Ralf W. wegen sechsfacher Beihilfe zum Mord verhaftet - "Zur Zeit" beim "Fest der Völker" angemeldet
Berlin/Wien - Er soll dem Zwickauer Terror-Trio eine Waffe und Munition
besorgt haben und wird der Beihilfe zum Mord in sechs Fällen
verdächtigt: Am Dienstag verhaftete die Polizei in Jena einen weiteren
Verdächtigen in der Neonazi-Mordserie, den amtsbekannten Rechtsextremen
Ralf W.
W. hatte bereits in den 1990er- Jahren enge Kontakte zu den mutmaßlichen
Terroristen Uwe W., Uwe M. und Beate Z. Er soll dem Trio bei ihrem
Untertauchen geholfen und sie im Untergrund mit Geld versorgt und von
ihren Straftaten gewusst haben.
Den Neonazis Uwe M., Uwe B. und Beate Z. wird vorgeworfen, neun
türkische und einen griechischen Kleinunternehmer sowie eine deutsche
Polizistin ermordet zu haben. Zudem soll das Trio mehrere
Sprengstoffanschläge auf Migranten in deutschen Städten begangen haben.
Seit Jahren taucht der nun verhaftete W. in den
Rechtsextremismus-Berichten des Verfassungsschutzes auf: Er trat 1999 in
die rechtsextreme NPD ein und war von 2006 bis 2008 ihr
stellvertretender Vorsitzender in Thüringen. 2010 trat er aus
"persönlichen Gründen" aus der Partei aus.
Kontakt zur freien Szene
W. soll ein wichtiger Kontaktmann zwischen NPD und den sogenannten
"Freien Kameradschaften" sein, in denen zahlreiche Neonazis organisiert
sind. Er baute in Jena das sogenannte "braune Haus" auf, einen
ehemaligen Gasthof, der zum wichtigen Treff der Szene wurde. In den
1990er- Jahren bildete er gemeinsam mit den mutmaßlichen Terroristen die
"Kameradschaft Jena".
Die deutsche rechtsextreme Szene hat auch viele Verbindungen nach
Österreich. Ein Infostand der Zeitung des FPÖ-Europaparlamentariers
Andreas Mölzer, Zur Zeit, war auf dem rechtsextremen Fest der Völker der
"Kameradschaft Jena" angemeldet, das von André K. veranstaltet wurde -
einem Freund der Zwickauer Terroristen. "Zur Zeit ist keine Zeitung der
FPÖ. Das ist Sache von Andreas Mölzer. Wir haben keine Kontakte zu
Rechtsextremen", sagt FPÖ- Generalsekretär Herbert Kickl.
Der bekennende Nationalsozialist Gottfried Küssel frequentierte das Fest
der Völker über die Jahre ebenso und wurde auch bei österreichischen
Treffen der extremen Rechten mit FPÖ-Parlamentariern wie dem (2010
pensionierten) Lutz Weinzinger oder Elmar Podgorschek fotografiert. Die
Fotos, auf denen er mit FPÖ-Politikern zu sehen ist und die der Standard
vor Monaten veröffentlichte, will Kickl aber nicht kennen.
Dass eine Aussteigerin aus der deutschen Neonaziszene im
Standard-Interview sagte, die FPÖ habe Kontakte zur Neonaziszene und sei
ein wichtiges Bindeglied im Gesamtnetzwerk, kommentierte Kickl mit: "Das
ist absoluter Unfug." (red, cms, DER STANDARD-Printausgabe, 30.11.2011)