Zweites steirisches Frauenhaus öffnet 2004

4. Juni 2003, 19:39
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Im Vorjahr mussten 58 misshandelte Frauen und 69 Kinder aus Platzmangel abgewiesen werden - Frauenhaus ist ständig mehr als überlastet

Graz - Das Grazer Frauenhaus musste im Vorjahr 58 misshandelte oder bedrohte Frauen und 69 Kinder aus Platzmangel abweisen. Das geht aus dem Jahresbericht 2002 der bisher einzigen steirischen Zufluchtsstätte für weibliche Gewaltopfer hervor.

Frauenhaus ist ständig mehr als überlastet

Das Frauenhaus ist demnach ständig mehr als überlastet. 117 Frauen und 111 Kinder konnten allein 2002 betreut werden, wobei jede vierte Frau länger als drei Monate blieb. Die Wahrscheinlichkeit, später eine vom gewalttätigen Partner unabhängige Existenz aufzubauen, ist dabei nach einem längeren Aufenthalt höher. Mehr als 75 Prozent der Frauen waren 21 bis 40 Jahre alt, nur knapp die Hälfte waren Grazerinnen.

Zweites Haus 2004 Mit der Eröffnung des jahrelang geforderten neuen Standortes im obersteirischen Kapfenberg, die für den Sommer 2004 geplant ist, erhofft man sich eine dringend nötige Entlastung. Schon jetzt waren elf Prozent der Bewohnerinnen des Grazer Frauenhauses aus der Obersteiermark. "Aber für sehr viele Frauen ist es schwierig, überhaupt nach Graz zu kommen", weiß die Geschäftsführerin des Vereins "Frauenhäuser Steiermark", Angelika Ratswohl.

Den Wettbewerb für das zweite steirische Frauenhaus gewann die Architektin Ulrike Tischler, die nun sofort mit der Arbeit beginnen wird. Als Überbrückungshilfe für das nächste Jahr, wird es bereits - "früher als erhofft" - ab 3. Juli eine Beratungsstelle in einem Büro in der Kapfenberger Innenstadt geben.

Dass die Frauen in einer Kleinstadt eher Scheu hätten, eine solche Einrichtung zu besuchen, weil ihre Anonymität gefährdet ist, glaubt Ratswohl nicht: "Es gibt viele Frauenhäuser in Österreich in kleinen Städten, die durch besondere Schutzeinrichtungen genauso sicher sind wie jene in Großstädten." (cms, DER STANDARD Printausgabe 5.6.2003)

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