Sprachtest als App fürs Handy

29. November 2011, 10:30
posten

Max-Planck-Sprachpsychologen gewinnen darüber mehr Daten zur Sprachverarbeitung im Gehirn.

Hurz oder Hund - welches ist ein echtes Wort und welches nicht? Mit solchen lexikalischen Entscheidungsaufgaben versuchen Forscher herauszufinden, was im Gehirn geschieht, wenn Menschen Worte lesen. Bisher fanden solche Experimente in Sprachlabors statt, wo die Teilnehmer vor einem Monitor saßen und via Ja- und Nein-Taste über Sinn oder Unsinn der Buchstabenreihe auf dem Bildschirm befanden.

"Revolutionär"

Smartphone und Co dringen auch in die Welt der Wissenschaft vor: Forscher am Max-Planck-Institut für Psycholinguistik im niederländischen Njimegen, haben den Testklassiker als App für mobile Geräte adaptiert. Was sich laut David Peeters in vielerlei Hinsicht als "revolutionär" erweist: "Binnen vier Monaten haben wir so eine Datenmenge gewonnen, für die wir sonst mehr als drei Jahre brauchten", sagt der Sprachpsychologe. Der koordinierte Einsatz neuer Kommunikationstechnologien biete die Möglichkeit, die Studien in bisher undenkbaren Größenordnungen zu betreiben.

Bei lexikalischen Entscheidungsaufgaben werden Probanden mit einem Wort aus ihrer Muttersprache konfrontiert. Ihre Reaktionszeit liefert z. B. Aufschluss darüber, ob häufige oder konkrete Wörter schneller erkannt werden als seltene oder abstrakte.

Alphabet

Im ersten Durchgang entschieden sich die Wissenschafter, das Projekt in sieben Sprachen durchzuführen, die das lateinische Alphabet verwenden (Englisch, Katalanisch, Baskisch, Niederländisch, Französisch, Malaiisch und Spanisch). Die Wissenschafter platzierten Anwendungsprogramme mit lexikalischen Entscheidungsaufgaben in den App-Store eines bekannten Smartphone-Anbieters, der mit Werbung darauf aufmerksam machte. Die speziell dafür entwickelten Programme bieten Testdurchläufe mit 50 bis 140 Wörtern, die per Zufallscode auf dem Display erscheinen.

Die Einladung zum "Daddeln für die Wissenschaft" fand großes Echo. Die meisten Teilnehmer sind bisher Niederländer. Mehr als 5000 Antworten hat Peeters von seinen Landsleuten bekommen. Mit den Analysen wollen die Forscher aber erst beginnen, wenn mindestens 10.000 Testergebnisse aus jeder Sprache vorliegen. Die ersten Zwischenergebnisse haben immerhin schon gezeigt, dass der Test via Handy genauso zuverlässig funktioniert wie unter Laborbedingungen.

Nahmen im Labor vor allem Studenten an den Tests teil, erreichen die Wissenschafter jetzt auch ältere Menschen mit unterschiedlichen Berufen, was die Ergebnisse repräsentativer macht. Auch können die verschiedenen Sprachen miteinander verglichen werden. (red)

Share if you care.