Pakistan kommt nicht zur Afghanistan-Konferenz

29. November 2011, 16:02
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Absage als Protest gegen den NATO-Angriff, bei dem mehr als 20 pakistanische Soldaten getötet wurden

Islamabad/Berlin - Pakistans Regierung hat den angekündigten Boykott der Afghanistan-Konferenz in Bonn offiziell bestätigt. Vor dem Hintergrund des jüngsten NATO-Angriffs auf pakistanische Militärposten im Grenzgebiet zu Afghanistan mit 24 Toten habe die Regierung am Dienstag entschieden, "nicht an der Konferenz teilzunehmen", heißt es in einer in Islamabad verbreiteten Erklärung des Büros von Premierminister Yousaf Raza Gilani. Berlin versucht Islamabad doch noch zur Teilnahme an der Afghanistan-Konferenz in Bonn bewegen.

Die Entscheidung sei bei einer Sondersitzung des Kabinetts getroffen worden. Es habe Einigkeit geherrscht, dass es sich bei dem NATO-Angriff um eine "einseitige inakzeptable Operation" gehandelt habe.

Gleichzeitig bekräftigte die Regierung ihre Unterstützung für den Friedensprozess im Nachbarland Afghanistan sowie einen von den Afghanen geführten Prozess der Aussöhnung. Daher hoffe Pakistan, dass die internationale Gemeinschaft bei der Konferenz am kommenden Montag an ihrer Unterstützung für "Frieden und Entwicklung in Afghanistan" festhalte, heißt es in der Erklärung weiter. Pakistan erwarte, dass die Konferenz am kommenden Montag einen Erfolg wird.

Berlin versucht Islamabad doch noch zur Teilnahme zu bewegen

Die deutsche Regierung will Pakistan doch noch zur Teilnahme an der Afghanistan-Konferenz in Bonn bewegen. "Wir haben immer gesagt, dass die Konflikte nur in der Region gelöst werden können, und Pakistan ist Teil dieser Region. Deshalb sind wir natürlich sehr betrübt darüber, dass heute diese Absage kam. Wir werden sicherlich auch noch einmal schauen, ob das noch revidiert werden kann", sagte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel am Dienstag in Berlin. Merkel wird zur Eröffnung der mit viel Aufwand organisierten internationalen Tagung reisen, die am 5. Dezember beginnt.

Merkel erklärte: "Ich verstehe die Sorge Pakistans über die Tötung von Menschen durch NATO-Truppen. Aber das sollte doch nicht den Blick dafür verstellen, dass diese Afghanistan-Konferenz zehn Jahre nach der Konferenz in Bonn eine sehr wichtige Konferenz ist."

Seit Beginn des internationalen Militäreinsatzes in Afghanistan vor rund zehn Jahren starben in Pakistan noch nie mehr Menschen bei vergleichbaren Vorfällen mit NATO-Beteiligung. Pakistans Regierung verurteilte die Attacke und kündigte eine Überprüfung ihrer Zusammenarbeit mit der NATO und den USA an. Wichtige Nachschublieferungen aus Pakistan an die NATO-geführten ISAF-Truppen in Afghanistan wurden ausgesetzt.

Untersuchungskommission unter General Stephen Clark

Die US-Armee kündigte indes an, dass eine Untersuchungskommission unter Leitung des Generals Stephen Clark aus Florida bis zum 23. Dezember einen Bericht zu dem Angriff auf den Armeestützpunkt vorlegen solle. Ein Sprecher von US-Präsident Barack Obama hatte die Attacke am Montag als "Tragödie" bezeichnet und für eine weitere enge Zusammenarbeit zwischen seinem Land und Pakistan geworben.

EU-Außenministerium Catherine Ashton erklärte am Dienstag bereits vor dem Bekanntwerden der Entscheidung über den Boykott der Bonner Konferenz, Pakistans könne "eine entscheidende Rolle bei der Lösung des afghanischen Konflikts spielen". Ein Sprecher des afghanischen Außenministeriums rief Islamabad nach der Entscheidung ebenfalls zur Teilnahme an dem Treffen auf. "Wir hoffen, dass unsere pakistanischen Brüder dabei sein werden", sagte er.

Die Absage Pakistans gilt als schwerer Rückschlag für die Bemühungen, den Konflikt im Nachbarland Afghanistan langfristig zu beenden. Ohne die Unterstützung Pakistans gilt es als extrem schwierig, Frieden und Stabilität am Hindukusch zu erreichen.

Ursprünglich wollte Außenministerin Hina Rabbani Khar die pakistanische Delegation in Bonn anführen. Dort will die internationale Gemeinschaft über die Zukunft Afghanistans nach dem Abzug der NATO-Kampftruppen Ende 2014 beraten. Es werden Delegationen aus 86 Ländern und von 16 internationalen Organisationen erwartet. Neben der pakistanischen Außenministerin haben 53 weitere Außenminister ihre Teilnahme zugesagt. (APA)

  • Soldaten beim Begräbnis eines pakistanischen Offiziers, der beim Angriff der NATO getötet wurde.
    foto: epa/waqar hussein

    Soldaten beim Begräbnis eines pakistanischen Offiziers, der beim Angriff der NATO getötet wurde.

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