Chorischer Dreiklang

4. Juni 2003, 19:53
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Frauenmonologe von Barbara Hundegger im 'kulturhaus tirol'

Drei Frauen sprechen. Erzählen von Lebensformen, die verschiedener nicht sein könnten: als Prostituierte, (ehemalige) Ordensfrau bzw. Frauenzentrums-Lesbe bestreiten sie einen gerade in Hinblick auf diese Biografien bewusst unspektakulär (und bis auf wenige Ausrutscher antispekulativ!) gehaltenen Abend. Regisseurin Margit Drexel setzt auf die Geschichten Barbara Hundeggers und inszeniert sie, den nur beschränkt zugänglichen Orten und (Bewegungs-)Räumen dieser Frauen entsprechend, kaum dynamisch. Dafür umso aufregender deren Titel: und kein schluss bleibt auf der andern - nutte nonne lesbe - drei mal raten zählen bis drei.

Spannung findet, wenn, dann implosiv statt. Wesentlich unterstützt werden die drei Darstellerinnen vom "Frauenchor", dessen Passagen - Highlights in Text und Gestaltung - das Stück stark tragen und die Sprache Hundeggers stimmig zum Klingen bringen. In gewagter Umkehrung von Quantität und Qualität werden die Monologe zu Einschüben zwischen den chorischen Knotenpunkten, die in hoch verdichteter Zusammenschau mehr "auf die Reihe kriegen" als der lange Bühnensteg, von dem aus nutte, nonne, lesbe ihre aus der Reihe tanzenden und nicht nur mühsamen Leben doch oft recht bemüht bereden. (pen/DER STANDARD, Printausgabe, 5.6.2003)

kulturhaus tirol,
6020 Innsbruck, Rennweg,
(0512) 566 533,
Eintritt gemäß dem Einkommen:
Frauen 12,
Männer: 16 €.

5./6. 6., 20.15
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