Schmiergeldaffäre

Ex-Gelddrucker: "Jeder wusste, worum es geht"

Renate Graber, 29. November 2011, 17:51
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    foto: christian fischer

    Um ihren ersten Auftrag aus Aserbaidschan zu gewinnen und die Konkurrenz auszubooten, sollen die Gelddrucker laut Beschuldigten den Aseris drei Prüfmaschinen geschenkt haben.

Die Ermittlungen gegen Noten­banker, die die Banknotendrucker kontrollieren, wird in der OeNB keine personellen Folgen haben

Bei der Überbringung von Provisionen soll die OeBS einfallsreich gewesen sein.

***

Wien - Die Ausdehnung der Ermittlungen in der Causa Banknotendruckerei auf ihren Aufsichtsrat und somit die Notenbankspitze (Ewald Nowotny, Wolfgang Duchatczek und Peter Zöllner) wird zu keinen personellen Veränderungen in der Nationalbank (OeNB) führen. "Gemäß rechtlicher Prüfung besteht kein Grund für Entlassungen; das OeNB-Präsidium hat volles Vertrauen in die Arbeit des Direktoriums, vor allem Nowotnys", sagt OeNB-Präsident Claus Raidl. Letztlich sei das Interesse der OeNB "dasselbe wie das des Staatsanwalts": Sie habe das Verfahren zwecks Aufklärung ins Rollen gebracht. Eine außerordentliche Generalratssitzung wird trotzdem einberufen, "um alle zu informieren", so Raidl. Es gilt für alle die Unschuldsvermutung.

Kein Personaltausch

Auch im von Duchatczek geführten Aufsichtsrat der Gelddruckerei (OeBS) dürfte alles beim Alten bleiben. Auch da prüfen Juristen, auch da soll es keinen Grund für Veränderung geben.

Die erste Einvernahme eines Notenbankers wird am Freitag stattfinden. Die Ex-Manager der Druckerei und die zwei in die Provisionsabwicklung involvierten Anwälte, wurden ja schon etliche Male vernommen. Anwalt Klaus A. zeigte dabei einen pragmatischen Zugang. "99 Prozent aller Gesellschaften, die mit Diktaturen Geschäfte machen wollen, müssen Kommissionen zahlen. Es war ja eine Win-Win-Situation: Die OeBS machte Geschäfte und hat die Kommission auf den Preis draufgeschlagen", sagte er aus.

Wer genau Geld bekommen hat, verriet A. nicht. Die Vertriebsmanagerin, die den Provisionären laut ihrer Aussage Geld aus Koffer und Plastiksackerl bezahlt hat, habe "die Namen der Ehegattinnen genannt". Namen seien also gefallen, "aber ich habe ehrlich gesagt Angst, diese zu nennen".

Sein Kollege Anwalt F., der Venkoy (über sie floss das Geld) einbrachte, schilderte in einer Einvernahme, warum er sich diese panamesische Gesellschaft vor Jahrzehnten zulegte: "Solche Instrumente sind für gewisse Dinge sehr praktisch". Sein Beispiel: Zur Zeit des Kommunismus habe Venkoy das Wiener Haus eines Tschechen gekauft, weil Zahlungen in die Tschechei "unerwünscht waren". Danach sei es einem Österreicher weiter verkauft worden.

Im Vertrieb der Gelddruckerei herrschte, bevor 2006 Venkoy ins Spiel kam, Ratlosigkeit. 2004 hätten die Drucker gegen 20 Prozent Kommission (dafür sei die Pönale ausgeschlossen worden, wovon Duchatczek informiert gewesen sei, behaupten Beschuldigte) einen Riesenauftrag aus Aserbaidschan bekommen. Die Vertriebsmitarbeiterin zum Staatsanwalt: "Das Wort Schmiergeld ist nicht gefallen, aber jeder wusste, worum es geht." Sie wusste laut ihrer Aussage damals "aber nicht, wie wir ohne Vertreter mit diesen Kommissionen umgehen sollen".

Geschenk für Auftraggeber

Plötzlich hätten die Aseris auch noch die Verwendung eines teuren Spezialpapiers verlangt, weil sie Prüfmaschinen nur für diese Papiersorte gehabt hätten. Um den Auftrag für die OeBS zu retten, habe man "nach zähen Verhandlungen vereinbart, dass die Aseris von uns drei Detektoren um insgesamt ca. 75.000 Euro geschenkt bekommen", so die Beschuldigte.

Bei der Suche nach "Vertrauenspersonen" für die immer noch ungeklärte Provisionsüberbrin- gung soll man nicht zimperlich gewesen sein. Laut der Ex-Managerin habe sie auf Druck eines Kollegen einen ihr privat nahestehenden Geschäftsmann "überredet, dass er insgesamt 900.000 Euro empfängt und weiter überweist". Er "wollte dann aber nie wieder etwas damit zu tun haben oder davon hören". Und: "Es musste eine andere Lösung her". Die sei dann mit Venkoy gefunden worden. (Renate Graber, DER STANDARD, Printausgabe, 30.11.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 26
1 2
whose ass to kick?
00
30.11.2011, 14:49
ja eh klar....der raidl.....

der hat gerade noch gefehlt.

sleepyc
00
30.11.2011, 09:24
unabhängig

von der rechtlichen misere und von "wer hat wann was gewusst": es ist doch jetzt keine überraschung, dass es usus ist, dass geschäftspartner von "ausserhalb der eu" bei solchen geschäften die hand aufhalten.

kein körberlgeld, kein business.
was hätten die tun sollen. offenbar hat wenigsten keine(r) geld für sich selbst eingesteckt.

dass das juristisch jetzt ein erdbeben verursachen kann, steht auf einem anderen blatt -> da wird's leider nicht helfen, zu sagen, die anderen machen's ja auch -> weil die anderen ... haben sich eben nicht erwischen lassen.

hanslblasta
00
30.11.2011, 22:19

"die anderen" haben den Auftrag nicht bekommen ...

Harald Bruckner
00
30.11.2011, 12:20

Es handelt sich um den obersten Banker Österreichs. Die stehen für Seriosität -da passt so etwas nicht.
Ob Geld abgezweigt wurde, ist nur nicht nachweisbar.

Martin Müller10
 
03
30.11.2011, 14:29
Die obersten Banker stehen für Seriosität entbehrt nicht einer

gewissen unfreiwilligen Komik ;-)

Black Mamba
01
30.11.2011, 08:03
"every way you look at it you lose", mrs. robinson (simon & garfunkel)

tja, ein dilemma von KHGschen ausmaßen: wenn der aufsichtsrat davon gewusst hat, gehört er ins kittchen. wenn nicht, hat er sich als völlig inkompetent erwiesen und sollte entfernt werden.

Ruth Schlabbeeritzka-Pangl
13
30.11.2011, 07:06
Druck

Unglaublich, dass Leute wie die ehrenwerten Herren "Gouverneure" Novotny und Liebscher, mit Monatseinkommen weit jenseits des Jahresverdienstes eines gut verdienenden Durchschnittsbürgers, es notwendig haben, sich bei solchen Gaunereien zu beteiligen. IMHO gibt's da nur 3 Möglichkeiten:
1.) Einsperren
2.) Einsperren
3.) Einsperren
Das Einzige, was ihnen wirklich unangenehm ist. Alles andere können sie sich einfach kaufen.

Otto Normalverraucher
13
30.11.2011, 09:14
Dream on!

Na gerade diese Typen werden sich's sicherlich richten können! In einem halben Jahr werden wir dann an dieser Stelle in einer kleinen Randnotiz lesen können, dass "das Verfahren eingestellt wurde". Je grösser die Gaunerei, umso geringer die Strafe. Wennst unbedingt sitzen willst, klaust beim Billa ein Packl Schnitten.

Wer mir Rot gibt, ist ein Prolet
00
30.11.2011, 06:23

Jaja, so Offset-Drucker sind halt schon ein korruptes Pack ...

Ferdinand Lachinger
21
30.11.2011, 06:13

Wieder typisch österreichisch, es ist was passiert, na eh net so schlimm, konsequenz weiter wie gehabt und dazwischen ein bisl raunzen ....
Grasser, Strasser, Novotny u.v.a. sie können tun was sie wollen ... und sind noch angesehen dazu!

liftwartbertl
05
30.11.2011, 08:56
...

Sie vermengen Äpfel und Birnen. Selbst wenn der OeNB-Aufsichtsrat etwas von den Kommissionzahlungen gewusst haben sollte, hat er sich (im Gegensatz zu Grasser und Strasser) damit nicht selbst bereichert, sondern nur ein Geschäft ermöglicht, dass letztlich auch dem österreichischen Steuerzahler zugute gekommen ist/wäre.

Patientencafe
10
30.11.2011, 14:55
Gehts noch?

der Steuerzahler bei uns wurde die viel zu große Druckerei geschädigt.
Er zahlt noch immer drauf, weil trotz Schmiergeld nicht genug Auslastung da ist.
Und in Aserbeidschan oder wo auch immer werden die dortigen Steuerzahler geschädigt und außerdem noch deren Demokratie, weil eine korrupte Oberschicht gefüttert wird.

Ferdinand Lachinger
11
30.11.2011, 09:07

Na wenn sie das so sehen ist eh alles OK, also wozu die ganze Aufregung dann? Nur weiter so ....

Mick 22
22
30.11.2011, 01:42
Wenn es jeder gewusst hat, dann raus mit allen

Natürlich inkl. Verfall der Pensionsansprüche. Das würde uns viel Geld sparen.

obibiber
01
29.11.2011, 23:37

es wussten immer alle, worum's geht, nur fliegen sie in den wenigsten fällen auf, sodass dann irgendwer sagen kann: es wussten immer alle, worum's geht.

daydreamer07
26
29.11.2011, 21:38
korruptes gesindel

korruptes gesindel wohin man nur sieht, gedeckt durch eine ohnmächtige justiz an der leine der noch korrupteren politiker, irgendwann wird es dem souverän sprich volk reichen und es wird konsequenzen geben....so kann es nicht mehr lange weitergehen...wenn sich die krise in europa verschärft werden die leute auf die strasse gehen, nicht nur in griechenland, das ist erst der anfang....

hanslblasta
00
30.11.2011, 22:25
"korruptes gesindel" - wo?

nach jetzigem Kenntnisstand hat sich in Ö niemand (direkt) bereichert (bei erfolgreichen Aufträgen winken natürlich Prämien und ein gutes Gehalt);
aber das Geld haben ja die Auftraggeber erhalten ...

liftwartbertl
11
30.11.2011, 09:01
...

Ihnen ist aber schon klar, dass dieses Geschäft mit dem Aserbaidschan dem österreichischen Steuerzahler zugute gekommen wäre. Also hier hat sich auf österreichischer Seite niemand auf Kosten des Volkes bereichert.

friesfux
20
29.11.2011, 20:22
auch Österreich ist eine Spielwiese für inkompetente und Gauner.

Natürlich wurden Provisionen gezahlt,sagte heute Raidl.
Die Staatsanwaltschaft verdächtigt den Chef der Notenbank.
Wie lange die Ermittlungen dauern würden, lasse sich noch nicht absehen.
Und als oberster Vertreter der EZB sollen wir noch vertrauen!
Sofort Untersuchungshaft für alle die Mill. Steuergelder veruntreut haben.

hanslblasta
00
30.11.2011, 22:27

äh, da ging es eher darum, dass der Betrieb durch gute Aufträge gewinnbringend arbeitet ...

oblomow II
01
30.11.2011, 09:06
steuergeld

hab ich was überlesen?
klärens mich bitte auf ...

locken
35
29.11.2011, 19:28
Alle sofort in den Häfen !!!!

hanslblasta
00
30.11.2011, 22:28

ein Gerichtsverfahren sollte zuvor schon stattfinden, meinen's nicht?

HerrderRinge
12
29.11.2011, 18:40
Keiner wußte was; Jeder wußte was;

Keiner wußte was; Jeder wußte was;
Keiner wußte was; Jeder wußte was;
Keiner wußte was; Jeder wußte was;
Keiner wußte was; Jeder wußte was;
Keiner wußte was; Jeder wußte was;
Keiner wußte was; Jeder wußte was;
Keiner wußte was; Jeder wußte was;
Keiner wußte was; Jeder wußte was;
Keiner wußte was; Jeder wußte was;
Keiner wußte was; Jeder wußte was;

HerrderRinge
34
29.11.2011, 18:35
Na also! Was nicht sein darf, kann auch nicht sein!

Also liebe Leute; macht die Super/Manager/Aufsichtsräte/und ehrenwerten OENBler nicht gleich schlechter als sie sind!
Laut Raidl besteht überhaupt kein Grund etwas in der Chefetage der OENB zu verändern!
Nach dem Motto: Is nix, wor nix, wird nix sein!
Wer würde dann die Bleistifte spitzen, und obergscheid daherreden, wenns alle im LAND`L sitzen?

Jetzt gibts noch an Orden für die Lukrierung der günstigen Aufträge, de KARL last es Verfahren einstellen, und de hasse Luft is draussen!

So funktioniert der Rechtsstaat Österreich!
Hat es jemanden überrascht??????????????

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