EU-Botschaft zieht innerhalb Kabuls um

29. November 2011, 16:51
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Anonymer Diplomat: EU-Vertretung solle aus Sicherheitsgründen in festungsartig gesichertes Gelände in Kabul umziehen

Kabul/Brüsserl - Die Europäische Union verkleinert "vorübergehend" ihre Botschaft in der afghanischen Hauptstadt Kabul. Eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton sagte am Dienstag in Brüssel, wegen Bauarbeiten werde ein Teil der in Kabul beschäftigten EU-Diplomaten zeitweilig abgezogen. Hingegen sagte ein EU-Diplomat, der ungenannt bleiben wollte, der Nachrichtenagentur dpa in Kabul, die EU-Vertretung solle aus Sicherheitsgründen verkleinert werden und in ein festungsartig gesichertes Gelände in Kabul umziehen.

"Es geht um eine vorübergehende Verlagerung", sagte Ashton-Sprecherin Maja Kocijancic. "Wir haben nicht die Absicht, die Zahl der Mitarbeiter in Kabul dauerhaft zu verringern." Die "Verlagerung" habe mit Arbeiten "zur Verbesserung der Infrastruktur" in der EU-Botschaft zu tun. Wie lange diese Arbeiten dauern sollten, konnte sie nicht sagen.

Ein EU-Diplomat in Kabul, der anonym bleiben wollte, sagte jedoch der dpa, von derzeit 60 Diplomaten sollten nur 14 in der afghanischen Hauptstadt bleiben. Sie sollten ihr Büro aufgeben und auf das Gelände der internationalen Polizeitruppen - das sogenannte Green Village - ziehen. Der Diplomat kritisierte, mit der geplanten Reduzierung ihrer Präsenz mache sich die EU in Afghanistan "lächerlich".

Ein anderer westlicher Diplomat, der die Pläne der EU bestätigte, sagte der dpa, die Europäer sendeten "ein völlig falsches Signal" aus. Auch die Vereinten Nationen unterhielten in Kabul einen großen Mitarbeiterstab. Am kommenden Montag will die Internationale Gemeinschaft in Bonn über die Unterstützung Afghanistans nach dem geplanten Abzug der NATO-Kampftruppen Ende 2014 beraten.

Nach Einschätzung der Internationalen Schutztruppe ISAF und der deutschen Regierung hat sich die Sicherheitslage in Afghanistan verbessert. Der deutsche Verteidigungsminister Thomas de Maiziere (CDU) sprach am Montag von einer "vorsichtigen Trendwende". Die Vereinten Nationen hatten dagegen in den ersten acht Monaten des Jahres verglichen mit dem Vorjahreszeitraum eine Zunahme sicherheitsrelevanter Vorfälle um 39 Prozent festgestellt. (APA)

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