die militärischen Institutionen ein - auch wenn Frauen nach wie vor von Boden- und Spezialtruppen ausgeschlossen sind und in den unteren Rängen überrepräsentiert sind. Immerhin hat sich der Frauenanteil in der US-Armee seit der Abschaffung der Wehrpflicht 1973 auf etwa 14,5 Prozent eingependelt. In Österreich sind es gerade einmal zwei Prozent.

Demnächst wird Stachowitsch ihre Forschungen auf private Sicherheitsunternehmen ausdehnen - mithilfe eines Erwin-Schrödinger-Stipendiums an der University of Bristol, wo sie ab Jänner Visiting Fellow sein wird. "Jeder zweite im Irak stationierte Soldat ist bereits bei einer privaten Firma angestellt. Diese Verschiebung dürfte zu einer weiteren Verdrängung von Frauen führen", sagt die Politikwissenschafterin.

Jüdische politische Geschichte

Dranbleiben wird Stachowitsch auch an ihrem zweiten Forschungsschwerpunkt: In fortlaufenden Projekten widmet sie sich seit Jahren der jüdischen politischen Geschichte. So baute sie unter der Leitung von Eva Kreisky die Plattform Jüdische Repräsentation und Antisemitismus im österreichischen Parlament 1861-1938 mit auf. Diese wurde soeben mit dem Margaretha-Lupac-Wissenschaftspreis ausgezeichnet.

"Ich muss als Jungwissenschafterin eine Ich-AG sein", bedauert Stachowitsch. "Der Druck ist schon groß." Bis eine fixe Stelle in Aussicht ist, hilft nur eines: "Gute Stipendien mit viel Freiraum." (Karin Krichmayr/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.11.2011)

  • Saskia Stachowitsch forscht über Frauen im Heer.
    foto: parlamentsdirektion

    Saskia Stachowitsch forscht über Frauen im Heer.

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