Stadtplan führt zu Orten jüdischen und muslimischen Lebens in Graz

29. November 2011, 12:50
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Studentenprojekt will Verborgenes, Verdrängtes, Zerstörtes und Imaginiertes in 16 Stationen sichtbar machen

16 wenig bekannte Orte jüdischer und muslimischer Geschichte in Graz führt ein neuer Faltplan. Er soll Bewohnern und Besuchern der Stadt erleichtern, Spuren der Vergangenheit zu sehen und ein Bewusstsein dafür entwickeln, wie multikulturell und religiös die Geschichte von Graz war und ist, so Ulrike Bechmann vom Institut für Religionswissenschaft der Uni Graz.

"Graz war als Dreh- und Angelpunkt zwischen der christlichen, jüdischen und muslimischen Kultur seit jeher multireligiös. Heute sind hier allerdings nur mehr vereinzelte Spuren jüdischen und muslimischen Lebens vorhanden", wie Bechmann erläuterte. In ihrem Seminar "Interreligiöse Begegnungen in Geschichte und Gegenwart" haben Studierende der Uni Graz den Stadtplan entwickelt, der vor allem das Verborgene, Verdrängte oder Zerstörte sichtbar machen soll.

So weist er z. B. auf ein Detail der ältesten Grazer Stadtansicht, dem "Gottesplagenbild" an der Außenmauer des Grazer Doms aus dem Ende des 15. Jhdts., hin: Es stellt die drei "Landplagen" - Heuschrecken, Pest und Türkeneinfälle - bildlich dar. Oder er führt zum Arkadengang des Palais Langhaim in der Bürgergasse, wo Sgraffiti-Bilder (eingeritzte Wandbilder, Anm.) aus dem 16. Jhdt. karikierende Darstellungen von Osmanen zeigen. "Interessant ist, dass die Osmanen auf ihren Feldzügen niemals nach Graz kamen", hält die Grazer Religionswissenschafterin Beckmann fest. Jahrhunderte lang wurde in der steirischen Landeshauptstadt allerdings das Bewusstsein einer türkischen Bedrohung bei den Menschen lebendig gehalten.

Was wahr ist und was Legende, wie mit Tatsachen gespielt und Fakten lange verdrängt wurden, versucht der Stadtplan durch erläuternde Kurztexte zu den jeweiligen historischen Orten und Denkmalen, die sich v.a. in den inneren Stadtbezirken befinden, darzustellen. Er führt u.a. zum ältesten Artefakt jüdischer Besiedelung in Graz (Grabstein des Rabbi Nissim aus dem 14. Jhdt. in der Grazer Burg), zum Wohnhaus des zweiten und bis heute letzten Rabbiners der Stadt Graz, David Herzog, oder zum interkonfessionellen Teil des Grazer Zentralfriedhofs. (APA)

Hinweis
Der Plan "Spuren jüdischen und muslimischen Lebens" liegt u.a. am Institut für Religionswissenschaft, im Centrum für Jüdische Studien und der Hauptbibliothek der Uni Graz sowie bei Graz Tourismus kostenlos auf.

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