Fachleute beurteilen Staustufen-Projekt negativ

29. November 2011 14:59

Energie Steiermark konterte mit positiver Beurteilung durch die Joanneum Research

Graz - Eine Beurteilung von Fachbeamten des Landes stellt dem geplanten Murkraftwerk von Verbund und Energie Steiermark AG in Graz-Puntigam kein gutes Zeugnis aus. Das rund 80 Millionen Euro teure Projekt gefährde die Qualität des Grundwassers für die Stadt Graz, für private Brunnenbesitzer und das Umland durch die Anhebung des Wasserpegels aufgrund der Staustufe, wie der "Standard" berichtete. Die Energie Steiermark konterte umgehend mit einer positiven Beurteilung durch die Joanneum Research. Grüne, KPÖ und Umweltschützer sahen sich in ihrer Kritik am Projekt bestätigt.

"Negativ beurteilt"

In der von fünf Experten der Fachabteilung 19A (Wasserwirtschaft) erstellten Stellungnahme zum UVP-Genehmigungsverfahren wird das Projekt Murkraftwerk "negativ beurteilt". Die Aufstauung der Mur bis zur Grazer Stadtmitte könnte das Grundwasser durch die Anhebung des Wasserpegels gefährden. Durch die Anhebung des Wasserpegels käme der Austausch zwischen Oberflächen- und Grundwasser durcheinander. Gefährlich könnten sich laut der Zeitung auch - darauf hatten schon Umweltschützer hingewiesen - die Höhenschwankungen des Grundwassers auswirken: Im Grazer Raum befänden sich etliche alte Mülldeponien im Erdreich. Bei der Fachabteilung erklärte man, dass man aufgrund der Europäischen Wasserrahmen-Richtlinie zu prüfen habe. Aufgrund der damals (Anfang Juli 2011) vorliegenden Unterlagen sei eine positive Beurteilung nicht möglich gewesen.

Energie Steiermark AG: "Trinkwasser nicht gefährdet"

Bei der Energie Steiermark AG sah man die Angelegenheit am Dienstag konträr: "Eine Gefährdung des Grazer Trinkwassers durch das Projekt Murkraftwerk Graz ist auszuschließen". Dies ergebe eine Projektbeurteilung, die von der Forschungsgesellschaft Joanneum Research vorgenommen wurde. Demnach sei "mit keinen nachteiligen Veränderungen der Quantität und Qualität des Grundwasserkörpers zu rechnen". Es gebe auch kein Abweichen vom "derzeitigen guten Zustand des Grundwassers", hieß es. "Bei der Stellungnahme der Kollegen aus dem Bereich Wasserwirtschaft vom 30. August wurden einige Punkte übersehen bzw. standen möglicherweise nicht alle Unterlagen zur Verfügung, die für die fachliche Beurteilung des Projektes jedoch von größter Bedeutung sind", so ein JR-Fachmann.

Die Grazer Gemeinderätin Andrea Pavlovec-Meixner bezweifelte, dass die Mur-Staustufe Graz noch genehmigungsfähig sei. "Das verfahrensgegenständliche Projekt wird daher hinsichtlich des Fachbereichs Gewässerökologie im Sinne des Verschlechterungsverbotes negativ beurteilt", zitierte Meixner aus der Stellungnahme der Fachabteilung.

Die Grazer KPÖ-Stadträtin Elke Kahr erklärte, für Graz müsse der Schutz des Grundwassers Vorrang haben vor den Interessen der Energiekonzerne. Der bevorstehende Rücktritt von Oswin Kois gebe einer neuen Spitze der Energie Steiermark die Möglichkeit, das Projekt ohne Gesichtsverlust zu stoppen. Der WWF schloss sich der Forderung der Plattform "Rettet die Mur" nach einem Planungsstopp an. Standort und Planung müssten völlig neu überdacht werden. (APA)

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18 Postings
Marlon62
02.12.2011 07:51
Energie Steiermark konterte mit positiver Beurteilung durch die Joanneum Research

Wer hat für die Erstellung dieses Gutachtens bezahlt?

entering the 21th century
04.12.2011 01:14
Lieber marlon

Tolle posts so hintenrum! Wenn dann sollte man sich schon traun seine unkontrollierten aussagen offen sichtbar zu posten!
Ich bin empört und fordere hier mehr gesprächskultur!

nix fir unguad
29.11.2011 23:00
Hoffentlich respektiert der LH auch dieses Gutachten

Er könnte ja auch einfach darüber fahren so wie viele Landeshauptläute machen oder drohen (Plattner).
Das letzte Beispiel eines solchen Aktes war ja die Genehmigung eines Windparks am Brenner. Aber das war ja in Italien und wir können denen leider nicht sagen was die zu tun haben. Vielleicht könnte es aber einen Weg über die EU geben um dies Schandtat vom Dürnwalder vom Tisch zu wischen.

entering the 21th century
29.11.2011 22:21
Greenwashing beenden! - Gaskraftwerk 10 km entfernt!

Info:
2011 wird vom VERBUND (Projektpartner) das Gas-Dampf Kraftwerk Mellach II NUR 17km südlich von Graz in Betrieb genommen werden.
Dieses Kraftwerk produziert Strom für 2 Steiermärkte, 2 MIO TONNEN CO2 und hat die annähernd 100 fache Leistung der Staustufe Puntigam. Dieses soll darüber hinaus ohne Abwärmenutzung (Abwärmemenge = Summe aller VERBUND Wsserkraftwerke in der Stmk.!!) zu 2/3 Strom FÜR DEN EXPORT produzieren.

Man kann diesem Verbund einfach nicht sein GRÜNES ENGAGEMENT das in Zuge dieses Projektes auch immer wieder vertreten wird glauben!
Man nennt sowas Greenwashing (für Aktionäre., die ordentliche Gas-Renditen ausbezahlet bekommen werden).

ICH BIN EMPÖRT UND FORDERE NUN ENDLICH EIN EINDEUTIGES NEIN zur Murstaustufe

Ghettoblaster
30.11.2011 04:31
Wie jetzt? Kein Gas-Dampf Kraftwerk und kein Wasserkraftwerk?

Soll gar kein Strom mehr produziert werden? Bitte um Klärung.

Es muss ihnen schon klar sein, irgendwie muss das Klump in die Steckdose. Bei ihrer Schizophrenie, wäre es besser mal ihnen den Strom abzudrehen, um Strom zu sparen.

entering the 21th century
01.12.2011 15:41
Ich spreche von Greenwashing! Jetzt auch von Transparenz und Aternativen.

Ich will hier kein schon gebautes Gaskraftwerk vom netz nehmen sondern alle Diskutanten auf diese DOPPELGLEISIGKEIT der Energiekonzerne hinweisen!

Nach außen gibt's nur neue Wasserkraftwerke (man kennt diverse Plakate mit Wasser 8 en!) und die "Kohle" für aktionäre wird mit Gaskraftwerken gemacht, mit Strom deins Ausland verkauft wird.

Soweit nachvollziehbar?!

Ich fordere Transparenz und gute informationspolitik!!

UND alternative Lösungsansätze:
- auf der Ebene bestehender Realitäten:
z.B. Die Abwärmenutzung von Mellach II

und auf der Ebene kommender Realitäten:

- energiebewusstsein aller Akteure (Bürger)
- das selbe Geld was Man für die Staustufe in die Hand genommen hätte für alternative demokratischere Energiesysteme!!

artful Dodger
30.11.2011 07:56

natürlich soll strom produziert werden, aber doch bitte nicht dort wo der/die vorposterin lebt!

typischer fall von NIMBY...

jahcity
03.12.2011 17:54
Ich und 100.000ende

Steirer würden sicher gerne eigene Energie zu Hause produzieren. Mit Tiefenbohrung, Solarthermie, Kleinwindrädern, Fotovoltaik usw. Das Geld was diese ganzen unnötigen Wasserkraftwerke kosten den BürgerInnen geben und sich unabhängiger von diesen Energiezombies machen.

F.S.K
29.11.2011 20:14
da haben wohl einige angst,

dass windräder und sonstige unwirtschaftliche dinge nicht mehr so gefördert werden, wenn mit dem wasserkraftwerk eh genug strom produziert wird.

Energyman
29.11.2011 18:07
Wesentlicher Unterschied

Das Gutachten der Abteilung Wasserwirtschaft wurde im Rahmen der normalen Tätigkeit ausgearbeitet, d.h. ohne Einfluss des Projektbetreibers oder der Gegner. Das Gutachten von Joanneum Research in ein Auftragsgutachten für Estag/Verbund im Rahmen der eigenen Umweltverträglichkeitserklärung. Die Aussagekraft des Gutachtens der Wasserwirtschaftsabteilung ist daher wesentlich höher einzustufen.
Übrigens: Im energiewirtschaftlichen und ökonomischen Bereich sieht dieses Projekt noch schlechter aus.

werauchimmer1
 
29.11.2011 16:02

na wenn sie eine zerstörte innerstädtische freie fließstrecke - inzwischen was äußerst seltenes - als "ideologische grundlage" sehen bitte.

die meinung der fachabteilung des landes ist abgeshen davon nicht einfach nur ein "gegengutachten", da liegt institutionell ein bissl mehr gewicht dahinter - egal ob man das gut findet oder nicht (btw. in diesem fall find ichs gut, weil ich gegen die staustufe bin).

F.S.K
29.11.2011 20:10

dort arbeiten genauso bestechliche menschen mit privaten interessen

werauchimmer1
 
30.11.2011 10:56

natürlich, auch wenn ich trotz aller negativerfahrungen der letzten zeit NICHT davon ausgehe, dass jeder beamte bestechlich ist.

aber sie haben einen wesentlichen teil meines satzes ignoriert: "mehr institutionelles gewicht"
ganz egal wie gut oder schlecht die leute sind, die dort sitzen, für ein projekt, dass die genehmigung vom land braucht ist die einschätzung der landeseigenen fachabteilung von größerer bedeutung als ein externes gutachten.

Sun Zi der II
29.11.2011 15:39
..mhm....

....was wackelt da jetzt? Die üblichen Verdächtigen (KPÖ, NGO, Wasserwirtschaftler und Grüne) haben ein Gutachten dagegen, die andern üblichen Verdächtigen (E-Steiermark) eines dafür.....was darf man jetzt glauben? Wahrscheinlich gar nichts....natürlich wird das Kraftwerk da GW beeinflussen die Frage ist nur STEHT das Kraftwerk dafür? Die Frage ist in Zeiten von Energieknappheit und Ressourcenschonug ziemlich einfach beantwortet, der Widerstand gründet sich wieder mal auf ideologischen Grundlagen.

galiontariaho
30.11.2011 09:55
hmm.

eigentlich gibts ein unabhängiges gutachten von 5 experten die auch teil der uvp sind die ein negatives urteil fällen und ein auftragsgutachten mit einem positiven..

worauf gründet sich ihre zustimmung?

Para Dox
29.11.2011 16:22
Lesen!

Das ist kein Gutachten der Grünen, NGOs, ... ,sondern eine Beurteilung durch Landesbeamte des Landes Steiermark.

chi
 
29.11.2011 22:20

grundsätzlich gebe ich ihnen recht. allerdings sollte man nicht vergessen dass es auch bei offiziellen stellen mitunter eine beeinflussung durch die privathaltung gibt. auch im mitarbeiterstab der landesregierung wird politik gemacht (nicht nur von den politikern des landes). zudem ist eine zum teil extrem vorsichtige beurteilung usus geworden. das pendel schlägt von einer zur anderen seite.

galiontariaho
30.11.2011 09:55
hmm.

die steirische landesregierung ist klar positiv dem kraftwerk gegenüber eingestellt, also auch hier drängt sich gerade die unabhängigkeit der fachleute auf.

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