UN-Bericht zu Libyen

7.000 Menschen ohne Prozess in Haft

29. November 2011, 12:01

Zum Großteil handelt es sich um Subsahara-Afrikaner, denen Söldnertum für Gaddafi vorgeworfen wird

Seit Beginn des Bürgerkriegs in Libyen wollen Gerüchte nicht verstummen, die ehemaligen Rebellen und heutigen Machthaber gingen mit großer Härte gegen Subsahara-Afrikaner vor, die sie für Söldner des getöteten Diktators Muammar al-Gaddafi halten. Die Vereinten Nationen stützen in ihrem neuen Bericht diese Vermutung. 7.000 Gefangene, davon ein Großteil afrikanische Ausländer, sitzen auch Monate nach der Entmachtung Gaddafis in libyschen Gefängnissen. Prozesse gab es bislang keine, in Belangen der Justiz mangelt es im Post-Gaddafi-Libyen an allem, auch Polizeikräfte, die Gesetze exekutieren könnten, sucht man vieler Orten vergebens.

Die Revolutionsbrigaden, die aus den Rebellenverbänden hervorgegangen sind, haben laut UN die einzig durchsetzbare Macht über die Gefängnisse, es gibt Berichte über Folter an den Afrikanern. „Obwohl der Nationale Übergangsrat einige Schritte in Richtung Übertragung der Verantwortung über die Gefangenen von den Brigaden hin zu Staatsorganen gesetzt hat, bleibt noch viel zu tun, vor allem was die Gefängnisse betrifft. Missbrauch muss verhindert werden, Gefangene, die freizulassen sind, müssen freigelassen werden", heißt es im UN-Report, den die BBC zitiert. Vor allem die Lage der dunkelhäutigen Gefangenen sei prekär.

Die US-Regierung hat die neuen Herren in Tripolis Mitte Oktober vor Rassismus gegenüber Subsahara-Afrikanern gewarnt. Diese würden "allgemein" als Unterstützer Gaddafis betrachtet, ließ das US-Außenministerium verlauten, viele davon würden „offenbar aufgrund ihrer Hautfarbe gefangen gehalten." Es gebe beunruhigende Berichte über den Umgang mit Schwarzen in den Gefängnissen. Washington rief den Übergangsrat auf, seinem Einsatz für den Rechtsstaat und den Respekt vor den Menschenrechten gegenüber jedem Menschen in Libyen alle Ehre zu machen. 

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hatte bereits im September auf Misshandlungen von Schwarzafrikanern durch Kämpfer der neuen libyschen Führung hingwiesen. Gaddafi hatte viele Schwarze als Söldner in sein Land geholt. (red)

Kommentar posten
14 Postings
Marina Mader
00
25.1.2012, 10:13
Beobachtung Situation Libyen vorort

Ich war vor und nach der Revolution in Libyen und habe noch nie ein Land gesehen, wo Multikulturalität so gleichberechtigt unter der Bevölkerung gelebt wird. Es ist jedoch ein Großes Problem Söldner von Gastarbeitern zu unterscheiden. Jedoch habe ich im Alltag gesehen, dass Libyer Gastarbeiter in der Öffentlichkeit begleiten, damit Ihre Rolle klar definiert ist und der Zusammenhalt ist groß. Es ist auch logisch, dass man Angst vor Söldnern hat. Ich kenne persönlich eine Gruppe von 12 jungen Libyern die vor 2 Monaten nach der Revolution von flüchtenden Söldnern erschossen wurde. Es ist sehr schwierig die Situation von beiden Seiten in Griff zu bekommen.

Peacefaktor
35
29.11.2011, 18:06
Das mit den schwarzen Söldner ist doch längst widerlegt.

Es gab viele afrikanische Gastarbeiter, und auf diese ist Jagt gemacht worden, diese werden gefoltern und geschändet. Wie zivilisiert man wirklich ist, zeigt sich auch immer darin, wie man andere (Hautfarben, Meinungen, politische Azsrichtungen) behandelt. In Libyen scheint das "Zivilisierte" am absteigenden Ast zu sein. Hier gibt es die schrecklichsten Auswüchse von Anbeginn an. Aber Hauptsache, dass das Öl unter Kontrolle ist...

David Bachmann
01
Söldner

Ich stimme Ihnen zu - "Richtige" Söldner gab es nur wenige (aber auch). Allerdings wurden sehr viele Sub-Sahara Afrikaner die in Libyen gelebt haben gezwungen der libyschen Armee beizutreten.
Das ist dann kein Söldner im klassischen Sinn, stimmt.

helenegm
00
2.12.2011, 15:43

Vor drei Monaten haben auch sie gejubelt, als es hieß, dass tausende Tuareg unter der Führung von Saadi auf dem Weg nach Tripolis sind, um die Gaddafi-Diktatur zu "retten".

diamant
62
30.11.2011, 11:14
'Das mit den schwarzen Söldner ist doch längst widerlegt.'

Aber leider nur ihrer kleinen Welt, mein Lieber.....

Das erste Opfer
 
10
3.12.2011, 12:07
es ist wiederlegt

googeln Sie mal nach libya+mercanaries+hrw.

Die Menschenrechtsorganisationen haben die Geschichten von den schwarzen Söldnern längst als rassistische Propaganda entlarvt. Warum UNO, NATO und Massenmedien dass weitestgehend ignorieren, kann sich jeder durchschnittlich intelligente Mensch selber denken.

Horst Holzinger
26
29.11.2011, 14:19
Flugverbotszone jetzt!

Malkaye
47
29.11.2011, 12:56
Fast wertloser Artikel

"Gerüchte nicht verstummen, die ehemaligen Rebellen und heutigen Machthaber gingen mit großer Härte gegen Subsahara-Afrikaner vor"

"Gaddafi hatte viele Schwarze als Söldner in sein Land geholt."

1. Es handelt sich NICHT um Gerüchte, sondern um Tatsachen die von keiner Seite bestritten werden, dass die NATO-rebellen von Anfang an einen rassistischen Lynch- und Raubmob darstellten. Selbst die AFP hat Bilder von gebrandschatzten Unterkünften von dunkelhäutigen Gastarbeitern.

2. Gaddafi hat nicht nachgewiesenermaßen schwarze Söldner ins Land geholt, sondern sich für den arabischen Sklavenhandel offiziell entschuldigt - was Sarkozy nach Aufforderung hierzu als unnütze Nostalgie bezeichnete. Die Rebellen wollen mit dieser Aufarbeitung brechen.

roll initiative
38
29.11.2011, 12:37

wie wär's mit nem NATO einsatz zum schutz der zivilistInnen?

Malkaye
23
29.11.2011, 12:51
Sowas gab's bei Pinochet nicht und sowas wird's auch bei den neuen Zöglingen der Kolonialmächte nicht geben.

Hossam Hassan
62
29.11.2011, 12:17
Ghaddafi hat viele Afrikaner als Gastarbeiter ins Land geholt

und der Rassismus gegen sie ist ein Produkt der Ghaddafipolitik.

Captain Smoker
00
24.1.2012, 00:20

Ersetzen Sie Gaddafi 2x durch "die Regierung" und es geht als Strache-Wahlkampfslogan durch...

mistvieh666
 
10
29.11.2011, 21:54

sie sprechen mir aus der seele.
genauso ist naemlich rassismus in europa ein produkt der gutmenschlichen politisch korrekten menschenrechler und toleranzler ...
ja.
wir sollten uns am neuen libyen ein vorbild nehmen.
und auch am neuen aegypten und tunesien.

Das erste Opfer
 
00
3.12.2011, 12:10
ernsthaft?

Wenn Sie das ernst meinen, machen Sie ihrem nickname wirklich alle Ehre...

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.