Basketball-Talent kämpft um Bleiberecht

30. November 2011, 15:46
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    foto: heribert corn

    Denis Vuckovic, laut Union West Wien "ein Vorbild für die jüngeren Spieler" und "wichtige Stütze" für das U14- und das U16-Team", beim Basketball-Training. Derzeit zittern der 14-Jährige, seine Schwester und sein Vater vor der drohenden Ausweisung.

Erneut beschäftigt die Behörden in Wien ein Asylverfahrensfall, bei dem so ziemlich alles schiefging - Die Leidtragenden: eine Roma-Familie aus Serbien, die seit sechs Jahren voll integriert ist

Wien - Eine unendlich langsam arbeitende Behörde, Schlampereien und Ungenauigkeiten auf beiden Seiten, versäumte Fristen: Am Ende einer langen Kette unglücklicher Umstände steht der 14-jährige Denis Vuckovic, aus Serbien stammender Rom, Vorzugsschüler im Realgymnasium für Leistungssportler in der Maroltingergasse, Basketballjungstar bei Union West Wien - und Auszuweisender, wenn es nach dem Asylgerichtshof geht. Sechs Jahre haben die Asylbehörden für diesen Spruch gebraucht, sechs Jahre, in denen sich Familie Vuckovic längst in Wien integriert hat. Alle sprechen akzentfrei Deutsch, beziehen keine staatliche Unterstützung, Denis' Schwester Jovana ist ebenfalls Vorzugsschülerin. Der Falter, der Denis' Fall aufgegriffen hat, schreibt von der Familie als einem "Paradebeispiel gelungener Integration" und sieht einen "neuen Fall Arigona in Wien".

Aber, sagt Innenministeriums-Sprecher Karl-Heinz Grundböck zum Standard: "Von einer drohenden Abschiebung kann noch keine Rede sein." Der Asylgerichtshof habe zunächst nur den "Auftrag zur Ausreise" gegeben, das heiße nicht automatisch, dass die Vuckovics demnächst aus ihren Betten geholt würden.

Um Fristverlängerung ansuchen

Anwalt Andreas Lepschi will beim Asylgerichtshof noch einmal um Fristverlängerung ansuchen, weil, wie er sagt, "die Betroffenen keine Gelegenheit bekamen, persönlich angehört zu werden". Dass sie diese nicht hatten, müssen freilich auch jene NGOs auf ihre Kappe nehmen, welche die Familie unterstützen sollten. So hatte der (ehemalige) NGO-Anwalt sowohl die Aufforderung des Asylgerichtshofs zur Stellungnahme als auch den negativen Bescheid nicht weitergeleitet - ebenso wenig meldete er den Behörden, dass er das Mandat für die Familie gar nicht mehr innehatte.

Dennoch, sagt der jetzige Anwalt Lepschi, hätte der Gerichtshof "bei einem Fall, wo es um Kinder geht", mehr Sorgfalt aufwenden können, um die Betroffenen ausfindig zu machen.

Mittlerweile beschäftigt der Fall auch die Politik: Peko Baxant, Wiener SPÖ-Gemeinderat und Präsident des Wiener Basketballverbands, hält den Fall Vuckovic für "katastrophal" und "ein klassisches Beispiel für lebensferne Gesetze". Baxant will sich für ein humanitäres Bleiberecht für die Familie einsetzen - "und auch mit Integrationsstaatssekretär Kurz darüber reden". Ein solches Bleiberecht sei vom Anwalt der Familie jedoch nocht nicht beantragt worden, heißt es seitens der zuständigen Gemeinde Wien. (Petra Stuiber/DER STANDARD-Printausgabe, 30.11.2011, ergänzt von derStandard.at)

Auch Tiroler Judoverband kämpft gegen Abschiebung eines Mitglieds

Die armenische Familie Hoysepyan soll am Dienstagabend nach Eriwan abgeschoben werden. Der Vater und die beiden fünfjährigen Töchter wurden am Montag vom Flüchtlingsheim in Imst, die Mutter vom Krankenhaus in Zams in das Familiengefängnis in der Wiener Zinnergasse überstellt.

Der 18-jährige Sohn der Familie, Narek, befindet sich noch bei Freunden in Tirol. Er trainiert erfolgreich im Tiroler Judoverband. Dessen Präsident, Martin Scherwitzl, kritisiert die bevorstehende Abschiebung seines Mitglieds: "Unabhängig von der bestehenden Rechtslage sehe ich als Trainer die Sache aus sportlicher und menschlicher Sicht. Bei Narek handelt es sich um einen sehr fleißigen Sportler, der kein Training auslässt und bei seinen Trainingskameraden sehr beliebt ist. Aus meiner Sicht ist Narek so integriert, wie es in dieser kurzen Zeit überhaupt möglich ist."

Narek ist Mitglied der Bundesligamannschaft, der Landesligamannschaft und gewann heuer die Tiroler Meisterschaften. "Er hätte eine große sportliche Zukunft, wenn ihm diese ermöglicht werden würde. Ohne in gesetzliche Belange eingreifen zu wollen, wären wir sehr froh darüber, wenn Narek bei uns bleiben könnte", so der Trainer. "Vielleicht könnte man in so einem Fall, in dem der Sportler in einem Verein mit über 1000 Mitgliedern, derart positiv integriert ist, einmal Gnade vor Recht ergehen lassen. Die Gründe dafür wären mit etwas gutem Willen leicht sichtbar." (red/derStandard.at)

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Die Ente Lippens
02
19.1.2012, 20:51
Wenn man gut kicken kann oder Koerbe werft, ist ein Bleiberecht aus humanitaeren Gruenden geboten?

Bat0ut0fHell
00
7.12.2011, 16:42
wäre er ein verbrecher

könnte er sich die staatsbürgerschaft bei der F kaufen.

docw
32
7.12.2011, 12:43

jetzt bitte ich die autorin dieses berichts um aufklärung. ich dachte asylwerber dürfen nicht arbeiten. wie kann die familie dann ohne transferleistungen leben? wobei die tatsache, dass die kinder vorzugschüler sind, die causa in einem positiven licht erscheinen lässt, denn bildungsferne jugendliche haben wir im 17. bezirk bereits genug. und kulturell stehen uns serben allemal noch um lichtjahre näher als sämtliche macho-ehren-murat öztürks.

Gegen Studiengebühren kämpfen!
21
7.12.2011, 09:26
Bravo! Die Abschiebung ist vorerst...

...gestoppt. Hunderte (vor allem) Schüler und Freunde haben am 6.12. in Wien gegen die Abschiebung demonstriert.

http://www.linkswende.org/5566/Absc... st-bleiben

Ignaz gartengschirrl
01
7.12.2011, 08:48

es macht anscheinend mode möglichst medienwirksam gegen abschiebung vorzugehen und wie man sieht ganz offensichtlich mit erfolg.

Ramsay Bolton
40
6.12.2011, 20:09

Eine Frechheit eigentlich. Da werden gut integrierte, offensichtlich transferleistungsfreie, talentierte bzw. intelligente, deutsch sprechende Leute mit der Familie Zogaj gleichgesetzt.

Briefmarkenkleber
01
4.12.2011, 11:35
Neue Zogaj-Fotos bitte

Wer mit den Medien paktiert, hat eine weitreichende Verpflichtung..

Javert
02
2.12.2011, 19:14
"sprechen akzentfrei Deutsch"

na damit machen sie sich in WIEN natürlich keine freunde

Harry Meier
 
00
3.12.2011, 03:43
In Vorarlberg schon gar nicht ;-)

Chien de Pique
00
2.12.2011, 17:55

Ich bin immer für humanitäre Argumente offen, aber ob jemand Sport treibt und den vielleicht gut beherrscht, interessiert mich wirklich nicht und sollte niemandem Vorteile verschaffen können, das ist ein privates Hobby bzw. in Ausnahmefällen eine private Berufsperspektive. Der Staat fördert das jetzt schon viel zu sehr.
VorzugsschülerIn ist schon eher vielversprechend.

Sandra81
00
1.12.2011, 17:54
Roma-Flüchtlinge aus Serbien

Der Berichterstatter des Europaparlaments für Serbien Jelko Kacin meint, dass man alle Maßnahmen ergreifen muss, um den Zufluss der falschen Asylanten aus Serbien in die EU zu stoppen. In einem Bericht, den er für das in Novi Sad erscheinende Blatt Dnevnik geschrieben hat, erklärte er, dass die politischen Führer in Serbien sich darum bemühen müssen, dass der erste große Sieg Serbiens auf dem Weg nach Europa – die Visaliberalisierung – nicht zurückgezogen wird.

Geh?danke
37
1.12.2011, 13:01

"Alle sprechen akzentfrei Deutsch, beziehen keine staatliche Unterstützung"
Ersteres ist ganz offenkundig gelogen (siehe unten verlinkter ORF-Beitrag), und wovon die asylwerbende Familie lebt, das bleibt unklar.

Die Halb- und Unwahrheiten an dieser Geschichte erinnern mich sehr an den Fall Arigona.

schoeni
15
1.12.2011, 10:11

Ich habe früher ähnlich gedacht wie mehrere Vorposter. Da war dieses Thema weit weg von mir, in Oberösterreich, in anderen sozialen Schichten etc.

Jetzt trifft es jemanden den ich kenne. Ich bin nicht sein Freund, Trainer, Klassen- oder Spielkollege. Ich in ein Schiedsrichter, der ein-/zweimal ihn gepfiffen hat. Ich finde er sollte bleiben dürfen. Er hat in meinen Augen die Kriterien erfüllt, die wir als Gesellschaft gerne definieren (deutsch sprechen, Schulausbildung).

Wir Basketballer sind sicher ein komisches Volk, aber besser als Raoul Korner (ein Basketball-Coach aus Österreich, der in den Niederlanden tätig ist) kann ich es nicht ausdrücken:

Basketball = Teamsport = Solidarität

Harald Herrmann
04
30.11.2011, 22:11
Peko Baxant müsste wissen...

dass eben jene Gesetze, die er als "lebensfremd" bezeichnet, von seiner Partei, die immerhin den Kanzler stellt, mitbeschlossen wurden. Da hätte er schon weit früher tätig werden können. Warum tat er das nicht?

jezzybuk
02
30.11.2011, 17:15

Für seine Basketballkarriere ist Österreich Gift, so wie allen ernstzunehmenden Sportlern geraten werden muss ins Ausland zu gehen (außer Schifahrer und Skispringer).

eolith421
63
30.11.2011, 17:10

Man sollte endlich die österreichische Einwanderungspolitik überdenken. Als Vorbild würde ich die kanadische Empfehlen. Dort hätte der Junge und seine Familie schon längst eine Aufenthaltsgenehmigung.

Ich werde nie verstehen wieso solche Familien deren Kinder in die Schule gehen und die sich nicht aufregen, dass sie deutsch lernen müssen abgeschoben werden und jene die seit 20 Jahren in Österreich leben und nach wie vor kaum Deutsch oder Englisch können und bei denen die Eltern die Kinder so schnell wie möglich aus der Schule rausnehmen bleiben dürfen. Hier kann doch was nicht stimmen.

Walles
03
1.12.2011, 01:15

Der Junge und seine Familie hätten in Kanada keinerlei Cance auf Aufenthaltsgenehmigung. Die Gebühren für den Antrag wären verschwendet.

Pierre d´Aubusson
07
30.11.2011, 23:22

Jetzt weiß ich, was die da vor meinem Fenster wegen der Anwendung der kanadischen Einwanderungspolitik machen: die graben einen Atlantik!

Ernst Kratochwil
14
30.11.2011, 21:10
Als Vorbild würde ich die kanadische Empfehlen.

Diese Vergleiche sind meisten falsch.

Weil bei den meisten Fallbeispielen, die Leute nie ins Land gekommen wären. Nicht in Kanada oder anderen Einwanderungsländer.

Deshalb kommen ja auch bei uns die meisten über die Asylschiene. D.h. stellen einen Antrag, der natürlich (weil kein Asylgrund) abgelehnt wird. Wenn der Antrag warum auch immer, lange genug dauert, wird auf den langen Aufenthalt und die gelungene Integration hingewiesen.

Wenn das zu oft funktioniert steigt natürlich die Zahl derer die das auch versuchen.
D.h. drei integrierte Zuwanderer mehr, und dafür noch ein paar Dutzend Asylbewerber mehr, die das auch versuchen wollen.

gez69
 
14
30.11.2011, 17:56

Wenn man die kanadischen Einwanderungsbedingungen heranzieht, hätte es die Familie nie nach Österreich geschafft, denn die vermeintliche "Verfolgung" wurde ja 2x negativ beschieden ...

http://www.canadainternational.gc.ca/germany-a... x?lang=deu

fahrenheit 451
28
30.11.2011, 17:48

in kanada? welche besonderen fähigkeiten hat die familie den zum "asylzeitpunkt" besessen um rechtskonform in kanada einwandern zu können?

hört doch endlich auf hier polemisch einwanderung und asylansuchen zu vermischen.

die familie hat defacto seit 2004 keinen asylgrund. und das verfahren wurde danach wohl aufgrund des "nicht mehr vorhandenen" ngo anwalts verschleppt.

van.der.stiege
23
30.11.2011, 17:43
nach kanada...

... hätt die familie niemals einreisen duerfen oder wenn dann nur ueber eine asylquote. aber da es in österreich nicht fuer asyl reicht wird es wohl mit asyl in kanada auch nix - die objektiven kriterien sind ja fuer alle staaten die sich der einhaltung der genfer konvention verpflichtet haben gleich.

wuerd gern wissen wie sie denken bzw. welche vorstellungen sie von der kanadischen einwanderungspolitik haben die sie solche schlusssätze ziehen lässt??

eolith421
11
30.11.2011, 19:55

Mit Einwanderungspolitik und Kanada habe ich gemeint das Kanada die höchste Einwanderungsquote aller Flächenstaaten hat. Meine Erfahrung beruht dabei nicht, dass ich die kanadische Einwanderungspolitik genau kenne, sondern auf meiner persönliche Erfahrung wie die meisten Kanadier über Einwanderer denken: Sie sind eine Bereicherung für die Gesellschaft. Weiters gibt es dort in den Städten eine deutlich höhere Mischung an verschiedenen Ethnien als bei uns.

Vielleicht war meine Aussage, dass die Familie in Kanada schon längst eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen hätte falsch, es ändert aber nichts daran, dass ich das dortige System besser finde als das unsrige.

Ernst Kratochwil
13
30.11.2011, 21:56
Wäre irgendwie sonderbar wenn Sie nicht den Unterschied in

der Bevölkerungsdichte bemerkt hätten?

In Österreich 100EW pro qu km in Kanada 3,4, dazu noch der Unterschied in der Erreichbarkeit für illegale Zuwanderer.

Dann braucht man sich über den Unterschied in der Bewertung der Zuwanderung, nicht mehr so stark wundern.

fahrenheit 451
14
30.11.2011, 20:18

wenn sie sich die bedingungen ansehen um in kanada einen fuss reinzubekommen werden sie feststellen das österreich sehr liberal dazu ist.

und wenn ich nur die gut ausgebildeten zuwandern lasse ist migration natürlich extrem positiv.

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