Blaue Flecken werden im Osten größer

29. November 2011, 13:16
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Die wirtschaftliche Erholung in Mittel- und Osteuropa wird laut WIIW schwächer, größte Gefahr ist die Eurozone

Wien - Die wirtschaftliche Erholung in Mittel- und Osteuropa werde schwächer, wobei "die blauen Flecken größer werden", erklärte WIIW-Experte Peter Havlik bei der Präsentation der neuen Prognose für die Region, die im Vergleich zum Frühjahr gesenkt wurde. Die Risiken für die Region seien gestiegen, das größte sei die Ansteckung seitens der Eurozone, sagte Havlik.

Von der Exportwirtschaft erwartet das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) mittelfristig keine großen Impulse, deshalb komme nur die Inlandsnachfrage und Investitionen infrage. Allerdings sieht es in diesen Bereichen aufgrund der angespannten öffentlichen Haushalte und der rückläufigen Kreditvergaben nicht allzu rosig aus. Mit einer Rezession in der Region rechnet das WIIW derzeit aber nicht. Auch bei der Staatsverschuldung seien die CEE-Länder noch deutlich besser unterwegs als Westeuropa, wenn sich auch die Entwicklung zuletzt deutlich verschlechtert habe, so Havlik.

Die Jahre 2010/11 sind von einer starken Erholung vor allem aufgrund der Exporte und der starken deutschen Wirtschaft gekennzeichnet, erinnert Havlik. Die Ausfuhren der meisten CEE-Länder haben sogar das Vorkrisenniveau überschritten. Eine Ausnahme von dieser Entwicklung sei aber Kroatien, wo die Exporte bereits seit der Krise stagnieren.

Im kommenden Jahr soll die Region der zehn neuen EU-Mitgliedstaaten mit 2,4 Prozent etwas geringer als heuer (3 Prozent) wachsen. Das höchste Wachstum 2012 wird für Polen (3,3 Prozent) und Rumänien (2,1 Prozent) erwartet, während am unteren Ende in Ungarn mit einem minimalen Plus von 0,3 Prozent gerechnet wird. Die zweitschlechteste Prognose wird für Tschechien mit einem BIP-Zuwachs von 1,5 Prozent. Zum Vergleich: Eurostat erwartet für die EU-15-Staaten ein Konjunkturplus von 0,5 Prozent im kommenden Jahr.

Türkei wächst

Ein starkes Wachstum verzeichnet derzeit aber die Türkei, die heuer um knapp 8 Prozent wachsen soll, nachdem sie bereits 2010 um 9 Prozent beim BIP zugelegt hat. Dazu habe auch die wirtschaftliche Verflechtung mit der EU beigetragen. Havlik erinnerte daran, dass sich die Türkei in einer Zollunion mit der EU befindet. Nun würden aber Maßnahmen gegen eine Überhitzung der Wirtschaft ergriffen, nächstes Jahr soll das Land nur mehr um 3,5 Prozent zulegen.

Havlik räumte ein, dass es sich bei der Prognose um ein "Basisszenario" handle und die Gefahr einer weiteren Senkung der Prognosen im kommenden Jahr groß sei. Die in der Krise deutlich angestiegene Arbeitslosigkeit werde nun noch langsamer abgebaut, geht aus den WIIW-Analysen hervor. Eine echte Entspannung wird mittelfristig aber nicht erwartet werden.

Als ein größeres Risiko sieht das WIIW auch eine weitere Verschärfung der Kreditklemme in der Region. Vor der Krise hatte das Kreditwachstum zweistellig zwischen 20 und 40 Prozent betragen, seit der Krise stagniere die Kreditvergabe, in einigen Länder wie im Baltikum schrumpfe sogar das Kreditgeschäft noch immer. Dagegen habe es in Polen kaum einen Rückgang gegeben, so Havlik. Die angekündigte Maßnahmen der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) für Austro-Banken mit CEE-Töchtern sieht Havlik vor allem als eine zukünftige Vorsorgemaßnahme hinsichtlich von Basel III mit Signalwirkung. Die Maßnahmen sollen ja erst ab 2016 gelten. Allerdings seien nicht nur österreichische Banken auf Auslandsmärkten stark engagiert, sondern auch andere Banken aus Europa.

Große Heterogenität

Insgesamt gebe es eine "große Heterogenität in der Region". So soll 2011 etwa der EU-Beitrittskandidat Kroatien aus der Rezession kommen und um 0,5 Prozent wachsen. Dagegen soll heuer die Türkei um knapp 8 Prozent, die baltischen Staaten um mehr als 6 Prozent wachsen und Russland um 3,7 Prozent wachsen. (APA)

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    Starkes Wachstum verzeichnet derzeit die Türkei - hier ein Blick in eine Istanbuler Shopping-Mall.

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