Referenzielle Gesten

Raben nutzen Objekte, um auf sich aufmerksam zu machen

30. November 2011, 12:22
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    foto: accipiter (r. altenkamp, berlin)

    Die Beobachtungen habe gezeigt, dass Raben ihre Schnäbel ähnlich wie Hände einsetzen, um Objekte wie zum Beispiel Moos, kleine Steine und Zweige hochzuhalten und einander zu zeigen.

Forscher beobachten bei den Vögeln ähnliches Verhalten wie bei Kindern - Verhaltensweisen dienen wahrscheinlich sozialen Zwecken

Wien - Raben und Kleinkinder haben etwas gemeinsam: Wenn es darum geht, die Aufmerksamkeit von anderen auf sich oder bestimmte Dinge in der Umgebung zu lenken, dann zeigen beide ähnliche Verhaltensweisen. Thomas Bugnyar vom Department für Kognitionsbiologie der Universität Wien und Simone Pika vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Pöcking (Bayern) fanden heraus, dass die Vögel ihren Artgenossen Dinge präsentieren, indem sie diese mit dem Schnabel vor ihnen hochhalten. Die Forscher publizierten ihre Studienergebnisse in der neuen Ausgabe der Fachzeitschrift "Nature Communications".

Ab einem Alter von etwa einem Jahr, beginnen Babys mit sogenannten referenziellen Gesten. Diese zielen darauf ab, Aufmerksamkeit von anderen Personen auf Dinge in ihrer unmittelbaren Umgebung zu lenken. Solche Handlungen gelten als Basis für die Ausbildung von Sprache und wurden bisher ausschließlich bei Primaten beobachtet. Beim Menschen ist das ein häufiges Verhalten, doch unsere nächsten Verwandten - die Schimpansen - deuten nur sehr selten auf Gegenstände oder halten sie vor Artgenossen in die Höhe. Und das, obwohl Primaten eigentlich über ein sehr breites Repertoire an Gesten verfügen.

Die Wissenschafter beobachteten sieben Raaben-Paare bei ihren Interaktionen in der freien Wildbahn. Dabei zeigten die Vögel derartige Verhaltensweisen durchaus häufig, wie die Forscher in der Studie darlegten. "Die Vögel nehmen Objekte aus ihrer unmittelbaren Umgebung, etwa einen Stein, ein Hölzchen oder einen Fichtenzapfen in den Schnabel, bauen sich damit vor Artgenossen auf und halten ihnen den Gegenstand vor den Schnabel", so Bugnyar in einer Aussendung der Uni Wien.

Soziale Kontaktaufnahme

Es scheint den Raben aber kein Anliegen zu sein, ihre Artgenossen auf ein hervorstechende Merkmale der Dinge, wie etwa hohe Qualität zum Nestbau hinzuweisen, da sie sich nicht von anderen Gegenständen in der unmittelbaren Nähe unterschieden. Über die Gründe für das unerwartete Verhalten haben die Wissenschafter eine andere Theorie. Für Pika und Bugnyar dürften die Handlungen vor allem soziale Hintergründe zu haben.

Es scheint den Tieren primär um die Interaktionen mit anderen zu gehen, da das Verhalten oftmals zur Hinwendung der Aufmerksamkeit von Artgenossen zum Objekt und somit auch zum präsentierenden Vogel führte - die Raben treten also dadurch vermehrt in Kontakt mit anderen Tieren oder vertiefen damit bestehende Beziehungen. "Herzeigen von Dingen könnte somit bei Raben und Kindern eine ähnliche Funktion haben. Allerdings beschränken sich die Vögel hierbei auf spielerische Interaktionen mit meist Gleichaltrigen", resümiert Bugnyar. (APA, red)

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18 Postings
Zinsenfeger
01
30.11.2011, 16:33
noch eine Beobachtung zu Krähen und Sozialverhalten

Der Komposthaufen im Garten, den besuchen sie gerne, logisch. Einmal gab es jedoch einen besonderen "Leckerbissen" für sie (normalerweise schauen wir schon darauf, dass bei uns die Lebensmittel nicht verderben, aber es ist halt einmal passiert...)

Was mich verblüfft hat, war das disziplinierte Verhalten der Vögel. Zwar kam gleich ein ganzer Schwarm angerauscht. Aber sie haben sich nicht etwa alle gleichzeitig draufgestürzt, sondern einer nach dem anderen geduldig darauf gewartet, das er an die Reihe kommt. Fast wie die Engländer beim Bus anstehen :) Nach gefühlten drei Minuten war das Schauspiel schon wieder vorbei: da ist nicht einmal ein Fuzzerl von dem Essen übrig geblieben.

g. simb
00
30.11.2011, 17:28

Gute Beobachtung! Das ganze hat natürlich mit sozialen Hierarchien zu tun. Und der ranghöchste hat dann das Recht zuerst ans Futter zu kommen bzw. die Kraft, das Futter gegen rangniedrigere zu verteidigen.

Der_Klingone
00
1.12.2011, 16:59

Gut möglich. Nur würde so ein hierarchisches Verhalten nicht auch eine gewisse "Rudel-/Herdenbildung" zur Vorraussetzung haben?

Und Krähen fallen ja normalerweise nicht unter die Gruppe von Tieren, welche Gruppen bilden.

Von daher ist es schon möglich, daß es sich hierbei auch um eine Art "soziales Bewusstsein" handelt.

Mynnia
00
30.11.2011, 14:53

"Beim Menschen ist das ein häufiges Verhalten, doch unsere nächsten Verwandten - die Schimpansen - deuten nur sehr selten auf Gegenstände oder halten sie vor Artgenossen in die Höhe."

Hmmm. Ich erinnere mich da an ein Schimpansenmännchen, welches ein Schimpansenweibchen anschaute und langsam ein Blatt zerriss. Dies war eine Aufforderung zur Paarung in der Gruppe (Hat da auch geklappt). Sagt natürlich nichts über die Frequenz solcher Dinge aus, zumal Schimpansen extrem statusorientiert sind, vielleicht verhindert das "Plaudern".

)+(
04
30.11.2011, 13:04

in der Tat intelligente Tiere. Auf den Weg zur Arbeit (zu Fuss) dachte ich, ein Scherzbold wirft mit den Kapseln von Überraschungseiern nach mir. Beim zweiten hingucken warens Walnüsse. OK, bißchen seltsam, wenn man in einer dichten urbanen Bebauung unterwegs ist, und sich noch dazu mitten am Schutzweg befindet. Der Übeltäter war zwar eine Krähe, hat aber rausgefunden, das Autos die Nußschalen, quasi im Vorbeifahren knacken, und am Zebrastreifen man nicht zusammengeführt wird, wenn man, zeitgleich, mit den Passanten über die Fahrbahn hopst ;-)

Zinsenfeger
01
30.11.2011, 16:25

Sah einmal zu, wie sich Krähen über den Inhalt eines öffentlichen Mistkübels hermachten. Der war ziemlich tief und die Abfälle lagen weit unten. Kein Problem: die Krah hat am Müllsack gezupft, der da eingespannt war, und so den Inhalt schön langsam nach oben gezogen. Bis sie ihn in Reichweite hatte und dann nach aller Ruhe nach den Essensresten suchen konnte.

Ganz schön clever, ich war baff.

Juses
00
30.11.2011, 12:09

die haben iphones

Juses
01
30.11.2011, 12:12

*smartphones

Nick Tameer
00
4.12.2011, 13:15

Die Szene ist zwar gestellt, demonstriertt aber, dass fragliche Verhalten, nicht etwa nur bei Kindern, sondern auch bei dem Anschein nach erwachsenen Menschen verbreitet ist:

http://www.youtube.com/watch?v=IAh-S78hJEs

wzl
21
30.11.2011, 10:53

Hunde erzeugen auch auf diese Art Aufmerksamkeit, wenn sie zB irgendein Spielzeug anschleppen.
Ein Unterschied zu Schimpansen in dem Zusammenhang ist übrigens folgender: wenn man mit dem Finger auf etwas zeigt schaut der Hund dorthin wohin man zeigt. Schimpansen hingegen erfassen offenbar den Symbolgehalt der Geste nicht und schauen nur auf den Finger. [Quelle: BBC Horizon, "The Secret Life of the Dog"; gibts auf youtube]

Darius Minor
01
30.11.2011, 16:17
Quand le sage montre la lune, le fou regarde le doigt,

heißt das Sprichwort bei den Franzosen. :-)

Mynnia
01
30.11.2011, 15:07

Menschen lernen von allen, auch nichtverwandten Autoritäten, sie haben da einen größeren Spielraum und komplexere Gesellschaften. (Sie lernen übrigens auch nicht von als rangnieder Empfundenen, sie holen höchstens über Hilfsmittel wie Empirik Informationen ein und geben Gnadengeschenke zur Machterhöhung, ähnlich wie Schimpansen - sieht man gut in autoritären Strukturen.)

Das erklärt, warum nicht alle Schimsen dem Fingerzeig im Experiment folgen - die oder der Zeigende wurde als nicht autoritär empfunden oder als nicht verwandt und das überwinden halt nicht alle Chimps. Die 60% zeigen mir, dass sie das durchaus kognitiv hinkriegen, aber aus irgendeinem Grund nicht wollen. (Abgesehen vom Unterschied Kind-Erwachsener bei allen Primaten)

Mynnia
00
30.11.2011, 15:01

Stimmt so nicht. Schimpansen können sehr wohl Fingerzeigen folgen. Da gabs ein Experiment mit Kindern, Orangs und (den "großen") Schimpansen, wo glaub ich 60% auf den Fingerzeig reagiert haben.

Dazu muss man bemerken:
Hunde sind durch Menschen gezüchtet und haben ihr Verhalten dem menschlichen angepasst. Die Frage ist - würde ein wilder Wolf auch Fingezeige verstehen?
Schimpansen sind nicht domestiziert, allerdings reagieren von Menschen aufgezogene Affen durchaus anders als Artgenossen. Da brauchts nicht mal Jahrtausende Zucht.

Schimpansen schauen sich aber Dinge von ranghöheren Individuen und vor allem älteren Verwandten ab. (to be cont.)

olafs eul
04
30.11.2011, 11:46
Am selben Nachmittag sprach jener Schimpanse zu seinem Kollegen

"Sixt die Bananen durt hinten? Durt und durt und durt? Die ghearn olle mia und waunst bled bist prack i da ahne! Und jetzt schau her do. Sixt den scheen Baam? Der gheart a mia! So jetzn drah di amoi um bittschen. Die Gstättn do hinten, des schenk i da olles weust mei Freind bist. Serwas!" ;)

Mynnia
00
30.11.2011, 15:08

*lach* So ungefähr.

Börek Obama
01
30.11.2011, 11:19

bei allen mir bisher bekannten hunden war es genau umgekehrt. die haben hööööchstens dahin gekuckt wo ich was hingeworfen haben aber sicher nicht in die richtung wo ich gezeigt hatte... blöde köter :)

Glitzerprinzessin
01
30.11.2011, 03:27

Das Verhalten kennt man auch von anderen Vögeln (Rolex, Porsche, Palast, ...).

Mynnia
00
30.11.2011, 15:11

Brauchst gar nicht in der Preisskala so weit nach oben schauen. Souvenirs und Kram werden ja nicht umsonst als "conversation piece" bezeichnet.

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