ÖGB will weiterkämpfen

4. Juni 2003, 19:23
posten

Streikschaden: 100 Millionen Euro

Wien - Die Gallup-Umfrage, nach der 57 Prozent Fritz Verzetnitsch als "Sieger" des Streiks vom Dienstag sehen, hätte der ÖGB-Präsident eigentlich nicht gebraucht. Im Nationalrat trat er selbstbewusst als Experte auf und mahnte: "Bei dieser Bundesregierung muss man sehr genau auf das Kleingedruckte achten."

So würde von Schwarz-Blau der Eindruck erweckt, dass die Erhöhung der Anrechenbarkeit der Kinderbetreuungszeiten von 18 auf 24 Monate für alle gelte. Tatsächlich treffe dies aber nur für Geburten ab 2002 zu. Dem Kanzler warf er Zögern vor: "Eine Harmonisierung vielleicht im Herbst - mehr kam von Schüssel nicht. So geht's nicht!"

Der ÖGB-Chef wehrte sich auch dagegen, dass ihm der Druck der Straße vorgehalten werde: "Zum Wahlkämpfen gehen die Regierungsparteien sehr gerne auf die Straße. Wenn diese aber zurückspricht, dann halten sie das nicht aus."

Hans Sallmutter, Chef der Gewerkschaft der Privatangestellten, kündigte an, die Pensionsreform weiter zu bekämpfen. Die Gewerkschaft werde "versuchen, mit demokratischen Mitteln die Beschlussfassung dieses Gesetzes zu verhindern".

Die Streiks am Dienstag haben die heimische Volkswirtschaft offenbar weniger gekostet als zuvor befürchtet. Die Wirtschaftskammer beziffert den volkswirtschaftlichen Schaden mit weniger als 100 Millionen Euro, auf eine ähnliche Einschätzung kommt die Industriellenvereinigung.

Die höchste Einschätzung kommt vom Linzer Volkswirtschaftsprofessor Friedrich Schneider. Die Einbußen aus den Streiks lägen "alle Folgekosten eingerechnet" zwischen 400 und 500 Millionen Euro. (cs/DER STANDARD, Printausgabe, 5.6.2003)

Share if you care.