Wiener AKH

Hunderte Ärzte bei Betriebsversammlung

29. November 2011, 10:44
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    foto: apa/roland schlager

    Auch Patienten solidarisieren sich mit den Ärzten im AKH.

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    Freda Meissner-Blau und Otto Schenk zeigen ihre Solidarität.

Ärzte informieren in der Aula des Wiener AKH über geplante Kürzungen - Stöger denkt gesetzliche Änderung an

Wien  - Im Wiener Allgemeinen Krankenhaus (AKH) hat am Dienstagvormittag die erste öffentliche Protestveranstaltung der Spitalsärzte begonnen. Sie machen damit weiter gegen angekündigte Sparmaßnahmen mobil.  Gesprochen haben neben Vertretern des AKH auch Schauspieler Otto Schenk, die ehemalige Grünen Politikerin Freda Meissner-Blau und Unternehmer Attila Dogudan, sie sind als ehemalige Patienten des AKHs aufgetreten. Überall waren weiße Kitteln zu sehen, zahlreiche Ärzte nahmen an der Versammlung teil.

Während der Veranstaltung ist mit längeren Wartezeiten zu rechnen. Notfall- und Unfallpatienten werden aber wie gewohnt versorgt, wurde versichert. Die Veranstaltung in der Aula ist die erste, die auch von Besuchern bzw. Patienten des Spitals mitverfolgt werden kann. Bisher gab es lediglich interne Betriebsversammlungen.

Ärtzekammer: "Geld für bürokratischen Unsinn"

Anlass für die Aktivitäten sind die Budgetnöte der Medizinischen Universität Wien, an der die AKH-Ärzte angestellt sind. Mit 1. Februar 2012 werden im größten Spital des Landes die Journaldienste reduziert, wie die Med-Uni erst gestern, Montag, bekanntgab. Künftig sollen 146 statt 172 Ärzte pro Nacht bzw. am Wochenende im Einsatz sein. Weiters ist geplant, Stellen nicht nachzubesetzen.

Ärztekammerpräsident Walter Dorner sagt im Gespräch mit derStandard.at, dass das größte Krankenhaus Österreichs mutwillig zu Grunde gerichtet werde. Er habe Bund und Stadt Wien zu einem runden Tisch geladen und erhoffe sich zumindest konstruktive Gespräche. Ob es in nächster Zukunft zu einer Lösung kommen werde, könne er noch nicht sagen. Entscheidend sei, dass sich beide Seiten - Bund und Stadt Wien - nicht einbetonieren. In Anspielung auf die Elektronische Gesundheitsakte sagte Dorner, "für bürokratischen Unsinn wird viel Geld ausgegeben, hier steht aber die Existenz vieler Kollegen am Spiel."

Bankenrettung, Tunnelbauten

Betriebsrat Thomas Szekeres rechnete in seiner Ansprache vor, dass es für den Bund offenbar kein Problem sei 100 Millionen Euro für die Banken zur Verfügung zu stellen, bei neun Millionen Euro für das AKH aber zögere. Er appelierte an die Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle und die Wiener Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely vernünftige Prioritäten zu setzen und trotz Schuldenbremse nicht bei der Gesundheitsversorgung zu sparen. "Wir kämpfen so lange, bis die Politik unser Haus finanziert". 

Auch Wolf-Dieter Baumgartner, Betriebsrat, kritisiert im Gespräch mit derStandard.at welche Prioritäten in der Politik gesetzt werden. Für die Sanierung des Hannapi-Stadions werden 26,4 Miollionen Euro zur Verfügung gestellt. "Im Gegensatz zu unseren Kickern spielen wir aber im Finale der Champions-League." Durch die Einsparungsmaßnahmen kann es das AKH "wie wir es kennen" nicht mehr geben, der Akutbetrieb in der Nacht und am Wochenende könne nur schwer aufrechterhalten werden. Wenn am Wochenende keine Bypässe operiert werden, werde die Warteliste noch länger und das bedeute ein "tödliches Risiko" für die Patienten. Weitere Maßnahmen des Betriebsrat werden besprochen. "Wir wollen das nicht. Eigentlich wollen wir nur unsere Arbeit machen", sagt der Betriebsrat.

Prominente Unterstützung

Freda Meissner-Blau, Otto Schenk und Attila Dogudan solidarisieren sich mit den protestierenden AKH-Ärzten. Otto Schenk tritt im weißen Kittel auf die Bühne "Mein Leben und mein Überleben verbinden mich mit dem AKH." Es gehe um "lächerliche neun Millionen", man könne auch nicht den Philharmonikern sagen, sie sollen die zweiten Geigen einsparen.  Freda Meissner-Blau erzählt, dass ihr im AKH das Leben gerettet wurde. Sie sei allen Ärzten hier dankbar.

Stöger für gesetzliche Änderung bei Uni-Kliniken

Unzufrieden mit der Einsparung von 14 Prozent der Journaldienste am Wiener AKH zeigt sich Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ). Die Uni-Krankenanstalten hätten die Aufgabe, den Menschen auch entsprechend medizinisch zu versorgen, erklärte er am Dienstag vor dem Ministerrat. Gleichzeitig dachte Stöger gesetzliche Änderungen an, wie man die Versorgung besser garantieren könne.

Zu diskutieren ist für ihn die Uni-Autonomie, wie sie im Jahr 2002 unter Schwarz-Blau beschlossen worden war. Was genau er hier ändern würde, sagte Stöger nicht.

Stöger selbst ist als Gesundheitsminister für die Budgetierung des AKH gar nicht zuständig. Als Uni-Klinik fällt das Wiener Allgemeine Krankenhaus nämlich großteils in die Kompetenz von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP). 

Töchterle zeigt Verständnis

Töchterle zeigt Verständnis für die Nöte der AKH-Leitung. Nach dem Ministerrat erklärte er, dass mittlerweile 50 Prozent des Budgets für Patientenleistungen aufgewendet werden müssten, obwohl die Uni-Klinik grundsätzlich vor allem für Ausbildung und Forschung die Verantwortung trage. Töchterle will nun eine besser Koordinierung der Finanzierung des AKH.

Der Minister verwies darauf, dass das Wiener AKH die einzige Universitätsklinik in Österreich sei, bei der das gesamte ärztliche Personal vom Bund bezahlt werde, wo also das Land keinen Beitrag leisten müsse. Aus seiner Sicht ist hier in Graz und Innsbruck eine bessere Lösung gefunden worden, wo sich die Steiermark und Tirol an diesen Kosten beteiligen.

Was Wien angeht, betonte Töchterle, dass man die Vereinbarung, die bis 2015 laufe, natürlich anerkenne. Konkret mehr Geld von der Bundeshauptstadt forderte der Wissenschaftsminister allerdings auf Nachfrage nicht.  Als vernünftig erscheint Töchterle der Vorschlag des ärztlichen Leiters des AKH, Reinhard Krepler, eine Betriebsgesellschaft für das Allgemeine Krankenhaus zu bilden. Damit kämen alle Betroffenen an einen Tisch und das ständige Gezerre hätte ein Ende.

Nichts anfangen kann Töchterle hingegen mit den heute im Zuge der AKH-Debatte angestellten Überlegungen von Gesundheitsminister Alois Stöger, die Uni-Autonomie zu ändern. Das wäre sicher nicht der richtige Weg. Die Autonomie habe sich sehr bewährt.(mte/APA, derStandard.at,29.11.2011)

Kommentar posten
25 Postings
censeo
10
4.12.2011, 19:36

Die Ärzte sind Knechte der Pharmafirmen.
Vieles ist Geschäftemacherei!

Oft wird man erst durch die Fehlbehandlungen krank.

Got Your Nose!
00
4.12.2011, 12:05

"Im Gegensatz zu unseren Kickern spielen wir aber im Finale der Champions-League."

das könnte der herr professor künzel aus der anatomie ibk gesagt haben ;)

We're all mad here.
00
4.12.2011, 17:37

bist du leicht auch bei ihm? falls ja bin ich langsam wirklich neugierig wer du bist

Got Your Nose!
00
4.12.2011, 20:00

ach auch? nein, aber gleich neben an bei der zwiezina.

We're all mad here.
00
4.12.2011, 20:05

ahso
na dann alles gute für morgen :)

Got Your Nose!
00
4.12.2011, 21:03

gleichfalls. durfte den herrn schon erleben, er ist ja eigentlich ganz lieb.

We're all mad here.
00
5.12.2011, 13:36

Naja ich bin zwar heute nur durch weil er mir die punkte geschenkt hat, aber unseren tisch hasst er mittlerweile und fragt auch entsprechend...

Got Your Nose!
00
5.12.2011, 14:25

der tabellenrang von wacker innsbruck könnte über den grund seines missmuts auskunft geben.
egal, durch ist durch, glückwunsch! bei mir dauerts noch ein bisschen.

strolch25
11
30.11.2011, 06:03
Politiker

Ein Kabarettist hat gesagt: wenn man einem Politiker den Schädel einhaut ist das ein Schlag ins leere. Ein Spital gehört der Uni, eins der WGKK, eines einem Orden und weit und breit keine Koordination.?????

blablabla blablabla
11
30.11.2011, 00:03
die jungen Mediziner sind ja noch ehrliche Arbeiter

ab Oberarzt, Primar wird es meistens überbezahlt. Zeitordination.

Das ärgste sind gerichtlich beeidigte Sachverständige die für eine -5-10 Minuten Untersuchung von der PVA 500.-- Euro bekommen. Bei Vollauslastung verdienen die in 2 Stunden 6000.-- Euro für einen 99% abschlagenden Befund. Da sollte man einmal hinschauen.

censeo
00
4.12.2011, 19:39

Was glauben Sie, warum so viele Medizin studieren?
Im Medizinbusiness kann man sehr viel verdienen!

hot doc
11
1.12.2011, 09:34
ihre rache für ein negatives gutachten wegen der frühpense?

also auch als oberarzt verdient man in österreich schlecht bis mäßig im internationalen vergleich oder verglichen mit anderen hochqualifizierten akademischen berufen.
ein gutachten ist übrigens nicht in dem moment fertig, in dem sie bei der tür hinaiusgehen, da müssen befunde gesichtet werden, und eine schlüssige stellungnahme geschrieben werden, also ihre milchmädchenrechnung ist wirklich blablablabla.

Dr.Eisenbart
06
29.11.2011, 21:29
Spitzenmedizin gibt's auch in anderen Groß-Spitälern

was den Ärzten und Patienten der Gegenwart "auf den Kopf fällt" ist der seit Jahrzehnten praktizierte miserable Führungsstil, der von viel zu vielen AKH-Professoren gelebt wurde und wird.
Das AKH ist als Brutstätte arroganter Schnösel einfach unbeliebt, schade um die vielen netten Kollegen die es dort auch gibt - und um die Patienten.

Verdammt Coole Schreckschrauwe
01
29.11.2011, 21:22
Fraageeeeeeee!: Wenn sich die Ärzte versammeln, was ist dann mit dem Rest des Personals?

Wie wir wissen, gibt es in allen Spitälern nach wie vor eine Hierarchie!
Was ist mit dem sonstigen Personal? Ist nicht geschunden und unterbezahlt? Wer bitte, soll denn das glauben.
Gewerkschaft! Hallllllllllllloooooooooooooooo! Sleep well,wenn dich deine MitgliederInnen lassen...

Ain't got no how watchamacallit
11
30.11.2011, 01:02

KEINE Berufsgruppe in den KH ist mit dermassen langen Arbeitszeiten konfrontiert wie die Ärzte, das ist Fakt. Dass es auch in anderen Berufsgruppen Verbesserungsmöglichkeiten gibt streite ich nicht ab. Auch sind die Ärzte letztverantwortlich für so ziemlich alles was in ihren Tätigkeitsbereichen geschieht. Die Pflege kann gerne auch auf die Barrikaden gehen und StationshelferInnen und Serviererinnen/er fordern, da werden alle Verständnis haben.

P-T-S
00
29.11.2011, 16:52
was vergessen wird!

Bei all diesen Diskussionen wird darauf vergessen, dass die MUW seit 2007 ein sogenanntes Globalbudget erhält (3-jährig). Aktuell geht dieses (wie auch die sog. Leistungsvereinbarung mit dem bm:wf) von 2010 bis 2012. D.h. es geht hier nicht um eine Geldreduktion von außen sondern anscheinend um eine interne Angelegenheit – da der MUW seit 2010 bekannt ist, wie viel Geld sie bis Ende 2012 bekommt (wie auch alle anderen Unis in AT). Aber ein ähnliches Säbelrasseln gab es ja auch 2008 – auch da wurde zusätzliches Geld für Stellen gefordert und auch bekommen. Blöd halt für jene Unis die sich an Leistungsvereinbarungen halten und sparen.

stasi4u stasi4u
00
29.11.2011, 19:19

dann wäre es wohl das beste die meduni zieht sich einfach aus der gesundheitsversorgung zurück und betreibt ein kleines lehrspital. die frage ist nur was machen dann die patienten des AKHs?
die regelung mit der quersubventionierung des gesundheitssystems aus mitteln des wissenschaftsbudgets ist zu hinterfragen!

byron sully
12
29.11.2011, 15:35

so kann es wirklich nicht weitergehen. was bund und stadt da aufführen, ist zutiefst beschämend. medizinische versorgung ist derart lebensnotwendig, daß einfach mehr geld da sein MUSS, wenn zu wenig da ist. in dem bereich kann man sich nicht auf sparzwänge ausreden.

wolfshaut
21
29.11.2011, 12:52

Otto Schenk forderte bei der Betriebsversammlung eine Gehirntransplantation für die verantwortlichen Politiker, durchgeführt im AKH.

Herr Plumm
01
29.11.2011, 23:26
das hat er echt gemacht?

lächerlich sowas...

wolfshaut
00
3.12.2011, 06:48

Hat er gesagt. Lief sogar im Mittagsjournal.

Der Neugierige
01
29.11.2011, 15:16
Implantation

denn da ist ja wohl gähnende Leere im Kopf...
;-)

Jehane
00
29.11.2011, 13:46

Die Meldung war echt gut *g* Ich trau den Ärzten im AKH ja vieles zu, aber ob sie DAS hinkriegen?

Asylwiener
02
29.11.2011, 14:29
wohl kaum

das spenderorgan würde sofort abgestossen werden!

Jehane
00
29.11.2011, 14:45

Ja eben :)

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