Keine Verletzten - Israel spricht von "schwerwiegendem" Vorfall - Armee nahm Abschussgebiet im Südlibanon unter Artilleriebeschuss
Tel Aviv/Beirut - Zum ersten Mal seit mehr als zwei
Jahren ist Israel wieder mit Raketen aus dem Libanon beschossen
worden. In der Nacht seien vier Raketen im westlichen Galiläa
eingeschlagen, sagte der israelische Polizeisprecher Mickey Rosenfeld
am Dienstag. Niemand sei verletzt worden. Die israelische Armee
beantwortete den Angriff mit Artilleriefeuer auf das Abschussgebiet.
Eine Gruppierung namens Abdullah-Assam-Brigaden bekannte sich im
Libanon zu der Tat. Sie ist nach einem palästinensischen
Islamistenprediger benannt, der als Mentor des im Mai in Pakistan
getöteten Al-Kaida-Chefs Osama bin Laden galt.
"Die israelische Armee betrachtet dies als einen schwerwiegenden
Vorfall", hieß es in einer Mitteilung des Militärs. Die libanesische
Regierung und die Armee trügen die Verantwortung, solche
Raketenangriffe zu verhindern. Nach UN-Angaben wurden in einem Tal in
der Nähe des christlichen Dorfes Ain Ebel im Libanon eine
Abschussrampe und eine Stoppuhr gefunden.
Zwei Raketen hätten ein landwirtschaftliches Gebiet in dem
kleinen Ort Netua getroffen und dort mehrere Dutzend Küken getötet,
sagte Polizeisprecher Rosenfeld. Eine dritte Rakete sei in einem Dorf
an der Grenze zum Libanon niedergegangen, die vierte auf offenem
Gelände. Polizei und Militär seien in der Umgebung in erhöhte
Alarmbereitschaft versetzt worden.
Eine israelische Armeesprecherin in Tel Aviv sagte, es handle sich
um den ersten Angriff dieser Art seit zwei Jahren. Im Oktober 2009
war eine einzelne Rakete in der Nähe der israelischen Ortschaft Kfar
Blum eingeschlagen. Damals bekannte sich dieselbe Gruppierung zu der
Tat.
Der Kommandant der Interimstruppe der Vereinten Nationen im
Libanon (Unifil), Alberto Asarta Cuevas, sagte am Dienstag: "Dieser
Vorfall ist schwerwiegend und zielt eindeutig darauf ab, die
Stabilität in der Region zu stören." Man werde gemeinsam mit der
libanesischen Armee versuchen, die Schuldigen zu fassen. Er rief alle
Seiten zur äußersten Zurückhaltung auf, um eine weitere Eskalation
der Lage zu vermeiden.
An der israelisch-libanesischen Grenze war es in den
zurückliegenden Jahren verhältnismäßig ruhig. Im Sommer 2006 hatten
sich die israelische Armee und die pro-iranische Hisbollah im
sogenannten Libanonkrieg mehr als 30 Tage lang blutige Kämpfe
geliefert. Der Krieg kostete mehr als 1.200 Libanesen und 160
Israelis das Leben. (APA)