Burn out-Falle

Ausgebrannt

Gastkommentar | 29. November 2011, 10:47
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Die totale Erschöpfung: Niemand kann auf Dauer alle Aufgaben immer noch besser, noch schneller und noch gewinnbringender erledigen, ohne dabei sich selbst und/oder andere auszubeuten

Um als Anwalt oder Anwältin erfolgreich zu sein, empfiehlt es sich, "zwei Stunden länger [zu] arbeiten als die Kollegin oder der Kollege, der/die am längsten arbeitet" oder an einem Feiertag um 23.15 Uhr Klientinnenanfragen zu beantworten, die um 23.00 Uhr eingelangt sind (beide Beispiele entstammen den Ausführungen eines Wirtschaftsanwalts in der Beilage "Wirtschaft und Recht" der Tageszeitung DER STANDARD vom März 2011).

Akkurate Vorbereitung auf jede auch nur denkbare Situation

W. arbeitete nach diesen und ähnlichen Credos mehrere Jahre lang sehr erfolgreich als Rechtsanwaltsanwärterin. In diesem Beruf sah sie eine große Herausforderung. Gerade die Vielseitigkeit betonte W. regelmäßig als Vorteil der anwaltlichen Ausbildung gegenüber anderen Juristinnenberufen. Meist blieb aber nur wenig Zeit, um sich rasch in ein Rechtsgebiet einzuarbeiten, um dann - gerade bei Verhandlungen - den Mangel an Erfahrung durch penible Aktenkenntnis und gründliche Einarbeitung in die Materie ausgleichen zu können. Oft war die Zeit dafür sogar deutlich zu kurz. Dieser Umstand war für W. aber kein Grund, sich selbst gegenüber nachsichtig zu sein. Weder Klientinnen, noch Kolleginnen oder Richterinnen hätten jemals Anzeichen von Fehleranfälligkeit oder schlichter Unkenntnis zu sehen bekommen dürfen. Sich in schwierigen Situationen einmal auf ihr junges Alter oder den Umstand auszureden, dass sie sich als Konzipientin ja in Ausbildung befinde, wäre nie auch nur eine Erwägung wert gewesen. Es blieb also nur die zeitaufwendige, akkurate Vorbereitung auf jede auch nur denkbare Situation.

Fehler hatten genauso wenig Platz wie ein "nein"

Dies gelang ihr über mehrere Jahre ganz gut. W. war sowohl in der Kanzlei als auch bei Klientinnen sehr geschätzt und baute sich stetig einen guten Ruf auf. Dazu trugen auch Veröffentlichungen in Fachzeitschriften und die Erschließung neuer Geschäftsfelder für die Kanzlei bei. Ihre Chefs übertrugen ihr Schritt für Schritt mehr Aufgaben, die sie immer tadellos und mit großem Engagement erledigte. Zu viel wurden ihr diese Tätigkeiten nie, im Gegenteil, sie schien immer neue Aufgaben geradezu aufzusaugen. Kurzum, das berufliche Leben von W. war geprägt vom Bestreben, Anerkennung durch überdurchschnittliche Leistung zu erhalten. Fehler hatten da genauso wenig Platz wie ein "nein" oder "jetzt nicht". Und wenn es mit der Zeit zu eng wurde, mussten eben Wochenenden, Abende und Nächte herhalten, um das (selbst) auferlegte Pensum zu erfüllen.

Private Zweifler

Im privaten Umfeld war W. immer wieder mit Fragen konfrontiert, ob sie denn nicht etwas kürzer treten, nicht etwas mehr Freizeit genießen wolle. Manche erlaubten sich gar darauf hinzuweisen, dass sie doch auch mit etwas weniger Aufwand genauso erfolgreich sein könnte. Diese wohl gemeinten, aber als unnötige Einmischung wahrgenommenen Ratschläge beantwortete W. in der Regel mit dem Hinweis darauf, dass man als Konzipientin sonst nicht erfolgreich sein könne. Man habe nur wenige Jahre Zeit, um sich einen Namen aufzubauen und aus der großen Anzahl der übrigen Kolleginnen hervorzustechen. Dann später einmal, wenn der erhoffte Erfolg eintreten würde, werde sie natürlich etwas kürzer treten, dann werde sie eine Konzipientin einstellen, die sich dann genauso "reinhängen" werde müssen, wie nun eben sie selbst. Im anwaltlichen Berufsfeld sei das nun mal so; wer nicht an den Wochenenden und bis spät in die Nacht hinein arbeite, zeige nicht genügend Leistungswillen und Erfolgsorientierung. Ganz vermochten diese Floskeln zwar nicht zu überzeugen, aber nachdem W. derart aufging in ihrer Tätigkeit und mit so großer Leidenschaft ihren Beruf ausübte, verstummten die Zweiflerinnen langsam.

Hin und wieder, wenn sie am Sonntag morgens nicht aus dem Bett kam oder beim Ausgehen mit Freundinnen die Gedanken an noch unerledigte Aufgaben nicht abstellen konnte, kamen ihr leise Bedenken, ob das alles denn so richtig wäre. Immer öfter gingen diese (kurzen) Phasen des Zweifels mit körperlichen Zuständen des Unwohlseins einher. An den wenigen arbeitsfreien Wochenenden wurde sie regelmäßig krank. Sie merkte, dass sie den ständigen, bei der Arbeit auftretenden Adrenalinschub brauchte, um zu „funktionieren". Schritt für Schritt füllte sie daher ihre Freizeit mit Arbeit. Der Laptop wurde ihr zum ständigen Begleiter; per E-Mail und Handy war sie stets zu erreichen. Doch W. wandelte sich auch privat zur Konzipientin: Sie kleidete sich in ihrer Freizeit nur kaum lockerer als im Büro, sprach mit ihren Freundinnen wie mit ihren Klientinnen (prägnant, sachlich, etwas distanziert und mit den Gedanken immer schon bei der nächsten Sache) und wurde schließlich unausgeglichener und gereizter.

Zunächst körperlich geschwächt

Dann ging es Schlag auf Schlag: Zunächst fesselte sie ein Infekt mehrere Tage an das Krankenbett. Man merkte ihr an, dass sie unheimlich geschwächt war - aber nur in körperlicher Hinsicht. Noch fiebrig verfasste sie bereits wieder erste Schriftsätze, die - wie sie meinte - doch von sonst niemandem hätten erstellt werden können. Das ging noch geraume Zeit so weiter, dann plötzlich verließ W. ihre Stimme. Sie konnte nur noch leise und mit großer Anstrengung sprechen, begann sich regelmäßig zu verhaspeln oder zu stottern. Dieses sprachliche Unvermögen machte sie unsicher. Dazu kamen kognitive Aussetzer, die dazu führten, dass sie Gedanken nicht fortsetzen konnte oder beim Sprechen den Faden verlor. In diesem Zustand konnte sie nicht mehr mit Klient_innen sprechen, sie konnte nicht mehr kommunizieren und sie sah sich schließlich nicht mehr in der Lage, einer Verhandlung zu folgen, geschweige denn aktiv daran teilzunehmen. Ihr erschöpfter Körper legte mit der Stimme den Bereich lahm, der für ihr "Funktionieren" unersetzbar gewesen war. Damit war der Punkt erreicht, an dem W. den an sie gestellten Anforderungen nicht mehr gerecht werden konnte. Ihr wurde auf drastische Weise vor Augen geführt, dass sie im Bestreben, ihre Leistungsgrenzen immer weiter hinauszuverschieben zu lange nicht deren fortwährende Überschreitung wahrgenommen hatte.

Phase der Isolation durch totale Erschöpfung

Den Zustand totaler Erschöpfung konnte W. zunächst nur schwer ertragen - musste ihn aber hinnehmen. Als Reaktion auf die zuvor im Übermaß gepflegte Kommunikation benötigte sie nun zunächst eine Phase der Isolation, in der sich W. intensiv mit ihren Bedürfnissen, Vorstellungen und Verhaltensmustern auseinandersetzte. Es dauerte fast zwei Monate, bis sie sich wieder in der Lage sah, mit Menschen zu kommunizieren. Einem geregelten Arbeitstag konnte W. erst Monate später wieder nachgehen - und das nur in reduzierter Form. Noch heute machen sich beim Telefonieren mit dem Handy rasch Erschöpfungserscheinungen bemerkbar.

Die nun entschleunigte Vielarbeiterin ist für ihr Ausbrennen aber mittlerweile dankbar. Andere bekommen (oft erst später) die Lektion ohne neue Chance verpasst, erleiden Schlaganfälle oder Herzinfarkte, werden antriebslos und depressiv oder stürzen sich in exzessives Suchtverhalten. W. lernt jetzt einen achtsamen Umgang mit ihren und den Ressourcen anderer zu pflegen und nimmt wahr, dass es viele gibt, die kurz davor (oder schon dabei) sind auszubrennen.

Gelassenen Umgang - auch mit eigenen Fehlern - lernen

Für deren steigende Anzahl mögen viele Gründe mitverantwortlich sein: der steigende Leistungsdruck im Berufsleben, der stetige Ruf nach mehr Effizienz und strafferer Organisation oder die Doktrin der ständigen Erreichbarkeit. Vor allem aber ist ein oft erschreckendes Hinnehmen von als gegeben behaupteten Strukturen und Mustern zu erkennen. Niemand kann auf Dauer alle Aufgaben immer noch besser, noch schneller und noch gewinnbringender erledigen, ohne dabei sich selbst und/oder andere auszubeuten. Erfolgreiche juristische Arbeit verlangt - nicht nur, aber vor allem - Kreativität. Und die entsteht immer noch am ehesten in einem Zustand der Ausgeglichenheit, um nicht zu sagen im Müßiggang. Sich dessen bewusst zu werden, sich nicht regelmäßig nach Erreichtem weiter antreiben zu lassen und rast- und ziellos vorwärts zu streben, das erfordert einen selbstbewussten, achtsamen und verantwortungsvollen Umgang mit den eigenen Ressourcen - und schließlich einen gelassenen Umgang mit Fehlern und die Fähigkeit, voller Zuversicht aus ihnen zu lernen. (Ronald Frühwirth, derStandard.at, 29.11.2011)

Autor

Mag. Ronald Frühwirth war Rechtsanwaltsanwärter und ist derzeit juristischer Mitarbeiter in einer Anwaltskanzlei in Graz sowie Mitherausgeber des juridikum.

Info

Der Artikel erscheint ursprünglich in der Ausgabe 3/2011 der Zeitschrift juridikum.

juridikum - zeitschrift für kritik / recht / gesellschaft

Seit mehr als zwanzig Jahren ist das juridikum die Fachzeitschrift, die rechtliche Fragen in ihrem gesellschaftlichen und politischen Kontext beleuchtet. Diesem kritischen Anspruch folgend verbindet das juridikum theoretische und praktische Perspektiven. Dabei widmet sich die Rubrik „recht & gesellschaft“ aktuellen Themen wie etwa Fremdenrecht, Geschlechterverhältnissen, Polizei- und Strafrecht, sozialen Fragen und menschenrechtlichen Aspekten. Mit dem „thema“ hat jede Ausgabe zusätzlich einen inhaltlichen Schwerpunkt.

Die Aktualität der Beiträge, ihre Praxisrelevanz und Interdisziplinarität machen das juridikum zu einer abwechslungsreichen, anspruchsvollen und anregenden Lektüre. Die Zeitschrift erscheint vierteljährlich im hochwertigen Taschenbuchformat beim Verlag Österreich.

HerausgeberInnen: Ronald Frühwirth, Ines Rössl, Joachim Stern.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 34
1 2
Morpheus DerStandard
11
7.12.2011, 13:16
Bald

...werden vermutlich auch in Österreich/Europa Firmen ohne Wissen ihrer Mitarbeiter Lebensversicherungen auf diese abschließen, um in einem möglichem Todesfall Millionen abzukassieren.

- Michael Moore(s): Kapitalismus

Alfred Zenoo
00
5.12.2011, 05:31
Mobilfunk und IT Branche ähnlich

Ich hatte in meiner vorletzten Firma fast ein Burnout, zum Glück sagte der Körper vorher "Nein"!
Wollte den extremen Arbeitszeiteinsatz in meiner letzten Firma verringern, die Folge waren bald Konflikte mit 2 Managern, Prokurist akzeptierte mich aber und ich war anfangs ziemlich erfolgreich. Irgendwann verzögerte sich eine Kundendeadline um 3 Tage (keine Katastrophe), dadurch sahen die 2 Manager einen konkreten Anlass für ein Mitarbeitergespräch mit Zielvereinbarungen. Mein persönlicher Effizienz-Plan wurde mir vorgestellt : Arbeitszeit +1,25h/Tag, keine privaten Telefonate, kein Rauchen. Ich konnte den Plan nicht einhalten, Kritik wurde vehementer => ich kündigte letztendlich.

legal eagle
 
01
1.12.2011, 11:11
als alter arbeits- uns sozialrechtler kenne ich viele solche geschichten -

und mir drängt sich die frage auf: wie verdient w. nunmehr ihr geld?

mein sohn hat sich - lang vor einem burnout und aus eigener entscheidung - aus der konzipienten-mühle herausgenommen und ist seither auf jobsuche. was ihm zb im corporate lawyer-bereich angeboten wird, bietet keine wesentlich besseren arbeitsbedingungen. und nicht alle juristen können eine stelle bei public interest-organsiationen bekommen...

eze eze
 
00
4.12.2011, 12:55

Auch wenn mich mit dem Berufsfeld so gar nichts zu tun hab - genau diese Frage hat sich mir beim Lesen auch gestellt.

Kauft's mehr Klumpert!
03
30.11.2011, 19:49
Habe selbst in einer Wirtschaftskratzlei gearbeitet.

Es muss nicht immer zum Burnout führen, was dort getrieben wird.
Was ich jedoch rückblickend bedauere, ist die Zeit und das Potenzial, die ich dort totgeschlagen habe.
Man arbeitet Motiven zu, die nicht die eigenen sind.
Und im Rechtfertigen und Selbstbeschwichtigen kann man eine beachtliche Meisterschaft entwickeln.

Aber irgendwann kann selbst ein hohes Gehalt nicht mehr über die Tatsache hinweggtäuschen, dass man sein Wertvollstes verspielt.

Maria Leitner1
01
30.11.2011, 10:34
das ganze thema ist angesichts der managertrainings, die genau in die andere richtung gehen sinnlos

und die beuten dann sich und andere hemmungslos aus. rendite, rendite, rendite, personalkürzungen, alles schneller.

solange keine radikale veränderung der arbeitswelt, weg von „KARRIERE MACHEN“ hin zu sinnvoller arbeit und echtem privatleben machen.

aber die firmenchefs und shareholder verdienen momentan halt am meisten am zusammenbruch der mitarbeiter

larkmiller
04
30.11.2011, 10:23
Der Artikel ist ok, ich erkenne mich bei ein paar früheren Sachen wieder. Ein Aspekt fehlt m.E. jedoch:

Der scheinbare Erfolg bzw. die scheinbare Anerkennung der Chefs ist das eigentliche Problem.
Die meisten Vorgesetzten nehmen auf die persönlichen Umstände ihrer direkten Mitarbeiter keine Rücksicht (mehr). Warum sollten sie auch, im Normalfall bremst sie niemand ein.
Die Erkenntnis, dass motivierte, ausgeruhte und zufriedene Mitarbeiter das wichtigste Kapital für den betrieblichen und eigenen Erfolg sind, ist verschütt gegangen.
Wer nicht spurt, fliegt. Es gibt ja genug andere die wollen. Und dann muss immer wieder ein Team neu eingespielt werden. Zeit-, Geld- und Konfliktträchtig.

Meine persönliche Lösung als Chef:
Den Leuten ihre Freizeit geben, und nur wenn es eng wird, ihre Zeit einfordern. Klappt sehr gut und alle sind zufrieden.

Karinkoller
01
30.11.2011, 09:40
Um erfolgreich zu sein,

empfiehlt es sich, 2 Stunden länger zu arbeiten als jeder andere Kollege.

Das ist der zentrale Satz. Es geht nicht mehr darum, ob man seine Arbeit in der normalen Arbeitszeit erledigt, sondern wie lange man sich in der Firma/Kanzlei aufhält. Das führt dazu, dass man nicht mehr auf Effizienz wert legt, sondern dass man sich künstlich beschäftigt und sich gleichzeitig enormen Stress dabei macht, um seine langen Anwesenheitszeiten zu rechtfertigen. Man glaubt sich unersetzlich, merkt nicht, wie unbedeutend der Job eigentlich ist ( http://karinkoller.wordpress.com/2011/06/14/arbeit/ ).
In der Freizeit und in der Familie ist man unersetzlich. Ruhephasen regenerieren. Das führt zu besserer Arbeitsleitung. Das ist nicht nur bei Anwälten so.

Zinsenfeger
01
1.12.2011, 11:33

Richtig. Mir will es oft so scheinen, dass die "Vielbeschäftigten" zur Gschaftlhuberei neigen. Wird aber leider auch von den Chefs so eingefordert.

Hatte einmal eine Vorgesetzte, die wollte die Leute immer in Bewegung sehen. Wer einfach nur an seinem Arbeitsplatz saß, um in Ruhe seine Arbeit zu machen, der tat ihrer Meinung nach nichts...

Publius C. Pulcher
00
30.11.2011, 12:33

auch zum link passend: Narzissmus ist das stichwort.

die lösung darauf kann vielleicht jedeR einzelne für sich finden. aber solange die medien, die politik und so weiter (die "gesellschaft") immer weiter ein unerreichbares idealbild zeichnen wird es immer ein kampf sein. wenn wir wollen, dass dieser k(r)ampf aufhört, müssen wir uns als gesellschaft neue ziele setzen.

wir leben um zu arbeiten.
sollte es nicht andersrum sein?

Thegoodshepherd
43
30.11.2011, 08:11
Ich habe mit solchen Getriebenen nicht das geringste Mitleid, denn......

sie sind es, die mit ihren krankhaft ehrgeizigen, den Chefs anbiedernden Verhaltensweisen den Maßstab für die Vorgesetzten schaffen, an denen sich dann alle zu orientieren haben. Meistens sind diese Leute zu verbissen und zu feig, einmal ein kräftiges "Nein" zu äußern, wenn sie merken, dass sie ein schlechtes Gewissen haben, weil sie schon um 22.00 Uhr das Büro verlassen. Ständig geben sie vor unabkömmlich zu sein um sich in alle Fachgebiete einmischen zu können, mit denen sie nicht das Geringste zu tun haben. Wenn es darum geht KollegInnen bei den Chefitäten anzuschwärzen oder deren Arbeit schlechtzumachen sind sie mit Ihren Ellbogentaktiken immer an vorderster Stelle zu finden. Mitleid nicht von mir!

chrilly donninger1
49
29.11.2011, 20:59
Mein Mitleid hält sich in Grenzen

Ich hackle auch viel. Vor allem weil es mir Spass macht. Aber ich geh auch mit meinem Hund täglich vor der Dämmerung (im Moment zwischen 15 und 16Uhr) eine Runde. Da kann der liebe Gott was wollen. Soll er sich halt bis 16:15 gedulden.
Als gut ausgebildeter Mensch kann man sich solche Freiräume schaffen. Wer das nicht tut ist selber Schuld.
Ich glaub auch nicht, dass für das beschriebene Verhalten äussere Zwänge verantwortlich sind. Das sind von ihrer Persönlichkeitsstruktur Zwangler.

Ganz anders schaut es auf den unteren Sprossen der Hackordnung aus. Da gehts nicht um Karriere oder nicht Karriere. Sondern ums nackte Überleben. Da kann man auch nicht sagen: Ich geh mit meinem Hund eine Runde, aus basta.

stahlstadtkind
05
30.11.2011, 19:56

ehrlich gesagt: als rechtsanwaltsanwärter ist man in der hackordnung von kanzleien ganz, ganz weit unten.

Panzerverband
27
29.11.2011, 19:53
Erklären Sie das nicht mir,

sondern den Arbeitgebern und/oder dem Gesetzgeber, dass dieser endlich der Ausbeutung einen Riegel vorschiebt.

Die Gräuliche Barbaren-Show
016
29.11.2011, 19:05
Immer mehr Menschen dämmert inzwischen, dass das, was gemeinhin in den Medien als "Erfolgreich" präsentiert wird,

in Wirklichkeit der denkbar größte Misserfolg ist (für den Einzelnen und für die globale Situation).

Denn es spottet meist jeder Nachhaltigkeit und jeder Sinnhaftigkeit.

her wig
11
29.11.2011, 18:23
Es kann nur einen geben

der an der Spitze der Leistungshierarchie steht. Wer es geschafft hat muss sofort alles daran setzen die Position zu behalten, was geht indem man alle anderen für sich arbeiten lässt. Wer es nicht schafft, der wird aufgeben, mit der Einsicht dass es ein Pyramidenspiel ist. Mitspielen tun daher nur solche die noch naiv sind und glauben dass sie es bis an die Spitze schaffen - und manchmal gelingt das ja wirklich.

Man könnte auch Lotto spielen, da sind die Mindesteinsätze niedriger.

der schwitzbär der schwitzt sehr
06
29.11.2011, 18:19
Der Mensch wird nur noch als Rohstoff verstanden

den man zwecks Profitgenerierung in einen Wertschöpfungsprozeß einbringt - oder eben nicht

ihr solltet mehr Harvard Business Review und Newsletter lesen, dann versteht ihr die Denkweise des Feindes

nur Jammern wird nix bringen - man muß verstehen, bekämpfen und siegen

Karl Krammer
92
29.11.2011, 18:14
körperliche Ursachen?

Müdigkeit und Gereiztheit können auch Anzeichen für richtige Krankheiten sein, etwa eine Schilddrüsen-Überfunktion, eventuell auch Unterfunktion. Ist gerade bei Frauen das erste, an das ich denke. Und das kann auch schon sein, wenn die Laborwerte noch im normalen Bereich sind. Auch andere Hormone könnten verrückt spielen. Oder eine Allergie. Oder eine Nahrungsmittelunverträglichkeit...

Die Psychoschiene wird leider oft dann eingesetzt, wenn die Ärzte keine organische Ursache finden. Ich wurde auch schon zum Neurologen überwiesen, nachdem 12 Ärzte nichts gefunden hatte. Stellte sich dann doch heraus, daß es ein organisches Leiden war, das sich einfach beheben ließ. Die Arbeit ist seitdem eher mehr geworden, daran lag es aber nie.

AnnoN
10
29.11.2011, 18:00
wow, was für eine neuartige erkenntnis

weit mehr gefährdet für burnout sind übrigens arbeiter/innen.

chrilly donninger1
30
29.11.2011, 21:09
Die haben auch einen Stress

während sich die hier beschriebenen armen Rechtsanwälte nur selber einen machen.

Ausgeflippter Lodenfreak
06
29.11.2011, 17:19

Was sich verallgemeinern lässt ist, dass es die Wirtschaft geschafft hat, dass die Mitarbeiter, die Vorstellung des ewigen Wachstums auf sich selbst anwenden. Jeder soll lebenslang lernen, immer effektiver werden und dabei immer erreichbar und flexibel sein. Das wird dann als selbstverständlich verkauft und wer dazu nicht bereit ist, ist halt kein Erfolgsmensch. Auch ohne Burn Out kommen viele Menschen aber nach einiger Zeit darauf, dass sie für dumm verkauft werden und die guten Gehälter eigentlich noch viel zu wenig für die gebrachte Leistung sind und die Versprechungen nie eingehalten werden - sie also von den Firmen ausgesaugt und angelogen (Fachkräftemangel, Karrierechancen, HR-Blabla, usw.) werden.

santa fe
 
218
29.11.2011, 15:50
der euphemismus "leistungsgesellschaft": 1% über-süchtige auf erfolg, macht, geld haben den rest der menschheit verschiedengradig süchtig gemacht, weil ein sucht-system nur funktioniert, wenn es totalitär eskaliert.

ohne würde, lebenssinn und willen zur änderung, betäubt mit chemischen keulen und alkohol, folgen wir der FI (finanzindustrie) in ihren selbstmord durch überdosis, der immer deutlicher die form eines noch nie dagewesenen weltkriegs annimmt.

die vielleicht grösste krise der menschheit ist gleichzeitig ihre grösste chance auf evolution, und zwar aus dem sklavenzustand, den die demokratie bisher nicht wirklich abschaffen konnte.

gewaltloser widerstand der 99%, die FI hat das

BEDINGUNGSLOSE GRUNDEINKOMMEN für alle

zu finanzieren, statt des allgemeinen tods durch überdosis die allgemeine kaufkraft, von der die wirtschaft zu 80% abhängt. die automatisierung hat die freiwilligkeit von arbeit und damit die evolutionäre kreativität ermöglicht.

Entfesselter Prometheus
00
30.11.2011, 11:28
Sehr löblich

Dabei ist die größte Schlacht beinahe schon vorbei bevor die Mehrheit der Masse überhaupt erkannt hat, dass hier ein noch nie gesehener Weltkrieg tobt.

notanickname
30
29.11.2011, 21:10

ihre forderung ist genauso sinnlos und kann auf dauer genausowenig funktionieren wie unser aktuelles pyramidenspiel ähh geldsystem.

vivo
01
29.11.2011, 20:04
Dieses Suchtsystem funktioniert wegen gezielter Manipulation und Verdummung der Massen.

Ein Buchtipp:
Markus Metz, Georg Seeßlen; 2011;
Blödmaschinen - Die Fabrikation der Stupidität

http://www.suhrkamp.de/buecher/b... 12609.html

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