Waldbrand-Warnsystem soll im Frühjahr online gehen

29. November 2011, 13:32
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BOKU und ZAMG arbeiten an Frühwarnsystem - Bisher 17 Brände allein im November - Situation bleibt weiter angespannt

Waldbrände im Herbst waren bisher in Österreich bisher die Ausnahme. Doch im extrem trockenen November registrierte die Universität für Bodenkultur (Boku) Wien 17 Brände. Das ist mehr, als in den vergangenen vier Jahren für diesen Monat zusammengenommen. In Zusammenarbeit mit der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) nimmt die Boku nun die Implementierung eines alpinweiten Warnsystems für Waldbrände in Angriff, das im Frühjahr auf der Homepage der ZAMG online gehen soll. Die Vorwarnungen werden öffentlich zugänglich sein, wie es in einer Aussendung der Boku am Dienstag heißt.

In dem Warnsystems soll das aktuelle Wettergeschehen, die vorhandene Vegetation und sozioökonomische Faktoren für die Vorhersage von Waldbränden berücksichtigt werden. Als Hauptaufgabe gelte die Bereitstellung einer Entscheidungshilfe für die Behörden und Feuerwehren zur besseren Abschätzung des Risikos.

Laut der mehrere Jahrzehnte umfassenden Datensammlung, die die Boku im Rahmen einer durch den Wissenschaftsfonds FWF finanzierten Forschungsinitiative angelegt hat, liegt der Waldbrand-Schwerpunkt in Österreich normalerweise im Frühjahr und Sommer. Die aktuelle Rekordtrockenheit lässt die Zahl der Feuer aber in die Höhe schnellen. Da erst gegen Ende der nächsten Woche die nächsten Regen- und Schneefälle erwartet werden, wird bis dahin die akute Waldbrandgefahr voraussichtlich aufrecht bleiben, betonen die Boku-Forscher.

Besonders in Lagen über 1.000 Meter, also über der Nebelgrenze, sind Bodenvegetation und Laub ausgedörrt. Hier können Brände sehr leicht - etwa durch Glutreste einer Zigarette - ausgelöst werden. Die Trockenperioden im Frühjahr und jetzt im Herbst würden eine bedeutende Rolle dabei spielten, dass 2011 mit mehr als 190 Bränden bisher das waldbrandreichste Jahr seit 2007 war.

Im Vergleich mit anderen Ländern im alpinen Raum habe sich gezeigt, dass in den vergangenen Jahren vor allem an der Alpensüdseite eine deutliche Zunahme von Bränden zu beobachten war. Die etwa 2.000 Ereignisse umfassende Datenreihe zeige, dass vor allem Teile von Kärnten und Tirol sowie die südlichen Regionen von Niederösterreich vergleichsweise häufig betroffen sind. In den meisten Fällen liege die Brandursache im menschlichen Verhalten. Im Sommer spielen auch durch Blitzschläge ausgelöste Feuer eine Rolle.

Heimische Wälder waren bisher keine waldbrandgefährdeten Ökosysteme. Mit der laufenden Klimaerwärmung sei aber anzunehmen, dass Trockenperioden und damit auch Waldbrände in Österreich häufiger werden. Aufgrund der guten Infrastruktur und dem dichten Netz an Freiwilligen Feuerwehren würden Waldbrände in Österreich selten große Ausmaße annehmen und eine Fläche von mehr als einem Hektar vernichten, heißt es seitens der Boku. (APA)

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