Ehemaliger NPD-Funktionär als Helfer des Terror-Trios

29. November 2011, 17:32
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Ralf W. wegen sechsfacher Beihilfe zum Mord verhaftet - "Zur Zeit" beim "Fest der Völker" angemeldet

Berlin/Wien - Er soll dem Zwickauer Terror-Trio eine Waffe und Munition besorgt haben und wird der Beihilfe zum Mord in sechs Fällen verdächtigt: Am Dienstag verhaftete die Polizei in Jena einen weiteren Verdächtigen in der Neonazi-Mordserie, den amtsbekannten Rechtsextremen Ralf W.

W. hatte bereits in den 1990er- Jahren enge Kontakte zu den mutmaßlichen Terroristen Uwe W., Uwe M. und Beate Z. Er soll dem Trio bei ihrem Untertauchen geholfen und sie im Untergrund mit Geld versorgt und von ihren Straftaten gewusst haben.

Den Neonazis Uwe M., Uwe B. und Beate Z. wird vorgeworfen, neun türkische und einen griechischen Kleinunternehmer sowie eine deutsche Polizistin ermordet zu haben. Zudem soll das Trio mehrere Sprengstoffanschläge auf Migranten in deutschen Städten begangen haben.

Seit Jahren taucht der nun verhaftete W. in den Rechtsextremismus-Berichten des Verfassungsschutzes auf: Er trat 1999 in die rechtsextreme NPD ein und war von 2006 bis 2008 ihr stellvertretender Vorsitzender in Thüringen. 2010 trat er aus "persönlichen Gründen" aus der Partei aus.

Kontakt zur freien Szene

W. soll ein wichtiger Kontaktmann zwischen NPD und den sogenannten "Freien Kameradschaften" sein, in denen zahlreiche Neonazis organisiert sind. Er baute in Jena das sogenannte "braune Haus" auf, einen ehemaligen Gasthof, der zum wichtigen Treff der Szene wurde. In den 1990er- Jahren bildete er gemeinsam mit den mutmaßlichen Terroristen die "Kameradschaft Jena".

Die deutsche rechtsextreme Szene hat auch viele Verbindungen nach Österreich. Ein Infostand der Zeitung des FPÖ-Europaparlamentariers Andreas Mölzer, Zur Zeit, war auf dem rechtsextremen Fest der Völker der "Kameradschaft Jena" angemeldet, das von André K. veranstaltet wurde - einem Freund der Zwickauer Terroristen. "Zur Zeit ist keine Zeitung der FPÖ. Das ist Sache von Andreas Mölzer. Wir haben keine Kontakte zu Rechtsextremen", sagt FPÖ- Generalsekretär Herbert Kickl.

Der bekennende Nationalsozialist Gottfried Küssel frequentierte das Fest der Völker über die Jahre ebenso und wurde auch bei österreichischen Treffen der extremen Rechten mit FPÖ-Parlamentariern wie dem (2010 pensionierten) Lutz Weinzinger oder Elmar Podgorschek fotografiert. Die Fotos, auf denen er mit FPÖ-Politikern zu sehen ist und die der Standard vor Monaten veröffentlichte, will Kickl aber nicht kennen.

Dass eine Aussteigerin aus der deutschen Neonaziszene im Standard-Interview sagte, die FPÖ habe Kontakte zur Neonaziszene und sei ein wichtiges Bindeglied im Gesamtnetzwerk, kommentierte Kickl mit: "Das ist absoluter Unfug." (red, cms, DER STANDARD-Printausgabe, 30.11.2011)

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    Ein Polizist kurz nach der Verhaftung des rechtsextremen Ralph W. in Karlsruhe, der dem Zwickauer Terror-Trio eine Waffe und Munition besorgt haben soll.

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