Eingepferchte Perchten

30. November 2011, 16:38
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Wenn der Schrecken berechenbar wird in den Alpentälern

Brauchtum boomt. Und zwar derartig, dass es mittlerweile eigene Brauchtumsreiseveranstalter gibt, die auf nichts anderes spezialisiert sind als auf Christkindlmärkte, Holzschnitzer, Adventchöre etc. Aber das Brauchtum blüht nicht nur, es treibt auch seltsame Blüten.

So werden die Perchten, einst gar wilde Gesellen, die bei Einbruch der Dunkelheit mit Ketten und Schellen durchs Dorf fegten, und für Angst und Schrecken unter den eigens herbeigeeilten Teenagern sorgten, heutzutage vorgeführt wie die Zootiere. Mancherorts dürfen sie nur zu verabredeter Stunde im eingezäunten Geviert ein bissl bös tun. Dazu gibt es eine Feuershow und Musik vom Band von Rammstein, die ja bekanntlich auch nur bös tun.

Kein Wunder, dass sich die Armen keinerlei Respekt mehr verschaffen können und sogar von Volksschulkindern verlacht werden. Aber wo das Böse zur domestizierten Lachnummer wird, hat auch das Gute keine kontrastierende Chance. Da braucht der Nikolaus erst gar nicht zu kommen. (Tanja Paar/derStandard.at/30.11.2011)

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    Die Perchten von heute lassen sich an der Nase herumführen.

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