Alitalia-Streit trifft Passagiere

5. Juni 2003, 11:24
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Der Protest des Personals gegen die Sparpläne hat Verbraucherschützer auf den Plan gerufen - Sie klagen die Ärztekammer wegen leichtfertiger Ausstellung von Krankheitsattesten

Italiens Flugverkehr verlief auch am Mittwoch nach drei chaotischen Tagen nicht in geordneten Bahnen. Grund für das Chaos ist eine bei den Flugbegleitern plötzlich ausgebrochene "Epidemie". 988 der insgesamt 2000 Alitalia- Flugbegleiter sind am Wochenende aus Protest gegen den Sanierungsplan der nationalen Fluggesellschaft plötzlich erkrankt, das heißt krankgeschrieben worden.

Der Verbraucherverband Codacons will nun die Ärztekammer wegen ihres leichtfertigen Verhaltens klagen. Inzwischen verhandelt das Alitalia Management mit den Gewerkschaften und der Regierung, um einem Ausweg aus der verzwickten Situation zu finden. Angeblich soll der Personalabbau zumindest während der Sommermonate gestoppt werden. Gesprochen wird auch von einem neuen Geschäftsplan, der präsentiert werden soll.

Pseudokrankheiten des Flugpersonals

Nach Angaben von Codacons schaden die Pseudokrankheiten des Flugpersonals der Sozialversicherung Inps und damit der gesamten Bevölkerung. Am Dienstag und Mittwoch sind 30.000 Alitalia-Passagiere am "Boden" geblieben. Die Staatsanwaltschaften von Rom und Mailand ermitteln, inwieweit es sich bei der Arbeitsabsenz der Stewardessen tatsächliche um Krankheitsfälle gehandelt hat. Angeblich habe ein Großteil der Flugbegleiter ihre plötzlichen Beschwerden nur mittels Telefon oder E-Mail dem zuständigen Arzt mitgeteilt, der dann prompt eine Krankheitsbestätigung erließ. Gesundheitsminister Girolamo Sirchia forderte die Ärzte zu mehr Verantwortung auf.

Andere Verbraucherverbände geben der Alitalia die Schuld. Diese habe das Problem der Flugbegleiter bisher völlig ignoriert. Der Sanierungsplan sieht unter anderem die Streichung von je einem Flugbegleiter bei internationalen Flügen und die Reduzierung von vier auf drei Flugbegleiter bei nationalen Flügen vor.

Alitalia hat für 2002 einen um 30 Prozent höheren Verlust (907 Mio. Euro) ausgewiesen, als ursprünglich erwartet wurde. Trotz der im vergangenen Herbst beschlossenen Kapitalaufstockung, der bereits erfolgten Streichung von mehreren Langstreckenflügen nach Nordamerika und Asien hat sich die Lage im ersten Quartal - auch infolge des Irakkrieges - weiter verschlechtert. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, Der Standard, Printausgabe, 05.06.2003)

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Alitalia

  • Alitalia-Maschinen in Rom.
    foto:epa/telenews

    Alitalia-Maschinen in Rom.

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