Mobiltelefon-Sucht plagt Chinas Jugend

4. Juni 2003, 15:03
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"Handy-Abhängigkeits-Syndrom" erfasst immer mehr - vor allem Jugendliche

In China, dem Land mit den weltweit meisten Handy-Usern, scheint sich ein neues Problem anzubahnen. Unter Chinas Jugend macht sich mit dem so genannten "Handy-Abhängigkeits-Syndrom" eine neue psychische Krankheit breit. Betroffene lassen sich leicht ablenken und können sich laut Psychologen Yang Ling nur schwer auf ihre Arbeit konzentrieren. "Läutet ihr Mobiltelefon eine Zeit lang nicht, reagieren sie besorgt und checken das Handy, um sicher zu gehen, dass es richtig eingestellt ist", so Yang. Laut Statistik besitzen von 1,3 Mrd. Chinesen rund 200 Mio. ein Handy.

Neigen zur schlechten Laune

Vom Syndrom Betroffene verwechseln auch fälschlicherweise häufig das Läuten eines anderen Telefons mit dem eigenen und neigen zur schlechten Laune, setzt Yang fort. Die Symptome treten dann zu Tage, wenn die Anrufe weniger werden oder das Handy verloren geht. Der Psychologe fügt hinzu, dass diese Symptome für die neu auftretende psychische Krankheit typisch seien. Besonders ausgeprägt ist die Krankheit laut Yang bei eher menschenscheuen, exzentrischen sowie unsicheren Personen - auffallend häufig dabei in der Gruppe der Jugendlichen. Während einige durch den Handy-Gebrauch Kontakt mit der Umwelt suchten, um so sicherzustellen, von der Gesellschaft nicht vergessen oder gar fallengelassen worden zu sein, erhoffen sich andere dadurch, ein Image aufzubauen. Die exzessive Handy-Nutzung soll dies unterstützen.

Der Fall eines 25-jährigen chinesischen Verkäufers

Gegenüber der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua untermauert er dies mit dem Fall eines 25-jährigen chinesischen Verkäufers. Dieser gewöhnte sich durch den permanenten Handy-Gebrauch schnell an sein berufliches Image. Nur das regelmäßige Klingeln vermittelte ihm das Gefühl, ein ausgefülltes Leben zu führen. Als die Geschäfte schlecht gingen und die Anrufe am Handy weniger wurden, verblasste sein Berufsimage. Er selbst fühlte sich eigenen Angaben zufolge rastlos, kam schnell in Rage und konnte sich nicht mehr auf seine Arbeit konzentrieren. Yang rät vor allem Jugendlichen, dem Handy nicht allzuviel Bedeutung zuzumessen und sich mit anderen Tätigkeiten abzulenken. Gelinge dies nicht, sollte so rasch wie möglich ein Psychologe zu Rate gezogen werden. (pte)

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