Forscher decken Photoshop-Lügen der Stars auf

29. November 2011, 09:56
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US-Wissenschaftler haben ein Tool entwickelt, das misst, wie stark ein Foto verfremdet wurde

Ein makelloser, leuchtender Teint, straffe Arme und Beine, ein flacher Bauch, volles Haar, blendend weiße Zähne und blitzende Augen. So lächeln Models, Schauspieler und Musiker von Plakaten oder aus Magazinen. Stress und Alter scheinen ihnen nichts anzuhaben. Dass etwas faul ist, wenn ein 50-jähriger George Clooney wie 30 aussieht und eine Angelina Jolie als Mutter von sechs Kindern den Teint einer 20-Jährigen hat, ist klar. Wissenschaftler haben nun ein Tool entwickelt, das messen soll wie stark ein Foto mit Photoshop bearbeitet wurde.

Proteste gegen Photoshop-Lügen

Die Fototricks in Magazinen und Werbung nehmen mittlerweile ein Ausmaß an, das sich viele nicht mehr gefallen lassen wollen. Untersuchungen haben ergeben, dass solche Fotos vor allem unter jungen Frauen, aber auch zunehmend unter Männern Essstörungen begünstigen können. So fordert die American Medial Association Werbeagenturen auf, Fotos nicht mehr so stark zu verändern, dass sie "unrealistische Erwartungen eines angemessenen Körperbildes" bewerben. In Europa wollen feministische Organisationen durchsetzen, dass retuschierte Fotos in Magazinen und Werbung als solche gekennzeichnet werden.

Tool misst Grad der Verfremdung

Hany Farid und Eric Kee vom Dartmouth College in New Hampshire wollen das Problem jedoch von einer anderen Seite angehen, berichtet die New York Times. Statt nur darauf hinzuweisen, dass ein Bild verändert wurde, wollen sie zeigen wie stark die Verfremdungen sind. Die beiden Informatiker haben dafür eine Software entwickelt, die auf einer Skala von 1 bis 5 misst, wie stark ein Foto bearbeitet wurde. Einige Beispiele mit Vorher/Nachher-Fotos haben die Forscher auf einer Website veröffentlicht. Viele der Aufnahmen stammen von professionellen Grafikern, die damit ihre Photoshop-Künste bewerben. Die Skala von 1 bis 5 basiert auf Befragungen Hunderter Personen, die einschätzen sollten, wie stark ein Foto verändert wurde.

Selbstregulierung

Mit dem Tool hoffen die Wissenschaftler auf das Problem aufmerksam zu machen und zu einer Art Selbstregulierung beizutragen. Durch Aufklärung und mehr Transparenz sollen Anreize geschaffen werden, die eine Reduktion der Retusche-Arbeiten zur Folge haben. "Models beispielsweise könnten sagen, 'Ich will keine 5 sein. Ich will lieber eine 1 sein'", hofft Farid. (red)

  • Tool deckt auf, wie stark ein Foto verfremdet durch (größere Vorher/Nachher-Aufnahmen finden Sie hier)
    quelle: www.cs.dartmouth.edu

    Tool deckt auf, wie stark ein Foto verfremdet durch (größere Vorher/Nachher-Aufnahmen finden Sie hier)

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