Fahrplan

Westbahn darf ins ÖBB-Kursbuch

Luise Ungerboeck, 29. November 2011, 19:01

Kartellgericht zwingt ÖBB zur Aufnahme in den Fahrplan

Wien - Bevor sie am 11. Dezember Fahrt von Wien nach Salzburg aufnimmt, kann die Westbahn Management GmbH einen Etappensieg verbuchen: Das Kartellgericht hat die ÖBB am Dienstag verdonnert, die 14 Züge der Westbahn in ihr Kursbuch aufzunehmen. Und zwar in Fahrplänen, Kursbuch (Printversion), im Online-Fahrplan ("Scotty", "Scotty mobile") auf der ÖBB-Homepage sowie in der telefonischen Fahrplanauskunft unter 051717.

Um dem Anliegen Nachdruck zu verleihen, hat das am Oberlandesgericht Wien angesiedelte Kartellgericht im Schnellverfahren eine einstweilige Verfügung erlassen. Der Grund: Das Kartellgericht sieht die Verbannung der Westbahn-Züge aus Fahrplanankündigungen als Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung - durch ÖBB Holding AG und ÖBB-Personenverkehr AG.

Westbahn-Anwalt Rüdiger Schender von der Kanzlei Böhmdorfer bestätigte die Standard-Informationen, er sieht den Spruch des Kartellgerichts als klare Anweisung: Der ÖBB-Personenverkehr muss die Fahrplandaten der Westbahn in das ÖBB-Kursbuch aufnehmen und zwar mit Namen, Zugnummer, Start- und Zielbahnhöfen sowie Haltebahnhöfen. Strafen sind in dem Provisorialverfahren genannten Schnellverfahren laut Schender nicht vorgesehen. Würde die ÖBB die bereits gedruckten Kursbücher aber ohne Westbahn-Angaben verteilen, sei der Anspruch exekutierbar. Kursbücher und Fahrplandrucke können also beschlagnahmt werden.

Bei der ÖBB wollte zur Niederlage niemand Stellung nehmen, es lägen noch keine offiziellen Informationen zur Entscheidung vor.

Abgeblitzt ist die Westbahn mit ihrem Antrag bei den Kartellwächtern übrigens in einem Punkt: Die in ÖBB-Schnellzügen verteilten Zuginformationsfolder dürfen weiterhin ohne Hinweise auf die täglich 14 Westbahn-Verbindungen verteilt werden.

"Verschwendungsbremse"

Weit weniger klar ist bis dato, wie mit dem von Verkehrsministerin Doris Bures vorgelegten Gesetzentwurf zur Vorbelastungsermächtigung für die auf 65 Milliarden Euro taxierte (Fremd-)Finanzierung des Bahnausbaus wird. Die Fronten in der Koalition gelten als verhärtet. Wie das Finanzministerium verfahren will, ist unklar, zumal die Bahnschulden als Gefahr für das Triple-A Österreichs gilt. Für schwere Irritation sorgt die Einschätzung der Investmentbank Nomura, wonach die Bahn bis 2072 mehr als das Dreifache, also an die 200 Mrd. Euro verschlingen werde. Laut Verkehrsressort stimmen die Annahmen nicht, weil die jährlichen Kosten für Betrieb und Erhaltung des Schienennetzes (2012: 1,5 Mrd. Euro) doppelt verbucht würden. Letztere seien ja ohnehin im Budgetkapitel Verkehr gebucht.

Grünen-Verkehrssprecherin Gabriela Moser fordert eine "Verschwendungsbremse" bei konkurrierenden Bahn- und Autobahnprojekten. Gemäß ÖBB-Zuschussvertrag übersteigen die jährlichen Bundeszuschüsse für die ÖBB bereits 2019 eine Milliarde Euro, 2025 die Schwelle von 1,5 Mrd. , um rein rechnerisch erstmals 2037 unter 1,7 Mrd. zu sinken. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Printausgabe, 30.11.2011)

Kommentar posten
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marius sol
00
11.12.2011, 17:03
Westbahn für Regionalfahrer hat 3 Nachteile

das zeigt das Beispiel für die Strecke Wien-Melk mit umsteigen in St. Pölten: 1. Die Fahrpläne Westbahn/OEBB sind aufeinander nicht abgestimmt. Bei einem "Kombiticket" entstehen unnötige Wartezeiten, 2. die Zahlmodalität wird komplizierter, wenn 2 Firmen bedient werden müssen, um 1 Fahrkarte zu erhalten, 3. Billiger wird die Strecke auch nicht, denn die Strecke St. Pölten-Melk kostet bei den OEBB mehr als von Wien direkt gebucht. Zusammenfasst: Die Preise sind nicht niedriger und ein Service für 1h20 Zugfahrt ist nicht notwendig. Für Regionalfahrer geht die Westbahn-Strategie also in eine völlig falsche Richtung.

Johannes Braunias
 
00
10.12.2011, 11:26
Westbahn in der Deutschen Bahn

Gott sei Dank kann man auf http://reiseauskunft.bahn.de auch die Westbahn finden. Ist ja naheliegend ;-)

marmeladenfreund
02
2.12.2011, 15:05

Ich habe die Nase extrem voll von diesen neoliberalen Geschäftemachern, die Gewinne privatisieren, Verluste und Risiken aber auf Kosten der Allgemeinheit verstaatlichen wollen, die nur dem finanziellen Wohlergehen der Aktionäre verpflichtet sind sich im Namen des freien Markts überall hineinklagen wollen. Nachdem man im heimischen Unternehmertum ethisches Wirtschaften mit der Lupe suchen kann, dafür aber prädemokratisches Standesdenken, Verfilzung, Korruption und postkommunistisches Kriegsgewinnlertum den Ton angibt, bin ich dafür, die Privatisierungen und Auslagerungen von öffentlichen Aufgaben ausschließlich durch gemeinnützige Gesellschaften zuzulassen!

Hans Ellere
00
7.12.2011, 22:53
Nase voll

... und ich von einer verstaatlichten Firma, die seit Jahrzehnten Milliarden kostet und nur für Parteipolitik missbraucht wurde. Ist das nicht grauslich?

.::.wanderfalke.::.
 
00
9.12.2011, 23:49
Hans im Glück?

Auf der Westbahn (bezahlt aus öffentlichen Geldern = Steuern) zwischen Wien und Freilassing fährt ein "Privater" sieben Mal täglich. Das ist für potentielle Bahnkunden, die nicht auf dieser Strecke die Bahn benutzen, völlig egal.

phorus
00
30.11.2011, 21:22

sind andere privatbahnen, die es ja durchaus gibt, auch in den fahrplanheften der öbb zu finden?

Hans Ellere
00
7.12.2011, 22:54
natürlich

.... alles ist dort zu finden - im scotty sogar internat. buslinien - warum auch nicht - ist ja ein dienst am kunden - entscheiden kann der kunde ohnehin.....

Robschi.com
00
3.12.2011, 14:22
Ja

Da diese aber auf eigenen Strecken fahren gelten diese als Partner der ÖBB, hingegen die Westbahn fährt ausschlieslich auf einen ÖBB Strecke und ist daher die einzig wahre Konkurenz zur ÖBB.

Quim Barreiros
10
30.11.2011, 22:01

Ja, allerdings haben die auch einen gemeinsamen Tarif mit den ÖBB, also durchgehende Fahrkarten, und sie fahren auf "eigener" Infrastruktur nicht als Konkurrenz zur ÖBB.

Section Control
00
30.11.2011, 22:56
Totaler Quatsch

Einen durchgehenden Tarif gibt es nur dann, wenn sie im gleichen Verkehrsverbund sind. Ansonsten lösen sie eine Karte von Traiskirchen nach Tamsweg. Da fahrens mit drei EVUs und vergleichen sie mal den Preis der bezahlten Fahrkarte mit dem der ÖBB. Tipp: Geht nach kilometer.

Anonym Anonymus
01
30.11.2011, 17:23
Bereits gedruckter Winterfahrplan

da wird die ÖBB nachschauen müssen, ob die Westbahn zum Drucklegungszeitpunkt die Fahrplandaten bekanntgegeben hat und die ÖBB sich "weigerte" oder ob da nichts war, dann wird wohl die Westbahn Folder zur Verfügung stellen müssen, die die ÖBB in die Fahrpläne hineinlegen muss. Die ÖBB müsste zumindest in die Lage versetzt worden sein, die Züge in die Fahrpläne aufzunehmen, sicher musste sie sich aber nicht darum bemühen....

Hans Ellere
00
7.12.2011, 22:55
schwachsinn

na sicher werden die vor das gericht gehen und nicht vorbereitet sein - unwahrscheinlich was so manchem einfällt wenn es darum geht die heilige kuh öbb zu schützen - unglaublich

BraS
 
02
30.11.2011, 16:15

warum sind denn eigentlich auf www.westbahn.at die Züge der ÖBB nicht zu finden?
Gibts hierzulande nicht gleiches Recht für alle?

Hans Ellere
00
7.12.2011, 22:56
:-)

na das ist lustig - es geht übrigens nicht um die homepage der öbb oder homepage der westbahn. es geht um ein einheitliches fahrplaninformationssystem - und die öbb wollte vor jahren die "oberhand" und "kontrolle" darüber haben...... bitte fair bleiben und vorher denken!

Einen Ristretto bitte
00
30.11.2011, 18:16
die westbahn ...

... hat aber nicht wirklich eine marktbeherrschende stellung.

es geht hier darum, dass die altmonopolisten (verkehr, strom, paket, telekom etc.) mit ihrer marktbeherrschenden macht nicht von beginn an jeglichen wettbewerb unterdrücken.

stanley cup
00
30.11.2011, 18:09

Nein. Das eine ist der Defakto-Monopolist. Deswegen gelten andere Regeln.

focus
00
30.11.2011, 15:42
Bzgl "Rosinenklauber"...

... wie es wohl wäre, würde jede, von den ÖBB nicht mehr bediente Relation, sofort ausgeschrieben und Privaten angeboten werden.

Section Control
00
30.11.2011, 22:57
Oder lassen die ÖBB nicht bedienen...

Robschi.com
00
30.11.2011, 21:01
Das macht aber keiner

Verbindungen die sich nicht rentieren, werden von sicher nicht von einen Privaten bedient.

CTRL+ALT+DEL
02
30.11.2011, 16:19
Quersubvention

Es geht nicht nur um die Verkehrsleistung.

Will man landesweit einheitliche Tarife, muss der Profit aus Strecken wie der Westbahn zur Quersubventionierung verwendet werden. Und genau das tut die "Westbahn AG" nicht, sie pickt Rosinen.

Ein einheitlicher Tarif von 3 EUR /km ist hirnrissig. Warum kann man zB nicht den Tarif für eine Hochleistungsbahn wie die Weststrecke auf 6 EUR verdoppeln, und für die - sagen wir Franz-Josefs-Bahn - auf 1 EUR/km senken? Somit würden profitable Strecken die Nebenstrecken automatisch quersubventionieren!

Es gibt ja auch höhere Einspeisetarife für Ökostrom, oder?

stanley cup
00
30.11.2011, 18:10

Das ist aber nicht die Schuld der Westbahn, sondern eine Fehlleistung im Infrastrukturministerium. In Deutschland wird auf attraktiven Strecken und zu "guten" Zeiten mehr verlangt.

montagmorgen
12
30.11.2011, 14:08
unverständlich

Vorweg: Grundsätzlich hab ich nichts gegen Konkurrenz zur ÖBB, finde es eine Bereicherung, wenn ich mehr Angebot habe u. werd die Westbahn sicher mal ausprobieren. Die ÖBB aber gerichtlich zu zwingen, in ihrer Fahrplanauskunft quasi für die Konkurrenz zu werben, finde ich reichlich frivol. Kursbücher u. Online-Auskunftsysteme sind ja nicht gerade billig. Da sollte man die Westbahner auch gerichtlich zwingen, in ihrem elektrischen Fahrplan die Züge der ÖBB anzuzeigen. Auch dass die Westbahner die ÖBB gerichtlich zwingen wollen, ihre Preise anzuheben, find ich ziemlich seltsam. Von Konkurrenz erwartet man sich als Kunde Preissenkungen, nicht Erhöhungen.

Hans Ellere
00
7.12.2011, 23:00
montagmorgen passiert so was

.... also liebe leute - informiert euch doch bitte - was heißt zwingen? es gibt gesetze! wir sind ein rechtsstaat, habt ihr das vergessen? hätte die öbb nicht in ihrer eitelkeit verharrt und wie so oft gesagt "wir sehen das sportlich", dann hätten sie die kurse im dienste aller aufgenommen. das ist doch lächerlich! das hat doch nur pr für die westbahn gebracht :-)
und auf der paradestrecke mit schleuderpreisen zu arbeiten ist für einen verstaatlichten betrieb eine schande und wettbewerbsverzerrend! dass ein privater (der keinen euro-cent subvention erhält), der in den markt will (was er ja darf) mit bilig-tickets protmotion macht ist wohl ein recht und geht niemandem was an! sehr wohl aber, was die öbb mit unseren steuergeldern macht.

Einen Ristretto bitte
00
30.11.2011, 21:18
noch viel unerträglicher ist es ...

... wenn der quasi-monopolist die neue konkurrenz durch preisdumping bekämpft, wenn die verluste der oebb dann von der allgemeinheit via zuschuss von steuermitteln ausgeglichen werden. wenn also quasi die steuerzahler die verhinderung von freiem markt bezahlen.

Faeryl
00
1.12.2011, 08:59

wo bekämpft die öbb die westbah mit dumpingpreisen?

die öbb war schon immer so billig auf der westbahnstrecke.

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