Anonymer Diplomat: EU-Vertretung solle aus Sicherheitsgründen in festungsartig gesichertes Gelände in Kabul umziehen
Kabul/Brüsserl - Die Europäische Union verkleinert
"vorübergehend" ihre Botschaft in der afghanischen Hauptstadt Kabul.
Eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton sagte am
Dienstag in Brüssel, wegen Bauarbeiten werde ein Teil der in Kabul
beschäftigten EU-Diplomaten zeitweilig abgezogen. Hingegen sagte ein
EU-Diplomat, der ungenannt bleiben wollte, der Nachrichtenagentur dpa
in Kabul, die EU-Vertretung solle aus Sicherheitsgründen verkleinert
werden und in ein festungsartig gesichertes Gelände in Kabul
umziehen.
"Es geht um eine vorübergehende Verlagerung", sagte
Ashton-Sprecherin Maja Kocijancic. "Wir haben nicht die Absicht, die
Zahl der Mitarbeiter in Kabul dauerhaft zu verringern." Die
"Verlagerung" habe mit Arbeiten "zur Verbesserung der Infrastruktur"
in der EU-Botschaft zu tun. Wie lange diese Arbeiten dauern sollten,
konnte sie nicht sagen.
Ein EU-Diplomat in Kabul, der anonym bleiben wollte, sagte jedoch
der dpa, von derzeit 60 Diplomaten sollten nur 14 in der afghanischen
Hauptstadt bleiben. Sie sollten ihr Büro aufgeben und auf das Gelände
der internationalen Polizeitruppen - das sogenannte Green Village -
ziehen. Der Diplomat kritisierte, mit der geplanten Reduzierung ihrer
Präsenz mache sich die EU in Afghanistan "lächerlich".
Ein anderer westlicher Diplomat, der die Pläne der EU bestätigte,
sagte der dpa, die Europäer sendeten "ein völlig falsches Signal"
aus. Auch die Vereinten Nationen unterhielten in Kabul einen großen
Mitarbeiterstab. Am kommenden Montag will die Internationale
Gemeinschaft in Bonn über die Unterstützung Afghanistans nach dem
geplanten Abzug der NATO-Kampftruppen Ende 2014 beraten.
Nach Einschätzung der Internationalen Schutztruppe ISAF und der
deutschen Regierung hat sich die Sicherheitslage in Afghanistan
verbessert. Der deutsche Verteidigungsminister Thomas de Maiziere
(CDU) sprach am Montag von einer "vorsichtigen Trendwende". Die
Vereinten Nationen hatten dagegen in den ersten acht Monaten des
Jahres verglichen mit dem Vorjahreszeitraum eine Zunahme
sicherheitsrelevanter Vorfälle um 39 Prozent festgestellt. (APA)