Wien hat einen neuen Ort für historische Fotografie: Das private Photoinstitut Bonartes fokussiert auf Forschung und Vermittlung
Wien - Klassische Coffeetable-Books wird das neu gegründete
Photoinstitut Bonartes nicht herausgeben. Und auch riesige Ausstellungen
in renommierten internationalen Institutionen sind nicht das vorrangige
Ziel der privaten Einrichtung für historische Fotografie. Inhaltlichkeit
steht vielmehr über allem: "Erforschung, Bewahrung und Vermittlung" sind
die drei Säulen, auf denen das Institut ruht. Finanziert wird das neue
Photoinstitut mit eigener Sammlung von der Stiftung Bonartes, die 2010
von einer kunstinteressierten, aber anonym bleiben wollenden
deutsch-schweizerischen Familie gegründet wurde. Ungenannt bleiben auch
die Beträge, die man für Sammlung und laufenden Betrieb zu investieren
bereit ist.
Dass allerdings die Konzentration auf die Inhalte keine hohlen
Versprechungen sind, dafür ist Monika Faber, ehemalige Chefkuratorin der
Albertina-Fotosammlung, ein Garant. Der Umstand, dass Faber, die
österreichische Koryphäe für historische Fotografie, die Albertina
verließ, um nun im privaten Rahmen zu wirken, zeichnet sie als
Überzeugungstäterin aus. Das Engagement der Investoren sei laut Faber
ein "unglaublicher Glücksfall".
Forschung ist teuer
"Historische Fotografie ist ja kein Feld, das in Österreich große
Leidenschaften bei öffentlichen Stellen weckt. Das ist kein Geheimnis",
sagt Faber, die das Photoinstitut gemeinsam mit dem Juristen Hermann
Geissler leitet. Auch mit historischer Fotografie könne man
Blockbuster-Ausstellungen machen, "aber Forschung ist teuer". In der
Albertina setzt man künftig allerdings auf Fotografie der Gegenwart:
Körper als Protest heißt die erste Ausstellung des neuen
Fotosammlungsleiters Walter Moser, die im Herbst 2012 Positionen der
1970er-Jahre, etwa John Coplans und David Goldblatt, präsentiert.
Öffentliche Forschungsgelder schwinden. So ist beispielsweise der
Fortbestand des "Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften"
(IFK) nur für drei Jahre gesichert, die Akademie der Wissenschaften
streicht ein Drittel ihrer Stellen. Dass bei wissenschaftlicher
Forschung Private in die Bresche springen, ist nicht selbstverständlich.
So hat etwa der kanadische Unternehmer Mike Lazaridis einmalig 100
Millionen Dollar seines Vermögens für das Perimeter Institut für
theoretische Physik zur Verfügung gestellt. Bekannt sind auch die
Forschungsstiftungen, die Bill Gates oder John Templeton gründeten. Wenn
vermutlich auch in wesentlich kleinerem Rahmen, so ist das Photoinstitut
Bonartes trotzdem eine Neuerfindung: "Philanthropie heißt, etwas zu tun,
was andere nicht tun", betont Geissler.
Zum Start präsentiert man sich mit einer neugierig machenden Auswahl aus
dem jüngsten Ankauf: Die Fotosammlung der 1856 gegründeten
Geographischen Gesellschaft versammelt Bilder von Jamaika bis Georgien:
vom in wertvolle Bastmatten gewickelten Würdenträger aus Samoa bis zur
reichen weißen Tischgesellschaft in Hawaii. Bilder, denen man das
unglaubliche Potenzial für die Forschung anmerkt. (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD/Printausgabe 30. November 2011)
Seilerstätte 22, Voranmeldung: 01/ 236 02 93