Mobile Hilfe für Missbrauchsopfer

5. Juni 2003, 15:06
posten

Initiative für Hilfe "unmittelbar nach der Tat"

Linz - Eine Art "mobilen Hilfsdienst" für Missbrauchsopfer fordern nun oberösterreichische Experten. Beratungsstellen gebe es genug, was in Oberösterreich fehle, sei ein "aufsuchendes Hilfsprojekt", bei dem unmittelbar nach der Tat die Initiative ergriffen wird und man sich der Opfer, die sexuelle oder körperliche Gewalt erlebt haben, annimmt, erklärte Ingrid Laimer vom Sozialverein "NEUstart" in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der oberösterreichischen Kinder- und Jugendanwältin Maria Fischnaller und Experten von Männer-beratungsstellen am Mittwoch in Linz.

Rasche Opferbetreuung

Vergleichbare Projekte gebe es bereits in Wien und Kärnten: "In Oberösterreich ist solch ein Vorhaben bis dato leider an der Finanzierung gescheitert", sagte Laimer. Die Forderung nach einer "noch rascheren Opferbetreuung" war das Teilergebnis einer Expertenrunde, die vergangenen Montag in Linz tagte.

Täterarbeit

Klar habe man sich, so der Leiter der Männerberatung des Landes, Eduard Waidhofer, für ein "intensives Weiterarbeiten" auf dem Gebiet der so genannten Täterarbeit ausgesprochen. "Eine Vielzahl wissenschaftlicher Studien hat klar gezeigt, dass durch die Arbeit mit den Tätern die Rückfallquote stark gesenkt und damit viel Leid verhindert werden konnte", erklärte Waidhofer.

Ein besonders wichtiges Ziel in der Arbeit mit pädophilen oder gewalttätigen Männern sei es, so Fischnaller, einerseits den Opfern die - oft selbst auferlegte - Schuldfrage zu nehmen und andererseits die Verantwortung für die Tat klar dem Täter "aufzuladen". Ausreden wie "sie hat mich provoziert" oder "sie wollte es doch auch" hätten in den Therapiesitzungen nichts verloren, die Schuld trage der Täter ganz alleine, erklärte Waidhofer. (mro, DER STANDARD Printausgabe 5.6.2003)

Share if you care.