Dokumentationen einer schief liegenden Welt

29. November 2011, 17:23
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Zu den fünf thematischen Schwerpunkten des 5. Filmfestivals der Menschenrechte in Wien gehört u. a. der Arabische Frühling

Wien - Vom kolumbianischen Weideland bis ins tiefste Gumpendorf führt This Human World, das Filmfestival der Menschenrechte, vom 30. November bis zum 10. Dezember. Damit lädt es zum bereits vierten Mal zur Auseinandersetzung mit Themen wie dem Arabischen Frühling, Umweltschutz oder Genderpolitik in- und außerhalb des Kinosaals.

Die zum größten Teil erstmals in Österreich zur Aufführung kommenden Filmen, die in fünf Wiener Kinos zu sehen sein werden, sowie eine Vielzahl an Diskussionsrunden sind das logische Herzstück des Festivals. Im Schikaneder wird zudem eine allabendliche DJ-Nightline geboten, bis am 10. Dezember in einer Abschlussgala neben einem Publikums- und dem Jurypreis auch der österreichische Menschenrechts-preis vergeben wird. Der Gewinner steht hier mit Michael Genner und seinem Verein Asyl in Not bereits fest.

Für die heute, Mittwoch, im Gartenbaukino stattfindende Eröffnung geht es jedoch ins sonnige Kalifornien, an den Bombay Beach. Was so idyllisch klingt, ist es allerdings nur bedingt, wie Alma Har'el in ihrem Dokumentarfilm zeigt. Freiwillig verschlägt es an den künstlich geschaffenen Salton Sea eigentlich nur Fotografen auf der Suche nach besonders malerischen Bildern des Verfalls und den Teenager CeeJay, der hier der Gewalt von Los Angeles zu entkommen versucht.

Ausbeutung und Verteilung

Neben dem verliebten Schüler begleitete Har'el auch das Unikum Red Furgie und die Familie Parrish, die einst wegen privater Wehrsportübungen ins Gefängnis musste und nun darum kämpft, nicht von Fürsorgevereinen zerrissen zu werden. Immer wieder bindet die musikvideoerprobte Regisseurin ihre Protagonisten in Choreografien zur Musik von Beirut und Bob Dylan ein und verleiht ihrem so Film eine Leichtigkeit, die mitunter berührt, zugleich aber auch befremdet. Der Großteil des übrigen, in fünf Schwerpunkte unterteilten Programms ist konventioneller, jedoch keinesfalls schlechter.

In der umfangreichen Kategorie "This Human Fight For Resources" dienen die Ausbeutung und Verteilung von Ressourcen als Ausgangslage für die filmischen Erkundungen. So dokumentiert Risteard Ó Domhnaills The Pipe nicht nur den Kampf einer irischen Gemeinde gegen eine geplante Pipeline, sondern zugleich auch die damit verbundenen Spannungen innerhalb des gallischen Dorfes. Ganz anders Gasland von Josh Fox, der mit seinem Banjo durch die USA reist, um die verheerenden Auswirkungen der Erdgasgewinnung zu dokumentieren. Mit Icíar Bollaíns Drama Even The Rain findet sich hier auch ein spanischer Kassenschlager. Darin gerät ein Filmteam, das in Bolivien die Eroberung Amerikas verfilmen möchte, wider Willen in die Kämpfe der armen Bevölkerung gegen die Privatisierung der Wasserversorgung.

Der Schwerpunkt "This Human Riot And Revolution" behandelt Proteste in Nordafrika, Frankreich und Griechenland. So etwa Tahrir 2011 von Amr Salama, Tamer Ezzat und Ayten Amin, die sich in drei Kapiteln mit den Demonstranten, den Polizisten und dem Diktator von Kairo auseinandersetzen. Dabei wird auch die Frage geklärt, was Diktaturen mit Haarkolorationen zu tun haben.

Der Jugend widmet sich der Block "This Human Future", unter anderem mit dem ungemein packenden Drama Brother von Marcel Rasquin über den Lebenskampf zweier fußballbegeisterter Jugendlicher in Caracas.

Fragen zur Körperidentität und Sexualität bilden das Segment "This Human Body", darunter mit Sobo Swobodniks Der Papst ist kein Jeansboy ein Porträt des großen Wiener Unglücklichen, Hermes Phettberg.

Die Kategorie "This Human Right" bietet schließlich allen übrigen Filmen Obdach, etwa auch dem Dokumentarfilm mit dem selbsterklärenden Titel War On Terror von Sebastian J.F., der im Rahmen des "This Human World"-Festivals seine Weltpremiere erlebt. (Dorian Waller, DER STANDARD/Printausgabe 30. November 2011)

  • In "Tahrir" (2011) setzen sich die Regisseure Amr Salama, Tamer Ezzat und Ayten Amin in jeweiligen Kapiteln mit den Demonstranten, Polizisten und dem Ex-Diktator in Kairo auseinander.
    this human world

    In "Tahrir" (2011) setzen sich die Regisseure Amr Salama, Tamer Ezzat und Ayten Amin in jeweiligen Kapiteln mit den Demonstranten, Polizisten und dem Ex-Diktator in Kairo auseinander.

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