Hochschulplan

Unis sollen Anzahl von Studienplätzen selbst festlegen können

29. November 2011, 14:29

Vorläufiger Entwurf sieht "kapazitätsorientierte Finanzierung" vor - Zugangsbeschränkungen möglich - SPÖ ist über Alleingang verärgert

Wien - Künftig soll jede Uni in ihren Leistungsvereinbarungen mit dem Wissenschaftsministerium festlegen, wie viele Studenten sie in den einzelnen Fächergruppen minimal bzw. maximal ausbilden kann. Gibt es mehr Interessenten, "so muss den Universitäten die Möglichkeit von Zugangsregelungen eingeräumt werden". Das sieht ein erster Entwurf des Hochschulplans vor. Die Endfassung soll laut einem internen Dokument bis 16. Dezember fertig sein, im Ministerium betonte man , dass die Eckpunkte bis Jahresende vorliegen sollen. Ein Zwischenstand der Arbeit wurde nun von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) im Ministerrat präsentiert.

In dem für die "interne Verwendung" vorgesehenen Entwurf des Hochschulplans fehlen noch verschiedene Punkte, er umfasst aber bereits leitende Grundsätze für die einzelnen Hochschulsektoren, Teile eines Bauleitplans für die Universitäten, Anleitungen zu einer stärkeren Koordination der Hochschulen, Details zur Einrichtung einer Hochschulkonferenz und "Prämissen und Grundlagen" für eine "kapazitätsorientierte Universitätsfinanzierung".

Studien werden Gruppen zugeteilt

Das Papier sieht schon in der nächsten Leistungsvereinbarungsperiode (2013-2015) den Einsatz der angekündigten Studienplatzfinanzierung vor. Eine Arbeitsgruppe aus Ministerium und Universitätenkonferenz (uniko) hat dafür ein Modell - inklusive einer Abschätzung der tatsächlichen Kapazitäten und der zu erwartenden Mehrkosten - ausgearbeitet, das sich nun im Entwurf findet. Es sieht vor, dass alle Uni-Studien einer von sieben Gruppen zugeteilt und Normkosten für diese definiert werden. Allerdings werden derzeit laut dem Entwurf noch vertiefende Modellberechnungen durchgeführt und dementsprechend auch noch keine Zahlen genannt.

Studenten sollen ausgewählt werden

Basis der Studienplatzfinanzierung soll die Zahl der prüfungsaktiven Studenten (mindestens acht positive Semesterstunden) sein, die Normkosten sollen sich an den derzeitigen Kostenanalysen von Studien mit zufriedenstellenden Betreuungsrelationen richten. Im Hochschulplan selbst soll es "keine Aussagen zu Mengengerüsten geben", wird in den Papier betont. Gibt es mehr Interessenten für ein Fach als Plätze, sollen die Unis die Studenten auswählen können. Wer keinen Platz bekommt, dem sollen die Unis "soweit möglich einen Studienplatz in einem ähnlichen Fachgebiet anbieten". Für den Fall, dass finanzierte Studienplätze unbesetzt bleiben bzw. es in einzelnen Fächern unerwartet viele Studienanfänger gibt, soll es weniger bzw. mehr Geld für die Unis geben.

Budget wird in Säulen geteilt

Die Leistungsvereinbarungen sollen künftig für Ministerium wie Unis verbindlicher werden, im Hochschulplan ist etwa eine "stärkere Verknüpfung von Leistung und Gegenleistung" vorgesehen. Der Entwurf sieht außerdem vor, dass das Budget in die Säulen Lehre, Forschung und Infrastruktur unterteilt wird - wobei die Unis wie bisher über den Einsatz der Mittel selbst verfügen können sollen.

Übergangszeiten bis 2019/2021

Damit "keine Universität wegen des neuen Finanzierungsmodells in existenzielle wirtschaftliche Schwierigkeiten gerät", soll es laut dem Papier Übergangszeiten und -regelungen für die neue Uni-Finanzierung bis zur Leistungsvereinbarungsperiode für die Jahre 2019 bis 2021 geben. Um für das Ministerium in Zeiten einer Budgetkonsolidierung einen "nicht verkraftbaren Ausgabensprung zu vermeiden", wäre ein mehrjähriges, aber verbindliches Ausbauprogramm vorstellbar. Immerhin würden alle bisher angestellten Modellrechnungen höhere Kosten ausweisen.

Streichung von Studien als "ultima ratio"

In das wiederholt kritisierte Überangebot an Unis und Fächern will das Ministerium laut Hochschulplan nicht eingreifen: Eine von oben verordnete Streichung von Fächern oder Standorten - vulgo "Standortbereinigung" - soll es nur als "ultima ratio" geben. Vorerst soll nach dem bottom-up-Prinzip von Unis wie Fachhochschulen selbst Mehrfachangebote geprüft und ein Abgleich von Fächern und Disziplinen bzw. Kooperationen angedacht werden.

Der Hochschulplan versteht sich "weder als ein dirigistisches Planungswerk, das Forschungs- und Lehrbereich festlegt noch als einmaliges und starres Strategiedokument". Es handle sich um "keine top-down-Planung", sondern um ein "lebendes Strategiedokument", das durch Instrumente wie die Leistungsvereinbarungen oder den Fachhochschul-Entwicklungs- und -Finanzierungsplan "mit mehr Leben befüllt" werden soll.

SPÖ ist verärgert

Die SPÖ hat auf die mangelnde Einbindung durch den Koalitionspartner ÖVP bei den Arbeiten am Hochschulplan verärgert reagiert. "Ich erwarte mir, dass umgehend Gespräche aufgenommen werden und der Koalitionspartner, den man ja bekanntlich für eine Mehrheitsfindung im Parlament braucht, informiert wird", so Andrea Kuntzl. Sie betonte, dass sie ersten Entwurf des Hochschulplanes nicht kenne. "Mit uns wurde darüber auch noch nicht gesprochen", kritisierte sie.

Kuntzl: "Das kann nicht ernst gemeint sein"

Dass laut Entwurf eine Festlegung der Zahl der Studienplätze "im Rahmen der Leistungsvereinbarungen" vorgesehen ist, kann aus Kuntzls Sicht nicht ernst gemeint sein. "Das sind keine privaten Unternehmen, sondern Institutionen, die aus öffentlichen Mitteln finanziert sind. Es gibt ein öffentliches Interesse daran, dass möglichst viele Menschen eine gute Ausbildung bekommen in Österreich. Es wäre ein aus unserer Sicht überschießendes Verständnis von Autonomie, die Festlegung den Universitäten alleine zu überlassen."

Dieser Ansatz stehe auch im Gegensatz zu einem Mengengerüst, dass auch laut SPÖ mit der Einführung einer Studienplatzfinanzierung nötig würde. "Ein Mengengerüst bedeutet, dass sehr wohl die Bundesregierung oder das Parlament mitredet. Und das bedeutet, dass es flexible Lösungen braucht."

Die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) spricht sich in einer Aussendung gegen den Vorschlag Töchterles aus. Zugangsbeschränkungen würden "sozial selektiv" wirken und die "Türen zu den Hochschulen versperren". Dies würde sich auch auf die Zahl der Jugendarbeitslosigket auswirken, heißt es. (APA)

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Posting 1 bis 25 von 106
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Hillsmith
01
30.11.2011, 22:44
Hoppala

Dahin läuft also der Hase - sowas, die haben einfach die Studiengebühren eingeführt und uns gar nichts gesagt... Grundsätzlich täte mehr Kostenbewusstsein und Planung nicht schaden. Die Debatte wird aber immer noch von KastldenkerInnen dominiert, die zum Lernen offenbar viele Gebäude, Einrichtungsgegenstände und OberlehrerInnen brauchen. Im Zeitalter der Informatik gäbe es so viele Möglichkeiten, den Zugang zu qualitätvoller Bildung kostengünstig zu verbreitern ("Breitband") - mit mehr selbst Lernen und interaktiven Foren, zum Beispiel. Alles eine Frage der Organisation - "Uni brennt" hat schon so schön vorgezeigt, was alles möglich ist.

Garfield2
32
30.11.2011, 13:15
Ich finde den Vorschlag gut, weil er realistisch ist

Der total freie Hochschulzugang ist zwar romantisch und lieb, dafuer aber realitätsfern, weil dazu einfach das Geld fehlt, bzw es der Staat nicht hergeben will, weil er lieber in Frühpensionen, Bauern und ÖBB "investiert".

Ausserdem sind Zugangsbeschränkungen international ganz normal und sozial gerecht, weil nicht der mit mehr Geld genommen wird, sondern der o. die, die besser ist.

Zusaetzlich wird es nicht zu weniger Absolventen kommen, sondern zu mehr. Es gibt jetzt schon Abbruchquoten von rund 50%, die sich mit Aufnahmeverfahren locker auf <10% drücken lassen, weil die Studenten meistens bessere Bedingungen vorfinden und gleichzeitig besser und motiverter sind und sich nicht gegenseitig Plätze wegnehmen, nur um dann erst abzubrechen!

Günther P.
00
1.12.2011, 11:04

Ich verstehe leider wirklich nicht warum Ihr Posting 3 "Rote Stricherl" erhalten hat. Die Leser hier sind wohl alle ein wenig verblendet.

Zugangsbeschränkungen sind längst überfällig, das weiß jeder der mal in einer BWL VO war.

Mary F.
01
1.12.2011, 11:12
Klar sind sie ueberfaellig!

Man kann den Universitaeten einfach nicht zumuten, dass sie jeden nehmen muessen, ohne jeglicher Unterstuetzung vonseiten der Politik. Man verlangt von ihnen weltklasse Forschung und Lehre, will ihnen aber kein Geld geben. FHs duerfen sich ihre Studenten aussuchen - da schreit eigenartigerweise keiner - und Unis muessen alle nehmen, die die Aufnahmepruefung fuer die FH nicht geschafft haben, oder zu schlecht fuer den Numerus Clausus in Deutschland waren.

Studiengebuehren sind auch verpoent, weil dann das arme Arbeiterkind nichtmehr studieren kann - obwohl die eh Stipendien kriegen und ich keinen kenne, der ersnthaft studieren wollte und wegen der Studiengebuehren noch vor einigen Jahren zu studieren aufhoeren musste.

toFo
10
30.11.2011, 12:43
schon besser

Also ich als eher links-liberale Studentin finde das einen besseren Vorschlag als jene die man in den letzten Jahren so gehört hat. Hört sich sehr realitätsnah an und ist nicht so hinten-herum wie die Steop. Nur bitte dann die Steop wieder abschaffen!

.........1
00
30.11.2011, 11:06
Sag beim Abschied leise Servus

Die Politik will sich hier leise verabschieden, wie von allen Themen, die unangenehm sind bzw für unsere Politiker zu schwierig

reservenick23874
00
30.11.2011, 10:39

Ich habs satt, wird sich eh erst in 25 jahren was tun, wenn wiedermal einer an die macht kommt, der auch die eier hat was zu tun.

The Chaos Path
12
30.11.2011, 08:50
Das sind keine privaten Unternehmen, sondern Institutionen, die aus öffentlichen Mitteln finanziert sind.

nein, eben nicht. die öffentliche hand weigert sich, die unis anständig finaziell auszurüsten, ansonsten würde es diese diskussion gar nicht geben. kuntzl soll mal in der wirklichkeit ankommen - jetzt darf sie die konsequenz desse bestaunen, was u.a. ihre partei den letzten jahrzehnte verabsäumt hat.

Marcius
195
30.11.2011, 00:33
Universitäre Ausbildung für jeden?

Nicht jeder Mensch hat das Recht auf einer Uni zu studieren,denn universitäre Ausbildung ist keine Grundbildung die vom Staat für jeden geleistet werden soll! Man kann von keinem Steuerzahler verlangen, Ihm die Ausbildung zu finanzieren! Es wird Zeit für die Ausbildung etwas zu leisten und nicht nur zu fordern! Ich will für mein Stuidum einen Beitrag leisten!

kleiner Schelm
00
30.11.2011, 11:17

Natürlich hat jeder das Recht.
Musst machen:
1) Matura
2) Einschreiben
3) Hingehen
Das kann, darf - ja soll! - jeder.
Teuer für den Staat sind die, die an (1) - (3) scheitern und es sich danach in der sozialen Hängematte bequem machen und/oder als Geringverdiener keine Steuern zahlen.

es sei bemerkt
02
30.11.2011, 09:50

natürlich hat man das recht. das studienplätze entsprechend von kapazitäten verteilt und begrenzt werden, beschneidet dieses recht auch nicht.

metalwoman
12
30.11.2011, 09:38

"Nicht jeder Mensch hat das Recht, auf einer Uni zu studieren."
Wer hat jetzt dieses Recht und wer nicht? Der es sich leisten kann? Der dank teurem Vorbereitungskurs durch die K.o Prüfung kommt?
Vielen Dank, wenns danach ging müsste ich jetzt heimgehn und könnte beim Kochen und Putzen meinem zerbrochenen Traum von einem gut bezahlten Diplomingenieursjob nachhängen, mit dessen Steuern ich dem Staat seine Investition in mich mehrfach zurückbezahlt hätte.

Chemist88
00
3.12.2011, 11:56
"Wer hat jetzt dieses Recht und wer nicht?"

Eine Universität sollte ein gewisses Niveau haben, und das sollte definitiv so hoch sein, dass nicht jeder Mensch geistig/körperlich/... fähig ist, dem nachzukommen. Es tut mir leid Ihnen das sagen zu müssen, aber nicht jeder Mensch ist für jedes Studium geeignet.

debian1
00
30.11.2011, 11:08

Gut bezahlt ist leider relativ... Relativ gut im Vergleich zu einer Putzfrau, relativ bescheiden verglichen mit der Leistung. Mit den Einkommen der leistungsträgeren Individuen unserer Gesellschaft kann man als Techniker nicht konkurrieren.

Got Your Nose!
00
30.11.2011, 12:21

"leistungsträge" kannte ich noch nciht, gefällt mir :)

fizcaraldo
00
30.11.2011, 09:31

Warum zahlen wir dann so viele Steuern? Selbst die USA investiert trotz Studiengebühren und deutlich niedrigeren Steuern mehr Geld in die Unis als wir das tun.

kleiner Schelm
00
30.11.2011, 11:20

Oh, mit dem Vergleich wäre ich vorsichtig.
In den USA zahlt man auch nicht *so* wenig Steuern wie man hier denkt. Und die Unis sind nicht so toll finanziert ... es gibt viele Colleges (=FHs) wo gerade eine Grundlehre bis Bachelor für die ganz breite Masse geboten wird. Gute Unis (Berkeley, u.a.) gibt es nur für ganz ganz gute -- meist sind da heute Chinesen.

mirf
00
30.11.2011, 16:56

Auch sie sollten mit so manchen Vergleichen vorsichtiger umgehen:
"Gute Unis (Berkeley, u.a.) gibt es nur für ganz ganz gute -- meist sind da heute Chinesen."
In San Francisco sind etwa 1/3 aller Einwohner aisiatischen Ursprunges, und in der Bay Area etwa 1/4. Wenn wir solche verhältnisse hätten wären also an unsere demnach "meist Deutsche". Kommt ihnen die Situation bekannt vor?
Davon abgesehen ist bei Berekely zusätzlich anzumerken, dass es sich um eine staatlich finanzierte Uni handelt, die einfach weiß wie man durch Werbeeinkünfte zusätzlich Geld rein bekommt. Ein Punkt dem sich die österreichischen Unis mMn viel zu sehr verschließen.

kleiner Schelm
00
4.12.2011, 11:27

Zwar sind nur bis zu 1/3 Einwohner Asiaten, aber an den Unis findet man weitaus mehr -- weil es einfach ganz fleißige Kerle (und auch Frauen) sind. Ich sage das anerkennend. Wir sollten eher auch hier mal über unsere eigenen Einstellungen zu Arbeit nachdenken.

qwertztt
11
30.11.2011, 09:16

Keiner hindert Sie am spenden....

The Chaos Path
00
30.11.2011, 08:47

wofür zahlt man in österrreich noch mal 80% steuern (einkommen, mehrwert.... alle zusammen halt)???

=8-/
13
30.11.2011, 07:28

Danke! Sie dürfen gerne 10000,- / Jahr an ihr Uni überwiesen. Das Konto lautet...

Shadowhunter
03
30.11.2011, 07:11

Den Beitrag leisten Sie ohnehin nach dem Studium.

Cote 304
33
30.11.2011, 08:38

Aber nur wenn Sie etwas studieren, was Sie am Arbeitsmarkt auch verwerten können.

Geoffrey of Monmouth
04
30.11.2011, 11:22

Man kann jedes Studium am Arbeitsmarkt verwerten, der Unsinn von unbrauchbaren Studienrichtungen für den Arbeitesmarkt ist ein Gerücht, mit dem das Sparen an Unis legitimiert werden soll. Man muss halt auch kreativ sein und sich für Jobs bewerben, die auf den ersten Blick nicht wirklich was mit dem Abschluss zu tun haben. So bin ich zu meiner Stelle gekommen, und ich habe nach dem Uniabschluss ganze zwei Monate suchen müssen und mir dann das beste von drei Angeboten ausgewählt.

Als Absolvent eines sogenannten "Orchideenstudiums", wie es ja von vielen Ignoranten gern genannt wird, verdiene ich meiner Erfahrung nach mehr als 75 % der Technik- oder Wirtschaftsabsolventen.

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