Neugebauer sieht "Chancen für Nachbesserungen"

5. Juni 2003, 12:57
11 Postings

Christgewerkschafts-Chef STANDARD-Interview: "Was jetzt auf dem Tisch liegt, ist der Stand der Sozialpartnergespräche bis zur Vorwoche"

Christgewerkschafter-Chef Fritz Neugebauer gilt als Schlüsselfigur für die Regierungsmehrheit zur Pensionsreform. Im Gespräch mit Conrad Seidl ist er vorsichtig optimistisch.

STANDARD: Die Rede des Bundeskanzlers besagt, er anerkenne die Sorgen, die hinter dem Streik stehen. Sind Sie zufrieden mit dem Erreichten?

Neugebauer: Die Rede habe ich mit großer Zustimmung registriert. Ich kann aber noch nichts Abschließendes zum vorliegenden Entwurf sagen. Das Ergebnis der parteiinternen Verhandlungen ist über Nacht verschriftlicht worden und wird nun einer genauen Analyse unterzogen.

STANDARD: Sie vermitteln aber den Eindruck, dass inhaltlich einiges bewegt wurde. Genug?

Neugebauer: Das kann man noch nicht sagen. Was wichtig ist für die Gesamtbeurteilung, ist, den Antrag zur Harmonisierung zu kennen. Den werden wir mitgestalten. Der darf nicht verwaschen sein. Er darf aber auch nicht falsche Erwartungshaltungen wecken - weil das eine Aufgabe von hoher Staatskunst ist. Es gibt Erwartungen, dass ab 31. Dezember dieses Jahres alles gleich und harmonisiert wäre; aber das geht schon wegen des unterschiedlichen Pensionsanfallsalters von Männern und Frauen im ASVG nicht.

STANDARD: Metaller-Chef Rudolf Nürnberger hat gemeint: Bis 30. September hätten die Sozialpartner eine Pensionsreform inklusive Harmonisierung konstruieren können. Wäre das zu optimistisch?

Neugebauer: Ich meine, man hätte das Angebot der Sozialpartner aus einem anderen Grund annehmen sollen: weil es eine Selbstbindung und Mitverantwortung bedeutet hätte. Aber was jetzt auf dem Tisch liegt, ist der Stand der Sozialpartnergespräche bis zur Vorwoche.

STANDARD: Und was weiter?

Neugebauer: Ein Streiktag wie der gestrige ist nicht nur Auftrag an die Politik, sondern auch an die Gewerkschaftsführung, sich an den Verhandlungstisch zu setzen. Der steht jetzt in den parlamentarischen Ausschüssen.

STANDARD: Gibt es noch Chancen auf Nachbesserungen?

Neugebauer: Absolut. Wir müssen das Gesetz des Handelns aufgreifen - man kann doch jetzt nicht sagen: Warten wir, was passiert. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.6.2003)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Neugebauer: "Wir müssen das Gesetz des Handelns aufgreifen"

Share if you care.